Rems-Murr-Sport Senkrechtstarter Luca Mazzei droht Karriereende

Luca Mazzeis letzter großer Erfolg: Platz drei bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm. Foto: dpa / Fotostand Foto: dpa / fotostand

Sein Start war furios, jetzt droht ihm das Aus. Luca Mazzei ist 2015 fast von null auf 100 gestartet. Eigentlich für den Kugelstoß-Kader vorgesehen, wurde er Deutscher Schülermeister im Speerwerfen. Zwei Jahre später folgte Platz drei bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Nach zwei Ellbogen-Operationen aber hofft er jetzt, überhaupt wieder werfen zu können.

„Der Arzt hat mir gesagt: Es gibt keine Garantie“, sagt Mazzei. Im April weiß er mehr, dann steht der erste Test an. Obwohl Mazzei eine niederschmetternde Nachricht einkalkulieren muss, hat der Plüderhäuser sich seinen Optimismus bewahrt. „Ich hatte schon viele Verletzungen. Auch wenn’s mal schlecht läuft, glaube ich daran, dass es wieder besser wird.“

Bisher hat das funktioniert, mehrfach. Die jüngste Vergangenheit allerdings stellte seine positive Einstellung auf eine harte Probe. „Die letzten drei Jahre waren für mich die härtesten, die ich je hatte“, sagt Mazzei.

Eine  Verletzung folgt auf die andere

Sie begannen mit einem Knochenmarködem in der Wirbelsäule. Es folgten Wasser in der Hüfte und in der Saison darauf (2017) ein Muskelbündelriss im rechten Oberschenkelbeuger. Der Arzt prophezeite, zehn Wochen lang sei an Wettkämpfe nicht zu denken. Dabei standen die deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm vor der Tür und Mazzei wollte teilnehmen. „Ich habe mich in sechs Wochen zurückgekämpft.“ Prompt zog er sich einen Faserriss im linken Oberschenkel zu. Auch diesen Rückschlag steckte er weg und sicherte sich in Ulm Platz drei. Nachträglich wurde ihm dafür der Molly-Schaufele-Preis für den besten Nachwuchsathleten in Württemberg zuerkannt.

Die Bronzemedaille jedoch war sein letzter großer Erfolg. Ellbogenschmerzen setzten ein. Im Trainingslager über Pfingsten 2018 allerdings schien alles wieder gut zu sein. „Ich hatte keine Schmerzen.“ Doch dann: ein Wurf, ein Schrei. Sein Trainer Markus Reichle dachte bereits, Mazzeis Bizepsmuskel sei gerissen. Die Ärzte diagnostizierten nur eine entzündete Ellbogensehne. Nur!

Zwei Operationen: „Jetzt hoffen wir, dass es hält“

Es folgte OP Nummer eins im Oktober: Knorpel wurde aus dem rechten Ellbogen entfernt. Bei OP Nummer zwei „wurde ein Innenband am Ellbogen durch zwei Sehnen aus dem Oberschenkel erneuert“. „Jetzt hoffen wir“, sagt Mazzei, „dass es hält. Im April wird getestet.“

Schulter und Ellbogen sind die Achillesferse der Speerwerfer. Aber während man die Schulter stabilisieren könne, sagt Landestrainer Markus Reichle, sei das am Ellbogen mangels Muskelmasse nicht möglich. „Beim Speerwerfen gehen brutal hohe Geschwindigkeiten über das Gelenk. Bei der Hälfte der Speerwerfer macht das das Innenband mit, bei den anderen leiert es aus.“ Mazzei gehört zur zweiten Gruppe. Pech gehabt. Da helfe nicht einmal die beste Technik.

Die hat sich Luca Mazzei antrainiert, obwohl er 2013 ursprünglich in den Kugelstoßkader berufen worden war. Speer- und Kugelstoßer trainieren aber gemeinsam, versuchen sich in beiden Disziplinen. Als der Plüderhäuser 2015 Deutscher Schülermeister im Speerwerfen wurde, „da“, erzählt sein Trainer, „war er dann nicht mehr Landeskader Kugel, sondern Bundeskader Speer“.

Nie zufrieden mit dem Ergebnis

Ob er dort bleibt? Trotz guter Technik und „brutalen Schnellkraftfähigkeiten“, die ihm Reichle attestiert? Vor vier Wochen hat Mazzei das Training wieder aufgenommen. Sechsmal in der Woche quält er sich mit Laufen und Krafttraining. Kein Problem für ihn. „Er trainiert, auch wenn er keinen Bock hat“, sagt sein Trainer. Mazzei lasse sich zudem von Rückschlägen nicht demoralisieren und sei extrem ehrgeizig. Reichle: „Ich lobe ja selten, aber wenn ich’s mal tue, dann will er’s gar nicht hören.“ Sondern er findet selbst Details, die nicht optimal waren.

Das alles aber nützt ihm wenig, wenn sich die Ellbogensehne widersetzt. Mazzei allerdings lässt sich seine Zuversicht nicht nehmen. Dabei hilft ihm auch einer, der dieselbe Operation (Mazzei: „Beim selben Arzt“) ebenfalls hinter sich gebracht hat: Vizeeuropameister Andreas Hofmann. Und der hat den Speer danach auf 92,06 Meter geworfen.

Luca Mazzei - seine Erfolge

19 Jahre alt, 1,73 Meter groß, Wettkampfgewicht zwischen 84 und 86 Kilogramm. Wohnt in Plüderhausen.
Zwischen 2012 und 2018 zwölfmal Baden-Württembergischer Meister in verschiedenen Disziplinen.
2015 Deutscher Schülermeister im Speerwerfen 2017 Dritter bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Zudem gewann er 2017 den Molly-Schaufele-Preis als bester Nachwuchs-Leichtathlet in Württemberg.
Hält seit 2015 den deutschen Schülerrekord mit 64,76 m. Bestweite mit dem Männer-Speer (880 Gramm): 61,56 Meter.
Startet für die LG Limes-Rems. Ein Jahr lang (2015) war er bei der SG Schorndorf, die sich allerdings hauptsächlich auf die Läufer konzentriert.
Mazzei war auch in anderen Sportarten bereits erfolgreich, nahm als Bogenschütze an einer deutschen Meisterschaft teil und war als Handballer im Landeskader. Er spielte im Oberliga-B-Jugendteam der SV Remshalden.
Er besucht die Eliteschule des Sports, die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart. Die liegt fünf Minuten vom Trainingsort entfernt. Im Juni steht das Fachabitur an (Sport- und Vereinsmanagement). Danach ist eine Ausbildung beim Elektrogroßhändler Löffelhardt in Schorndorf geplant.

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