Rems-Murr-Sport Noch ist alles gut im Fußballbezirk Rems-Murr

Oh nein, das darf nicht wahr sein! Gegentor oder verpasste Chance? Die Schwaikheimer Landesligafußballer (Trainer Aleksandar Kalic, links, und die Ersatzspieler) können bisher zwar nicht ganz zufrieden sein, müssen sich aber auch nicht allzu sehr grämen. Der Blick drei, vier Jahre voraus kann jedoch auch sie nicht kalt lassen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Das Jahr 2020 hat erst begonnen, die ersten Hiobsbotschaften haben wir aber schon verdauen müssen. Der Iran schießt ein Linienflugzeug „aus Versehen“ ab, das Klima spielt weiterhin verrückt und die deutschen Handballer tun sich bei der Europameisterschaft schwer. Immerhin: Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in die Rückrunde. Aber was bringt das neue Jahr sonst noch, was bringen die 20er Jahre für die Rems-Murr-Kicker? Nicht nur Gutes.

Drittligist SG Sonnenhof droht der Abstieg

Drittligist SG Sonnenhof Großaspach zum Beispiel muss zittern. Die Idee, mit Oliver Zapel einen Trainer zurückzuholen, der den Verein schon einmal verlassen hat, weil ihm der nicht ehrgeizig genug war für seine eigenen ambitionierten Ziele, erwies sich als Rohrkrepierer. Auch wenn unerwartet großes Verletzungspech hinzukam, die SG steht dem Abstieg in die Regionalliga näher als dem Verbleib in der 3. Liga. Und eine schnelle Rückkehr wäre dann kaum zu erwarten. Das neue Trainerteam – Mike Sadlo und Heiner Backhaus – hat eine Mammutaufgabe vor sich.

Verbandsliga: Starke TSG Backnang,  Fellbach in Not

Am liebsten hätten die SG-Verantwortlichen wohl Markus Lang als Trainer installiert, doch dem fehlt die nötige Lizenz. Allerdings war Lang auch ohne die bisher höchst erfolgreich. Im Vorjahr rettete er die SG in der Schlussphase vor dem Abstieg, 2016/17 hatte er die TSG Backnang in die Oberliga geführt. Zwei Jahre später folgte (ohne Lang) der Abstieg in die Verbandsliga, was zu einem großen Teil an der langwierigen Verletzung von Toptorjäger Mario Marinic lag. Mittlerweile trifft die Lebensversicherung der TSG wieder, der erneute Aufstieg in die Oberliga ist kaum noch zu verhindern.

Den Abstieg dagegen zu verhindern, wird dem SV Fellbach nur schwer gelingen. Der überraschende Aufstieg in die Verbandsliga kam für die (junge) Mannschaft offenbar doch zu früh.

Landesliga: Ein Neuling trumpft auf

Nichtsdestotrotz war das ein großer Erfolg und zeigt, dass mit den Rems-Murr-Fußballern in den bezirksübergreifenden Ligen zu rechnen ist. Und wie! Mit dem SV Kaisersbach mischt derzeit ein Rems-Murr-Neuling die Landesliga auf. Vierter ist er, noch vor den Oeffingern (Fünfter), die sich ebenfalls wacker schlagen. Mit fünf Mannschaften ist der Bezirk Rems-Murr gut vertreten, keine ist in akuter Abstiegsgefahr, wenngleich sich das schnell ändern kann in einer Liga, in der jeder jeden schlägt. Der Erfolg wird unter anderem davon abhängen, wie die nach gutem Beginn etwas wackeligen Schwaikheimer den Abgang von Torjäger Christian Seitz verkraften und ob Seitz nun dem SV Breuningsweiler entscheidend im Angriff helfen kann. Der SVB wird überdies hoffen, vielleicht doch mal von Personal-/Verletzungssorgen verschont zu bleiben.

Durchaus zufrieden sein kann der TSV Schornbach – zumindest angesichts der vorangegangenen Saison. Er sollte sich allerdings dazu durchringen, auch mal auswärts zu gewinnen.

Und im Bezirk? Zumindest spannend ist es

Das Fazit bisher also ist durchaus positiv. SG Sonnenhof und SV Fellbach sind zwar in Abstiegsgefahr, haben es aber immerhin bis in diese Ligen geschafft. Wie positiv sich die Bezirksliga bewerten lässt, ist schwer zu sagen. Kein Team ragt wirklich heraus. Das macht die Sache zumindest spannend – oben wie unten. Wer immer aber auch den Sprung nach oben schafft, es deutet nichts darauf hin, dass er in die Erfolgsstapfen des SV Kaisersbach treten könnte.

In den Kreisligen A liegen Teams vorne, mit denen nicht zu rechnen war. TV Weiler und Gerade-Erst-Aufsteiger SG Oppenweiler haben beste Aussichten. Die Kreisligen B liefern – leider – erneut ein teilweise ärgerliches Bild: Schon zur Saisonhalbzeit haben fünf Mannschaften aufgegeben. Zu befürchten steht: In der kommenden Saison wird sich das Spiel wiederholen. Ebenso jenes, dass aus der B V kaum jemand aufsteigen will.

Frauen treten auf der Stelle

Bei den Frauen geht es – zumindest was die Anzahl der Mannschaften anbelangt – seit Jahren nicht vorwärts. Zumindest der Rückschlag der Saison 2018/19 (nur elf Teams) wurde wieder ausgeglichen. Aktuell sind es wieder 13 Mannschaften in Konkurrenz. Herausragend seit Jahren: der SV Hegnach, der in der Spitzengruppe der Oberliga mitmischt.

C-Junioren des FSV Waiblingen ragen heraus

In der Jugend ragt der FSV Waiblingen mit seinen C-Junioren heraus. Die führen die Oberligatabelle an. Überregional spielen sonst nur noch die Waiblinger selbst in der B-Junioren-Verbandsstaffel (mit dem SV Fellbach) und bei den D-Junioren mit der SG Sonnenhof. Die Aspacher sind auch in der A-Junioren-Verbandsstaffel vertreten, zusammen mit SV Fellbach und SG Weinstadt.

Die Verbandsreform bereitet Sorgen

Aber womöglich sollten sich die Rems-Murr-Vereine weniger Gedanken um Auf- und Abstieg beziehungsweise über weniger oder mehr Frauen-Mannschaften machen, sondern um eine Zukunft, in der von den vertrauten Abläufen kaum noch etwas übrig sein könnte. Der Württembergische Verband treibt eine Reform voran, die im Großen und Ganzen Sinn ergibt (vor allem für einige Bezirke mit zu wenigen Mannschaften im Spielbetrieb), den Bezirk Rems-Murr aber zerreißen, zerstückeln oder aufblähen würde. Das derzeit wahrscheinlichste Reformmodell würde zusammen mit der Hälfte des Bezirks Hohenlohe einen flächenmäßig riesigen Bezirk zur Folge haben. Dann ginge es nicht mehr darum, welche beiden Mannschaften aus der Bezirksliga absteigen, sondern wie viele Rems-Murr-Teams sich dafür überhaupt noch qualifizieren.

Womöglich verändert der neue Zuschnitt dann auch das gute Bild, das der Bezirk aktuell abgibt, wenn es um Gewalt auf dem Sportplatz geht. Zwar gab es auch hier Spielabbrüche (zum Teil mit körperlichen Angriffen), allerdings deutlich weniger als in anderen Bezirken.

Ein bisschen Zeit, sich mit den Veränderungen anzufreunden, ist noch. Die Reform muss erst beschlossen werden, umgesetzt wird sie wohl frühestens 2023. Dennoch wird sie die Fußballer von nun an nicht mehr loslassen.

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