Rems-Murr-Sport TSV Rudersberg: Mit einem Neubeginn zurück zu alten Erfolgen?

Patrick Keinath (rechts) ist der jüngste Spieler beim TSV Rudersberg und dennoch der erfolgreichste Torschütze. Hier läuft er Ali Cankar vom TSC Murrhardt davon. Foto: ZVW / Steinemann

Der TSV Rudersberg und die Fußball-Bezirksliga – das ist eine wechselvolle Geschichte. Mehrfach ist der TSV aufgestiegen und genauso oft wieder ab. Jetzt klopft er wieder an die Tür. Dabei hat er vor der Saison einen Generationswechsel eingeleitet.

Die Situation früher und heute

Der TSV Rudersberg steht vor dem letzten Vorrundenspieltag auf Platz zwei der Kreisliga A II – nur zwei Zähler hinter Spitzenreiter Großer Alexander Backnang. Reicht es mal wieder zu einem Sprung in die Bezirksliga? Der TSV pendelte in den vergangenen 25 Jahren oft zwischen diesen beiden Ligen. Nach einem kurzen Abstecher in die Landesliga 1991 mit darauf folgendem Absturz bis in die Kreisliga B kam er 1994 zurück in die Kreisliga A und wechselte zwischen 2001 und 2012 dreimal zwischen Bezirks- und Kreisliga A hin und her. Schon 2017 hätte er es fast wieder nach oben geschafft, er scheiterte aber in der Aufstiegsrelegation. Diesmal scheinen die Chancen noch besser zu stehen, obwohl die Mannschaft verändert, verjüngt wurde und mit einem Trainer-Neuling an den Start ging. Die Veränderungen aber tun Rudersberg offenbar gut. Das Ziel Aufstieg jedoch geben sie – zumindest offiziell – noch nicht aus.

Das sagt Abteilungsleiter Rüdiger Augustin

„Sehr zufrieden“ sei er derzeit, sagt Rüdiger Augustin, seit 2014 Abteilungsleiter beim TSV. Das betreffe sowohl Aktive als auch die Jugend, die als Spielgemeinschaft mit dem Nachbarn TSV Schlechtbach antritt. Dabei habe der Verein im Sommer „einen Neubeginn gestartet“: neue Spielleiter (Markus Greiner und Julian Lochmann), neue Trainer bei den Aktiven (Patrick Haaf und Kevin Kotrba) sowie ein neuer Torwarttrainer (Lars Binder). Dass all dies so schnell positive Ergebnisse liefern würde, sei nicht absehbar gewesen.

Bei den Aktiven löste Patrick Haaf Trainer Jan Strotbek ab, der vier Jahre lang für 1. Mannschaft und A-Jugend gleichzeitig zuständig war. Jetzt konzentriert sich Strotbek auf die A-Junioren in der Bezirksstaffel, aus der, so Augustin, im kommenden Jahr wieder „sechs, sieben Spieler zu den Aktiven kommen“. Mit ihnen soll die Philosophie, auf eigene Leute zu setzen, weitergeführt werden. Schon jetzt bestünde der Kader der ersten Mannschaft fast ausschließlich aus eigenen Spielern. Auch aus solchen, die aus beruflichen Gründen oder wegen eines Studiums aufgehört hatten, vom neuen Trainer aber überzeugt wurden, wieder einzusteigen. Augustin: „Es ist sensationell, wie sich Patrick Haaf reinhaut.“

Will der TSV angesichts der guten Tabellensituation nun auch aufsteigen? „Wollen tut man immer“, sagt Augustin. „Aber wir haben keinen Druck.“

Das sagt Trainer Patrick Haaf

Das sieht der neue Trainer Patrick Haaf (30) ähnlich. Aufsteigen? „Irgendwann in den nächsten Jahren bestimmt.“ Zunächst gelte es, unter den ersten zwei zu bleiben.

Für Haaf ist es die erste Trainerstelle, nur die Rommelhausener Frauen habe er mal „nebenher trainiert“. Er habe bewusst nach seinem Ausstieg als Spieler (zuletzt SG Schorndorf und SV Hegnach) ein Jahr pausiert und die Trainer-Lizenzlehrgänge besucht. Die Zeit habe er auch genutzt, um sich intensiv auf Rudersberg vorzubereiten, mit vielen Spielern zu reden, und dabei einige Aussteiger zurückgeholt, beispielsweise Alexander Eckl, Lukas Riefle und Sebastian Pfuhl. Neuzugänge gab es – außer Artur Kusminov von der SG Schorndorf und Patrick Keinath aus der eigenen Jugend – keine. Haaf: „Ich bin gut aufgenommen worden und mir gefällt, wie der Vereinsgedanke hier gelebt wird.“

Und wie seine Spieler auftreten und den „Generationswechsel“ umsetzen. Dabei helfen vor allem zwei Junge. Pascal (18) und Fabian Keinath (21) entlasten Sturmführer Dirk Seifert (33), der in den vergangenen Jahren fast im Alleingang für Rudersberger Tore gesorgt hat. Haaf war es „zu riskant“ gewesen, nur auf den Spielführer zu setzen. Das hat sich jetzt schon ausgezahlt. Seifert hat in vier Spielen gefehlt, Rudersberg schoss trotzdem Tore. Die meisten Pascal Keinath.

Gut gefallen hat Haaf auch, wie die Mannschaft den Ausfall von Stammspieler Lukas Nagel (Kreuzbandriss) verkraftet hat und danach noch jenen seines Vertreters im defensiven Mittelfeld, Nicolai Bauer (Bänderriss im Sprunggelenk). Das alles hat dazu geführt, dass die Rudersberger nur drei Unentschieden in der Bilanz stehen haben und eine Niederlage; und die bei Tabellenführer Große Alexander Backnang. Haaf: „Das war ein Spiel auf Augenhöhe.“ Die größere Erfahrung der Backnanger habe letztlich – verdient – den Ausschlag gegeben.

Das sagt Spielführer Dirk Seifert

„Wir haben in der zweiten Halbzeit in den Zweikämpfen nachgelassen“, sagt dazu Spielführer Dirk Seifert. Da seien die Griechen schließlich doch etwas besser gewesen. Das Ziel Aufstieg ist für die Rudersberger trotzdem weiterhin möglich, oder? Seifert gibt sich zurückhaltend. „Bis jetzt ist es nicht ausgerufen worden.“ Außerdem komme bald die Wintervorbereitung. Schlechtes Wetter, tiefer Boden, „da ist es kalt“. All das müsse erst mal abgewartet werden. Da spricht die Erfahrung aus 33 Jahren.

Internes Ziel sei ohnehin erst einmal gewesen, bis zum Winter 30 bis 35 Punkte zu holen. Das ist bereits erfüllt und kann deutlich übertroffen werden. Drei Spiele stehen noch an. Am Sonntag kommt der FC Welzheim zum Derby. „Da ist immer Feuer drin.“ Die klar besseren Karten haben derzeit die Rudersberger, Welzheim kämpft gegen den Abstieg. Wir schauen mit der Kamera vorbei.

Weitere Fakten zum TSV Rudersberg

Der TSV Rudersberg steht mit 33 Punkten und 41:17 Toren auf Platz zwei der Fußball-Kreisliga A II, zwei Zähler hinter Aufsteiger Großer Alexander Backnang.
Nur ein Spiel ging verloren, 1:2 beim Großen Alexander. Dreimal spielte der TSV unentschieden.
Erfolgreichster Torschütze ist Patrick Keinath mit 11 Treffern (nach Verbandsstatistik, 13 nach TSV-interner) vor Dirk Seifert (10) und Fabian Keinath (9).
Der TSV spielte 1989/90, 91/92, 2001 bis 08, 9/10 und 2011/12 in der Bezirksliga. 1990/91 war er in der Landesliga. In der Saison 2016/17 scheiterten die Rudersberger erst in der zweiten Aufstiegsrelegationsrunde mit 1:4 am SV Unterweissach.
Am Sonntag ist im letzten Hinrundenspiel der FC Welzheim um 14.30 Uhr zu Gast beim TSV.

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