Rems-Murr-Sport Historisch: Dritter Erstliga-Sieg in Serie

Dominik Weiß (beim Wurf, gegen die Melsunger Marino Maric und Michael Allendorf, rechts Zarko Pesevski) hatte maßgeblichen Anteil am Sieg des TVB Stuttgart. Foto: Steinemann Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Handball, 1. Bundesliga, Männer: TVB Stuttgart – MT Melsungen 31:28 (13:10) / Bitter, Pfattheicher und Weiß glänzen

Darauf hat der TVB Stuttgart viereinhalb Jahre warten müssen: Mit dem verdienten 31:28-Sieg (13:10) gegen die MT Melsungen hat er zum ersten Mal drei Spiele in der ersten Handball-Bundesliga hintereinander gewonnen. Die Protagonisten in der mit 2251 begeisterten Fans ausverkauften Scharrena waren der Torhüter Johannes Bitter, der neunfache Torschütze Sascha Pfattheicher und Dominik Weiß (8 Tore). Dem „Langen“ gelang zwar nicht alles, er erzielte aber wichtige Treffer in entscheidenden Phasen.

Aus dem Bruderduell zwischen Kai und Max Häfner wurde nichts: Der Melsunger trat die Reise nach Stuttgart wegen einer Grippe ebenso erst gar nicht an wie sein Mannschaftskollege Felix Danner. Vor allem Häfners Ausfall schmerzte den Favoriten. Häfners Vertreter, der Ex-Bittenfelder Stefan Salger, erwischte keinen guten Tag.

Doch auch der TVB trat nicht in Bestbesetzung an: Die Schulter von Adam Lönn machte einen Einsatz unmöglich. Dessen Vertreter Dominik Weiß ersetzte den Schweden aber insgesamt gut. Die Melsunger versuchten, mit einer 5:1-Deckung den Stuttgarter Spielaufbau zu stören. Das funktionierte ordentlich: Der TVB tat sich schwer, suchte die Lücken am Kreis, fand sie aber selten. In der zunächst torarmen Partie brachte der beste Melsunger, der Spielmacher Lasse Mikkelsen, sein Team nach acht Minuten mit 3:2 in Führung.

Die währte allerdings nicht lange, weil der TVB in der Defensive sehr gut arbeitete. Die Shooter Salger und Julius Kühn kamen nicht in Position und leisteten sich zudem etliche Fehler. Allen voran der deutsche Nationalspieler stand zunächst neben sich. Mit drei Toren in Folge setzte sich der TVB nach 17 Minuten zum 7:4 ab – es folgte die Auszeit von Gästetrainer Heiko Grimm. Der stellte seinen Rückraum um, ohne Erfolg jedoch. Pfattheicher stellte mit dem 9:5 die erste Vier-Tore-Führung für den TVB her (20.).

Beim Heimteam ging zwar auch mancher Pass ins Leere, die Fehlerquote der Gäste war aber noch höher. So hielt der TVB seinen Vorsprung bis zum 11:7, nachdem Bitter ins leere Melsunger Tor getroffen hatte. Dann brachten die unsicheren Schiedsrichter Thomas Kern und Thorsten Kuschel Hektik ins Spiel, trotzdem ging der TVB mit der 13:10-Führung in die Pause.

Im zweiten Spielabschnitt war damit zu rechnen, dass die Melsunger eine andere Leistung an den Tag legen würden. Und so kam es auch. Kühn übernahm Verantwortung, verkürzte zum 11:14 und 14:16 aus Sicht der Gäste. Die Fehler im Angriff stellten sie allerdings nicht ab, der TVB schnappte sich immer wieder Bälle. Und die verwandelte Pfattheicher eiskalt. Beispielsweise mit drei Toren in Folge zum 20:15 (38.). Bei diesem Polster blieb’s bis zum Siebenmeter-Heber von Patrick Zieker zum 22:17 (43.). Der TVB hatte den Rückraum der Gäste weiterhin im Griff, sie mussten es über die Außen versuchen und hatten damit auch einige Male Erfolg. So verkürzte der Nationalmannschafts-Außen Tobias Reichmann zum 20:23 (48.). Zu schnell kassierten die Stuttgarter nun Gegentreffer, immer wieder fand Mikkelsen eine Lücke. Auf der anderen Seite überzeugte Weiß mit einer starken Wurfquote und hielt mit seinen Toren den Gegner auf Abstand.

Dennoch blieb die Partie bis zum Ende spannend. Michael Allendorf brachte Melsungen beim 25:27 (53.) nach langer Zeit auf zwei Tore heran. Beim TVB schlichen sich nun auch Konzentrationsfehler ein. Mikkelsens Treffer zum 26:28 läutete die dramatischen letzten fünf Minuten ein. In denen lief Bitter richtig heiß. Der Weltmeister hatte zuvor zwar auch schon sehr gut gehalten, doch nun war er kaum mehr zu überwinden. Drei freie Würfe hielt er hintereinander, den 27:28-Abschluss konnte aber auch er nicht verhindern.

Eineinhalb Minuten vor dem Ende sicherte ausgerechnet Robert Markotic, der zuvor kaum Spielanteile hatte, mit dem 29:27 zumindest einen Punkt. Es wurden zwei daraus, weil Max Häfner 32 Sekunden vor Schluss den Ball zum 30:28 ins Netz hämmerte. Nach einer weiteren fantastischen Parade von Bitter war es Manuel Späth vorbehalten, den 31:28-Endstand zu erzielten.

Mit diesen beiden Bonuspunkten hat der TVB den Abstand auf die Abstiegsränge auf sechs Punkte vergrößert.

TVB Stuttgart: Bitter (1), Lehmann; Häfner (2), Asgeirsson, Weiß (8), Faluvégi (1), Späth (3), Markotic (1), Röthlisberger, Zieker (4/3), Pfattheicher (9), Pesevski (1), Schmidt (1), Wieling.

MT Melsungen: Simic, Sjöstrand; Maric (1), Kühn (4), Lemke, Reichmann (5), Ignatow, Kunkel, Mikkelsen (10/4), Schneider (2), Allendorf (4), Sidorowicz, Salger (2), Pavlovic.

Stimmen zum Spiel:

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB Stuttgart: „Es war wieder einmal ein sehr nervenaufreibendes Spiel. In der ersten Halbzeit haben wir richtig gut verteidigt. Dieses Mal sind wir auch besser aus der Halbzeit herausgekommen. Sicher scheiterte Melsungen in den letzten 20 Minuten an Jogi, aber andererseits hätten wir den Sack früher zumachen können.“

Heiko Grimm, Trainer der MT Melsungen: „Der Stachel sitzt tief, wir sind sehr enttäuscht. Kämpferisch kann ich meinen Spielern keinen Vorwurf machen. Leider sind wir in der Crunchtime an Jogi Bitter gescheitert. Da kann man nichts machen.“

Restliche Spiele vom Donnerstag:

SG Flensburg – HBW Balingen 32:25 Füchse Berlin – THW Kiel 29:28 TBV Lemgo – Rhein-Neckar Löwen 30:25 Ludwigshafen – TSV Hannover 24:26

Dominik Weiß (beim Wurf, gegen die Melsunger Marino Maric und Michael Allendorf, rechts Zarko Pesevski) hatte maßgeblichen Anteil am Sieg des TVB Stuttgart. Foto: Steinemann

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