Rems-Murr-Sport Marcel Fehr will ohne Förderung durchstarten

Bei der Heim-EM in Berlin zeigte Marcel Fehr heuer über die 5000 Meter eine gute Leistung und erreichte Platz 18. Doch was die Bestzeiten angeht, ist noch Luft nach oben. Foto: Iris Hensel

Weil wegen der Leistungssportreform ein EM-Start nichts mehr gilt, sondern nur noch das Erreichen von Fabelzeiten, hat es Läufer Marcel Fehr wie erwartet erneut nicht in den Bundeskader geschafft. Dennoch will er sich im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio noch einmal voll auf den Sport konzentrieren und sich entscheidend verbessern.

Zwar ging es diesmal bei der Besetzung des Langstrecken-Bundeskaders des Deutschen Leichtathletik-Verbandes fair zu. Bei den Über-25-Jährigen wird nur noch Richard Ringer (künftig LC Rehlingen) finanziell gefördert, der über 5000 Meter als Einziger die Norm von 13:16 Minuten – neun Sekunden schneller als die Olympia-Norm – knackte. Martin Sperlich (VfB LC Friedrichshafen) dagegen, der in den Kader für 2018 berufen worden war, obwohl er zuvor verletzungsbedingt kein Rennen bestritten hatte, hat diesmal das gleiche Schicksal wie Fehr ereilt.

Der kritisiert trotzdem: „In vielen anderen Kadern sind Athleten drin, die die Norm nicht erreicht haben.“ Ein Beispiel sei der Hindernis-Kader über 25 Jahren. „Der wäre sonst leer gewesen.“ Positiv sei immerhin, dass der DLV weiterhin Martin Grau (künftig LAC Erfurt) unterstütze, der die Norm nur hauchdünn verpasst habe.

Fehr hält die die deutsche Leistungssportreform nach wie vor für falsch

Marcel Fehr hält die deutsche Leistungssportreform, die für mehr Medaillen sorgen soll, nach wie vor für falsch. Eine EM-Teilnahme, der Läufer der SG Schorndorf wurde in Berlin 18. über 5000 Meter, sei nichts mehr wert. Und warum qualifizierten sich für die Heim-EM 2018 so viele Athleten, die wie er selbst gar nicht mehr im Kader waren? Fehr nennt das Manko: „In die Disziplinen, in denen wir schwach sind, steckt man weniger Geld rein, und die, die sowieso erfolgreich sind und sich eher über Sponsoren finanzieren können, werden mehr gefördert. Man braucht aber die Förderung, um was zu erreichen, und nicht erst, wenn man’s erreicht hat.“

Erneut werden dem Urbacher im kommenden Jahr über 10 000 Euro an DLV-Fördermitteln fehlen. Dennoch will er mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio noch einmal angreifen. „Im nächsten Jahr ist mein Studium zu Ende, und dann werde ich ein Jahr lang alles dransetzen, um einen ordentlichen Sprung zu tun.“ Er müsse über 5000 Meter deutlich unter 13:30 Minuten laufen [Bestzeit 13:31] und über 1500 Meter endlich unter 3:40 Minuten bleiben.

Also gilt es, das Training zu intensivieren, und dazu gehören auch Trainingslager unter optimalen Bedingungen – ein großer Kostenfaktor. Fehr freut sich darüber, dass seine Mutter „auch noch ein bisschen was für mich zusammenkratzt“. Auf der anderen Seite ist ihm das freilich etwas unangenehm: „Ich bin 26, und da fänd’ ich’s schöner, wenn meine Mutter da kein Geld mehr nachschießen müsste.“


Training in Kenia

Wie schon 2011 werden Marcel Fehr und sein Heimtrainer Uwe Schneider im Frühling 2019 zu einem Höhentrainingslager nach Kenia fliegen. Diesmal auch mit dabei ist Hanna Klein.

  • Bewertung
    3