Rems-Murr-Sport Martin Obst und ASV-Coach werden keine Freunde

, aktualisiert am 19.12.2019 - 12:57 Uhr

Insgesamt friedlich verlaufen ist der hochklassige Rückrundenkampf zwischen den Bundesligisten ASV Schorndorf und dem RSV Rotation Greiz. Aufgebrachte Gemüter gab’s in der mit mehreren Hundert Zuschauern gut gefüllten Sporthalle Grauhalde nur einmal: Gästeringer Martin Obst verweigerte ASV-Trainer Sedat Sevsay den Handschlag.

Nein, diese beiden werden keine Freunde mehr. Nach dem mit 13:15 verlorenen Hinkampf in Greiz hatte der ASV ein zweites Protokoll anfertigen lassen und Einspruch gegen Obsts Einsatz eingelegt. Die Schorndorfer werfen dem Freistil-Vizeeuropameister einen verpassten Dopingtest vor, seit Monaten wird gegen den Ringer ermittelt. Wird er verurteilt, könnte er mit einer Sperre von bis zu vier Jahren bestraft werden. Die Schorndorfer beklagten außerdem, einige ihrer Athleten, darunter Sevsay-Sohn Jello Krahmer, seien von thüringischen Fans rassistisch beleidigt worden (Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung war von sächsischen Fans die Rede. Wir haben das korrigiert.). Die Greizer wiesen die Beschuldigungen vehement zurück.

Für Brisanz war also ordentlich gesorgt vor dem Rückkampf am Sonntag in Schorndorf. Erfreulicherweise blieb es sportlich fair – bis Martin Obst gleich nach der Pause zum Kampf in der Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm Freistil antrat. Es gab vereinzelt, aber gut hörbar Buh-Rufe und Pfiffe von den normalerweise als eher (zu) ruhig bekannten Schorndorfer Fans. Der deutsche Spitzenringer blieb zunächst cool und feierte einen souveränen 8:0-Punktsieg über Zalik Sultanov. Dann aber ließ der Greizer seinen Emotionen freien Lauf. Er ging mit ausgestreckter Hand auf Sevsay zu, zog sie kurz vor dem Kontakt brüsk zurück und drehte ab. Nun buhten und pfiffen alle Schorndorfer Zuschauer. Und Obst, nach einem nun vom Kampfrichter Bastian Wohlfahrt erzwungenen Handschlag mit Sevsay, heizte die Stimmung noch mehr an, indem er ironischen Beifall in die Ränge schickte.

„Martin Obst ist ein Hitzkopf“, sagte Sedat Sevsay am Ende des Kampfabends. „Dem Trainer den Handschlag zu verweigern, geht gar nicht.“ Obst sah die Sache naturgemäß anders: „Es war schon emotional heute, weil Sachen berichtet und Gerüchte hinausposaunt worden sind, die jetzt einfach im Raum stehen. Dabei ist gar nichts passiert.“ Auf die Frage, warum dann gegen ihn wegen des Verdachts auf Dopingvergehen ermittelt wird, wiederholte der Ringer, es sei nichts passiert. Und fügte hinzu: „Da hat jemand von Tuten und Blasen keine Ahnung.“ Fünfmal sei er im vergangenen halben Jahr kontrolliert worden. „Alle Tests waren negativ.“ Auch nach dem Kampf in Schorndorf wurde Obst wieder zur Dopingprobe gebeten.

Ebenfalls stinksauer auf den ASV und speziell auf Sevsay ist der Greizer Trainer Tino Hempel. Nach dem Kampf am Sonntag beschwerte er sich über das Verhalten der Schorndorfer in Greiz: erst verlieren, dann das Protokoll umschreiben lassen und einen Doping-Vorwurf gegen Martin Obst formulieren. Dabei sei der Fall ganz einfach gelagert und nicht zu beanstanden: Die Kontrolleure der Nationalen Anti-Doping-Agentur seien schon um kurz vor sechs Uhr morgens bei Obst erschienen, um eine Dopingprobe vorzunehmen. „Das hat er abgelehnt. Aber kurze Zeit später wurde der Test gemacht.“ Und dann werde so ein verdienter Ringer, „ein Vizeeuropameister für Deutschland“, von den Schorndorfer Fans ausgebuht. „Das ist nicht fair.“

Der Greizer Trainer contra Jello Krahmer

Was Hempel des Weiteren auf die Palme bringt, sind die Rassismus-Vorwürfe der Schorndorfer. „Da können Sie alle fragen, den Bürgermeister, die Funktionäre, die Fans: Da war nichts in Greiz. Es war ein super Kampf, sportlich fair.“ Doch wegen des ASV und entsprechender Zeitungsberichte „wird getan, als kommen wir jetzt hierher mit Baseballschlägern und Hakenkreuz auf der Stirn“. Hempel nimmt besonders Jello Krahmer aufs Korn: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.“ Denn der ASV-Ringer habe im Internet Beiträge gepostet, die „komplett unter der Gürtellinie waren“. Jello Krahmer bestätigt solche Posts zwar, sagt aber, diese seien augenzwinkernd, also humorvoll gemeint gewesen.

Einig sind sich Sedat Sevsay und Tino Hempel wenigstens in einem Punkt: Der Kampf in Schorndorf war hochklassig, das 12:12-Unentschieden gerecht. Damit bleibt Greiz Dritter vor Schorndorf. Sevsay rechnet nicht damit, dass es noch im Dezember eine Entscheidung im Verfahren gegen Martin Obst gibt. Stimmt das, wäre der Traum des ASV, es als Aufsteiger in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft zu schaffen, geplatzt. Platz vier in der Staffel Südost, der stärksten der Liga, wäre dennoch ein schöner Erfolg.

Kampf spannend bis zum Schluss

ASV Schorndorf – RSV Rotation Greiz 12:12. Angetrieben von den ohrenbetäubend lauten Greizer Trommlern, entschied Gästeringer Zurab Matcharashvili den Auftaktkampf gegen Engin Cetin, der stilartfremd antreten musste, mit 8:1 Punkten für sich. Es folgte eine famose Leistung von ASV-Schwergewichtler Fatih Yasarli. Er bezwang mit viel Cleverness den WM-Dritten Magomedgadji Nurov mit 2:1. Umjubelt war auch der Überlegenheitssieg von Marin Filip, der unter anderem mit einem Kopfhüftschwung glänzte. Für den Ringer war’s der erste Saisonerfolg. Ilja Klasner, einer der Publikumslieblinge, holte als Favorit zwei weitere Mannschaftspunkte für Schorndorf. Knackpunkt der Begegnung war der letzte Kampf vor der Pause. ASV-Coach Sedat Sevsay hatte sich einen knappen Sieg von Abdolmohammad Papi erhofft. Doch dessen Gegner Dawid Karecinski zeigte sich in überragender Form und gewann nach einem sehr sehenswerten Duell mit 5:2. Zur Pause stand’s somit nur 7:4 für die Schorndorfer.

Unter einigen Pfiffen und Buh-Rufen der Schorndorfer Fans sowie „Obsti! Obsti!“-Rufen der wenigen mitgereisten Greizer Zuschauer zeigte Martin Obst, Vizeeuropameister von 2018 und amtierender Deutscher Meister, seine Klasse und glich für den RSV zum 7:7 aus. Es folgte ein nicht unerwarteter Sieg mit technischer Überlegenheit des Schorndorfers Dawid Wolny. Sehr eng verlief dagegen die Begegnung von Maximilian Schwabe. Kurz vor Ablauf der zweiten Runde gelang ihm die entscheidende Wertung zum 2:1. Vor einer fast unlösbaren Aufgabe stand Idris Ibaev gegen den besten Ringer der Liga in dieser Gewichtsklasse, Igor Besleaga. Zwar hielt der Schorndorfer lange mit, verlor aber 1:6. Vor dem letzten Kampf führte Schorndorf 12:9. Doch es sollte nicht reichen zum Sieg. Eichhörnchenhaft sammelte der Greizer Daniel Sartakov gegen André Winkler einen Punkt nach dem anderen und sorgte so für den 12:12-Endstand.

Kampfprotokoll: 57 kg GR: Cetin – Matcharashvili 1:8 PN (0:2). 130 kg FR: Yasarli – Nurov 2:1 PS (1:2). 61 kg FR: Filip – Cammin 19:2 TÜS (5:2). 98 kg GR: Klasner – Leffler 7:0 PS (7:2). 66 kg GR: Papi - Karecinski 2:5 PN (7:4). 86 kg FR: Sultanov – Obst 0:8 PN (7:7). 71 kg FR: D. Wolny – Galamatov 18:2 TÜS (11:7). 80 kg GR: Schwabe – M. Wolny 2:1 PS (12:7). 75 kg GR: Ibaev – Besleaga 1:6 PN (12:9). 75 kg FR: Winkler – Sartakov 0:10 PN (12:12).

@ Ausschnitte auf www.facebook.de/zvwsport

Sicherer Schorndorfer Sieg

ASV Schorndorf – FC Erzgebirge Aue 18:10. Für die Schorndorfer war’s ein Doppelkampf-Wochenende. Am Samstag ließen sie nichts gegen den Vorletzten anbrennen. In die Karten spielte dem ASV, dass Aue ersatzgeschwächt antrat und die Klasse bis 71 Kilogramm Freistil wegen Übergewichts ihres Athleten kampflos abgab. Der Schorndorfer Coach Sedat Sevsay freute sich über die Leistung von Zalik Sultanov, der den Bundeskader-Ringer Franco Büttner mit 5:4 schlug. Positiv überraschte auch Fatih Yasarli. Im Schwergewicht holte er einen Sieg mit technischer Überlegenheit gegen den stark eingeschätzten Ilja Matuhin. Sevsay war rundum zufrieden: „Es war ein schöner Abend mit netten Gästen.“

Kampfprotokoll: 57 kg GR: Cetin – Los 0:9 PN (0:3). 130 kg FR: Yasarli – Matuhin 16:0 TÜS (4:3). 61 kg FR: Filip – Gazimagomedov 0:8 PN (4:6). 98 GR: Klasner – Linke 9:0 PS (7:6). 66 kg GR: Papi – Vierling 16:0 TÜS (11:6). 86 kg FR: Sultanov – Büttner 5:4 PS (12:6). 71 kg FR: Wolny – Singer ÜG Singer (16:6). 80 kg GR: Schwabe – Weinhold 8:2 PS (18:6). 75 kg GR: Chelo – Jäger 1:5 PN (18:8). 75 kg FR: Winkler – Gulyas 1:4 PN (18:10).

  • Bewertung
    0
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.