Rems-Murr-Sport Fußballerin aus Winterbach im U16-Nationalteam

Julia Landenberger, hier im Trikot des FSV Waiblingen, geht auf und davon. Foto: Ulmer

Es gibt Fußball-Karrieren, die beginnen auf der Straße. Julia Landenberger aus Winterbach-Manolzweiler startete im Kindergarten. Jetzt ist sie Mitglied der U-16-Nationalmannschaft. Doch so früh ihr Weg auch begann, beinahe wäre er ziemlich rasch wieder zu Ende gewesen.

Im Oktober 2018 kam sie vom ersten Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft in Bad Hennef zurück und war sich in einem völlig sicher: „Da gehe ich nie wieder hin.“

Mutter Monika Landenberger kann sich noch gut daran erinnern, wie entsetzt ihre Tochter damals war über das, was sie beim Lehrgang erlebt hatte. „Da schaut jeder nur nach sich selbst“, sagte die Tochter, die sich selbst als Teamspielerin sieht. Die Trainer packten die neuen Schützlinge zudem hart an nach dem Motto: Die Mädchen sollen Leistung bringen, wohlfühlen können sie sich auch zu Hause.

„Wir haben das in der Familie diskutiert“, erzählt die Mutter. Julia entschied sich schließlich doch dazu, den nächsten Lehrgang zu besuchen ... bis es Zeit zur Abreise war. „Ich geh nicht“, verkündete sie. Das allerdings ließ die Mutter nicht zu. Die Tochter hatte zugesagt, Zusagen werden eingehalten!

Ein Grundsatz, den auch die Tochter teilt. Also machte sie sich auf den Weg, diesmal zur Sportschule Ruit – und alles war anders. Kein rauer Ton, kein Drill. Wahrscheinlich, vermutet die Mutter, war der erste Lehrgang nur ein Test gewesen. Wer hält den Druck aus? Julia Landenberger hat ihn – mit familiärer Unterstützung – ausgehalten. „Sie ist ganz glücklich zurückgekommen“, sagt Monika Landenberger.

Die Ruhige muss sich ändern, die Ellbogen ausfahren

Eines jedoch hatte sich auch beim zweiten Lehrgang nicht geändert. „Alle schauen nur auf sich.“ Weil die Winterbacherin ihre Chance nun aber nutzen wollte, war klar: „Ich muss was ändern.“ Die Ellbogen ausfahren. Die Nationalelf, zumindest das Training, sei „ein harter Kampf“.

Dabei ist Julia Landenberger ein ruhiges, zurückhaltendes Mädchen. Auf dem Platz allerdings, sagt die Mutter, „kann sie mittlerweile ganz anders“. Da fege sie auch ihre männlichen Mitspieler in der Oberliga-Mannschaft des FSV Waiblingen an. Sie ist offensichtlich lernfähig.

Vier Länderspiele hat Julia Landenberger bereits hinter sich, zwei Tore sind ihr gelungen. Dabei hat sie als zentrale Mittelfeldspielerin grundsätzlich andere Aufgaben, als den Ball über die Linie zu drücken. Doch genau das ist ihr bereits in ihren ersten beiden Länderspielen in Berlin gegen Dänemark gelungen; obwohl sie als rechte Verteidigerin auflaufen musste.

Training, Spiele, Lehrgänge – und dann auch noch Schule

Sechsmal in der Woche trainiert die 15-Jährige nun. Viermal mit dem FSV Waiblingen, zweimal ist Frühtraining im Olympiastützpunkt Stuttgart. Zur Schule geht sie auch noch, ins Schickhardt-Gymnasium Stuttgart. Der volle Terminkalender bedeutet: „Es vergeht kein Wochenende, ohne dass wir einen Tag komplett mit Lernen verbringen“, sagt die Mutter. Auch zu Lehrgängen nimmt die Tochter Bücher mit, der DFB stellt sogar eigene Lehrer.

Wer aber ehrgeizig ist und Profifußballerin werden will, muss Abstriche in Kauf nehmen. Julia ist klar, dass Schule („Da muss man halt durch“) und Ausbildung unverzichtbar sind.

Wie aber hat das alles angefangen? „Von der Oma gab’s zu Ostern immer einen Ball“, erzählt Monika Landenberger. Gekickt habe Julia mit dem Cousin und – ausgiebig – im Kindergarten Lehenbach in Winterbach. Mit drei wollte sie bereits zu den Bambini des VfL Winterbach. Der Trainer allerdings befand: zu jung. Im Dezember wurde Julia vier, „im Januar sind wir zum VfL“.

Dort spielte sie bis zur E-Jugend, wechselte danach zum FSV Waiblingen, wo sie immer noch – aktuell in der C-Junioren-Oberliga – spielt. Dass sie ständig mit Jungs kickt, hat ihre Entwicklung gefördert – und sie schließlich bis in die Nationalelf befördert. Auch jetzt ist sie wieder unterwegs. Sie spielt für die Verbandsauswahl Württemberg beim Länderpokal in Duisburg-Wedau.


Julia Landenberger

Julia Landenberger (15) aus Winterbach-Manolzweiler spielt aktuell in der C-Junioren-Oberliga, steht mit dem FSV Waiblingen auf Platz vier.

Sie blickt auf drei Spiele in der U-14-Verbandsauswahl zurück, vier in der U 16 und vier Einsätze in der U-16-Nationalmannschaft.

Zwei Treffer (plus ein Tor im Elfmeterschießen beim Turnier vor kurzem in Portugal) sind ihr für die DFB-Auswahl gelungen.

Ihre aktuelle Trainerin in der U-16-Auswahl ist Anouschka Bernhard, die aus Waiblingen-Neustadt stammt. Sie wurde mit dem FSV Frankfurt Deutsche Meisterin, mit dem Nationalteam Europameisterin und Vize-Weltmeisterin. Als DFB-Trainerin gewann sie fünfmal die U-17-Europameisterschaft.

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