Knappe Niederlage gegen Berlin Fantastisches Spiel des TVB mit traurigem Ende

Erneut in Top-Form präsentierte sich der TVB-Rechtsaußen Bobby Schagen (hier beim Wurf), der den deutschen Nationaltorhüter Silvio Heinevetter mehrfach düpierte (rechts Paul Drux). Nur knapp verpasste der TVB eine Überraschung gegen die Füchse Berlin. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Nur hauchdünn ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gegen den zweifachen Vereinsweltmeister Füchse Berlin an einer Überraschung vorbeigeschrammt. In der 53. Minute führte der TVB mit 31:27 und musste sich mit 33:34 geschlagen geben. Der Zorn richtete sich dabei gegen die schwachen Schiedsrichter Christian vom Dorff und Fabian vom Dorff.

Gerechtigkeit gibt’s im Sport oft nicht, sonst hätte sich der TVB von den 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena zumindest mit einem Unentschieden verabschiedet. Nachdem der dänische Weltmeister Hans Lindberg mit der Schlusssirene den finalen Siebenmeter zum glücklichen 34:33-Sieg der Füchse versenkt hatte, kickte der TVB-Keeper Jogi Bitter den Ball enttäuscht ins Seitenaus. Seinem Trainer Jürgen Schweikardt genügten die 20 Minuten zwischen Spielende und Pressekonferenz nicht, um seine Nerven zu beruhigen. Er fühlte sich von den Schiedsrichtern um den Lohn gebracht (siehe Stimmen zum Spiel rechts).

Die Taktik, die sich Schweikardt für sein Team zurechtgelegt hatte, war klar: Mit Tempohandball sollte den Berlinern das Leben schwer gemacht werden – und dies funktionierte von Beginn an hervorragend. Der TVB ließ sich vom 2:4-Rückstand und der nach fünf Minuten bereits vierten Parade des Nationaltorhüters Silvio Heinevetter nicht aus der Ruhe bringen und nützte jede Gelegenheit, die Füchse durch die Scharrena zu scheuchen. Protagonisten waren vor allem der wie schon gegen Leipzig überragende Bobby Schagen und der mutige und spielstarke Max Häfner.

Schagen glich mit einem Doppelpack zum 4:4 aus (7.), Häfner brachte sein Team erstmals in Front (5:4/9.). Die Füchse holten sich anschließend jedoch die knappe Führung zurück, wobei sie zunächst Vorteile auf der Torhüterposition hatten. Heinevetter hielt stark, Bitter kam nicht so richtig auf Betriebstemperatur. Einen größeren Vorsprung erspielte sich der Favorit aber nicht, weil er sich im Angriff zu viele technische Fehler leistete. Nach 18 Minuten lag der TVB beim 10:9 wieder vorne – und legte sogar noch zwei Treffer nach durch Häfner und Simon Baumgarten zum 12:9 (20.). Der Füchse-Coach Velimir Petkovic bat seine offensichtlich vom Tempo und variablen Spiel des TVB überraschten Spieler zur Besprechung, doch das Heimteam blieb am Drücker. Häfner düpierte Heinevetter zum 14:11 und 15:11 (26.), Schagen konterte zum 16:12 (27.) und 17:13 (29.). Für die Füchse ging’s mitunter viel zu schnell, mit der verdienten 18:15-Führung ging der TVB in die Halbzeit.

Mit einer etwas offensiveren Deckung versuchte Berlin, nach der Pause das Tempo aus dem Spiel des Gastgebers zu nehmen. Der spielte aber weiterhin mutig drauflos. Die Berliner schafften es zunächst nicht, näher heranzurücken – und sie wurden nervös und ungeduldig. So musste Heinevetter, der sich zuvor bereits mehrfach beschwert hatte, für zwei Minuten auf die Bank – allerdings auch Michael Schweikardt (39.). Der TVB kam nun etwas aus dem Tritt, weil auch Manuel Späth eine Zeitstrafe aufgebrummt bekam. Lindberg verkürzte zum 24:25.

Den Ausgleich indes schafften die Füchse nicht – auch, weil Bitter nach 45 Minuten besser ins Spiel kam. Nach dem 28:27 gelangen dem TVB durch Dominik Weiß, bei den sich starke mit unglücklichen Szenen abwechselten, David Schmidt und Schweikardt drei Tore in Folge zum 31:27. Sieben Minuten vor Schluss wackelte der Favorit gewaltig. Allerdings nutzte er in der hitzigen Schlussphase seine individuelle Klasse – allen voran in Person von Mattias Zachrisson und Fabian Wiede. Die beiden verkürzten nach einem Fehlwurf und einem technischen Fehler des TVB zum 29:31, Simon Baumgarten lupfte den Ball gut vier Minuten vor dem Ende zum 32:29 ins Tor. Häfner zielte anschließend über den Kasten, Zachrisson besorgte das 30:33 und den 31:32-Anschluss. Dann scheiterte Weiß, Lindberg egalisierte im Gegenzug zum 32:32. Schmidts 33:32 ließ den TVB noch einmal träumen, doch Wiede glich aus und zog zudem eine Zeitstrafe gegen Weiß. Die letzte Chance zum Ausgleich vergab Lukas von Deschwanden. Bitter parierte den finalen Wurf von Johan Koch zwar, doch die Schiedsrichter hatten ein Foul gesehen und gaben Strafwurf. Lindberg blieb kühl und sicherte den Füchsen beide Punkte.

Der Frust war immens beim TVB. Einen kleinen Trost jedoch gab’s: Durch das Bietigheimer Remis gegen Wetzlar ist der Ligaverbleib auch theoretisch sicher.


TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner (4), Weiß (7), Schagen (9/2), Schweikardt (2), Späth (3), Baumgarten (2), Röthlisberger, Kienzle, von Deschwanden (3), Pfattheicher, Schmidt (3), Wissmann, Foege.

Füchse Berlin: Heinevetter, Semisch; Wiede (7), Elisson (1), Holm (3), Struck (2), Mandalinic, Gojun, Lindberg (7/2), Zachrisson (6), Schmidt, Reißky, Koch (2), Marsenic (3), Drux (3).

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