Rems-Murr-Fußball Simon Hieber – mehr als nur Torwart

Simon Hieber mittendrin und doch über allen anderen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Wenn ein Torhüter mit 36 Jahren seine Laufbahn beendet, ist das nichts Besonderes. Normalerweise. Bei Simon Hieber vom TSV Schwaikheim ist das anders. Er zählt zu den prägenden Figuren im Fußballbezirk Rems-Murr. Von allen geschätzt – von manchen gefürchtet. Zitate dazu gibt es hier.

Es komme schon vor, erzählt Simon Hieber, dass der Gegner nach dem zweiten Eckball rufe: „Schlagt die Bälle weiter weg vom Tor!“Dann spüre er den Respekt, sagt Hieber. Den Respekt der Gegenspieler vor einem Torhüter, der nicht auf der Linie wartet, was wohl passieren wird, sondern mit seinen 1,78 Metern und 87 Kilogramm aus dem Tor stürmt und sich den Ball schnappt – egal wer da im Weg steht oder gar den Plan hat, ein Tor zu erzielen.

Simon Hieber zählt seit vielen Jahren zu den besten Torhütern nicht nur im Bezirk Rems-Murr. Drei, vier Tabellenplätze schlechter, schätzt sein Mitspieler Felix Weiblen, wäre der TSV Schwaikheim in jeder Saison ohne ihn gewesen. Und locker hätte er „zwei Ligen höher spielen können“.

Warum aber hat das nie geklappt? „Ich habe die eine oder andere Chance verpasst“, sagt Hieber. Und nach einigem Nachdenken: „Vielleicht hätte ich mal mutiger sein sollen, die Herausforderung annehmen, als ich jung war.“

Dass er sich ins Tor stellen würde, sei für ihn immer klar gewesen. Warum allerdings, könne er nicht erklären. „Wahrscheinlich haben sie den Schlechtesten ins Tor gestellt, und das war ich.“ Fünf war er damals gewesen und hatte noch in Schnait gewohnt.

Sein Vorbild? Oli Kahn, wer sonst?

Später zog er nach Fellbach, wo er beim TV Oeffingen erstmals Landesliga spielte, und schließlich – vor drei Jahren – nach Schwaikheim. Da wusste längst jeder, dass der TSV einen ehrgeizigen, trainingsverrückten Keeper mit außerordentlichen Reflexen und ebensolcher Präsenz zwischen den Pfosten hatte. Und wer ihn spielen gesehen hat, wundert sich nicht, dass Oli Kahn sein Vorbild ist. Wie beim früheren Nationaltorwart gilt bei Simon Hieber: „Der Ehrgeiz zu gewinnen, ist immer da.“

Dafür trainierte er hart. Wenn er beim TSV zum üblichen Mannschaftstraining stieß, hatten er und seine Torwartkollegen schon 60 bis 90 Minuten Spezialtraining hinter sich. Dreimal in der Woche, früher sogar viermal. „Aber das war, als ich jung und verrückt war.“

Wenn es um Verantwortung geht, zögert Hieber nicht

Jung ist er mittlerweile nicht mehr, vielleicht auch nicht mehr ganz so verrückt. Auf jeden Fall glücklich in Schwaikheim, auch ohne Ober- oder Verbandsliga. „Ich habe nichts verpasst, in Schwaikheim habe ich alles gekriegt, was ich gebraucht habe.“ Und die Schwaikheimer umgekehrt auch. Hieber beschränkt sich nicht darauf, nur Bälle zu halten. Wenn’s drum geht, irgendwo Verantwortung zu übernehmen, zögert Hieber so wenig wie im Strafraum. Mittlerweile gehört er zum dreiköpfigen Team der Abteilungsleitung, bei seinem Arbeitgeber ist er Betriebs- und Aufsichtsrat. „Wenn ich etwas erledigen soll, dann richtig: ganz oder gar nicht.“

Beim TSV ist er bereits seit fünf Jahren auch Co-Trainer. Er besitzt die Trainer B-Lizenz und genauso die Torspieler-Trainerlizenz, irgendwann werde er wohl auch mal Trainer sein. Jetzt allerdings will er erst einmal die freie Zeit genießen. Urlaub beispielsweise „während der Saison war das für mich undenkbar“.

Und wie sieht’s aus mit dem Torwarttraining? Wird er das jetzt komplett seinlassen?

Habe er vor, sagt Hieber. „Bei optimalen Bedingungen, 23 Grad und weicher Platz – da schaue ich vielleicht mal vorbei.“

Sagt er.

Jetzt.

Fakten zu Simon Hieber

36 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Weinstadt-Schnait.
In der Jugend spielte er bei SV Fellbach, TSG Backnang und TSV Schmiden, als Aktiver bei TV Oeffingen und – nach wenig erfolgreichen Zwischenspielen bei FV Zuffenhausen und AC Beinstein – von 2003 an beim TSV Schwaikheim.
Arbeitet als Vertriebscontroller bei einer Versicherung.
Besitzt die Trainer B- und Torspieler-Lizenz.
Gehört beim TSV Schwaikheim der Abteilungsleitung an, zuständig für Sport und Organisation.
Mit dem TSV zweimal (2012 und 2016) in die Landesliga aufgestiegen, einmal (2015) im Bezirkspokal erfolgreich.
 

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