Rems-Murr-Sport SV Kaisersbach: Erst liefern, dann reden

Gökhan Alkan (Mitte) und der SV Kaisersbach haben sich bisher fast immer durchgesetzt; auch gegen die hochgewettete SG Schorndorf. Foto: ZVW / Gisbert Niederfuehr

Mit zehn Punkten Vorsprung führt der SV Kaisersbach die Fußball-Bezirksliga an. Da scheint der Aufstieg in die Landesliga schon beinahe festzustehen. Die Verantwortlichen allerdings versuchen, den Ball flachzuhalten. Getreu der Devise: erst Ergebnisse liefern, dann über Erfolge reden.

Abteilungsleiter Heinrich Baier: Den Ball erst mal flach halten

Beim SV Kaisersbach ist einiges anders als bei den meisten Vereinen. Seit 2002 hatte der SVK gerade mal drei Trainer. Elf Jahre lang betreute Josip Duric die Mannschaft, danach sein Bruder Leopold, seit 2018 ist Leonard Gjini zuständig. Heinrich Baier ist Abteilungsleiter bereits seit 1986. Und weil die Gemeinde im Welzheimer Wald auf 565 Metern Höhe liegt, hat sie traditionell Probleme mit der Wintervorbereitung. Am vergangenen Samstag, erzählt Baier, „haben wir den Platz freigeschippt. Die letzten Schneereste verschwinden jetzt.“ Die Vorbereitung fand zum Teil in Waldstetten und Schorndorf statt, auch in der Halle, Vorbereitungsspiele vereinbarte der SV zumeist auswärts. Nicht selten konnten die Kaisersbacher in den zurückliegenden Jahren das gute Vorrundenergebnis deshalb nicht bestätigen. Doch diesmal ist der Vorsprung so groß, dass selbst das nichts ausmachen sollte, oder?

„Wir halten den Ball flach“ sagt Baier. „Die nächsten sechs Spiele sind richtungsweisend. Wenn wir an Ostern immer noch da vorne stehen ...“ An den Gedanken Kaisersbach in der Landesliga könnte er sich allerdings durchaus gewöhnen.

Der SV Kaisersbach spielte, seit er 2009 aufgestiegen ist, meist eine sehr gute Rolle in der Bezirksliga. Im Vorjahr reichte es wegen großer Verletzungsprobleme nur zu Platz sieben, diesmal ist der SV von Verletzungen weitgehend verschont geblieben und spielt deshalb, anders als die Konkurrenz, sehr konstant. „Wir haben fast immer mit der gleichen Mannschaft gespielt“, sagt Baier. Die hat zweimal verloren, ansonsten immer gewonnen.

So macht dem Abteilungsleiter derzeit eher die Jugend Sorgen. Erstmals seit langem stellt der SV keine A- und B-Jugend. Es reicht nicht für eine eigenständige Mannschaft, eine Spielgemeinschaft strebt Baier nicht an. Bisher kamen immer genügend Spieler nach oben in den aktiven Bereich. Alle Spieler des aktuellen Kaders, so Baier, stammen aus Kaisersbach oder einem Umkreis von etwa zwölf Kilometern. Jetzt dürfte der Nachschub stocken. Aktuell sind die wenigen A-Jugendspieler entweder mit Gastspielrecht bei anderen Vereinen untergekommen oder in eines der drei Aktiventeams integriert, zum Beispiel Fabian Leidenbach in der ersten Mannschaft.

Trainer Leonard Gjini: Das Team ist intakt, das ist der Schlüssel

Der 18-jährige Leidenbach hat es bereits auf acht Einsätze und einen Treffer in der Liga gebracht. Eine Bereicherung ist auch der zweite Neuzugang: Abwehrspieler Gabriel-Cosmin Simion von den SF Schwäbisch Hall hat sämtliche 16 Spiele bestritten. „Wir haben aber mit Matthias Kugler und Yusuf Akin zwei gute Spieler verloren“, sagt Trainer Leonard Gjini. Außerdem steht Marcel Widmaier (Kreuzbandriss) nicht zur Verfügung, Steffen Mastalerz hat es verletzungsbedingt auch nur auf drei Einsätze gebracht. Der Kader aber scheint breit und gut genug zu sein für eine klare Tabellenführung. Oder macht der Trainer den Unterschied?

„Die Mannschaft ist intakt, das ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Gjini. „Wir sind konstant.“ Die anderen nicht.

Die Mannschaft habe zudem „taktisch viel dazugelernt“. Gjini setzt auf ein 4:4:2-System. Die Spieler hätten körperliche und geistige Klasse und seine Vorstellungen deshalb sehr schnell umgesetzt. Mit Platz eins und derart großem Vorsprung habe trotzdem niemand gerechnet. „Wir haben alle unsere Erwartungen übertroffen.“

Zu früh jubeln allerdings will auch der Trainer nicht. „Wir haben ein schweres Spiel zum Auftakt.“ Der SV Fellbach II, bei dem Kaisersbach am 10. März zu Gast ist, will aus der Abstiegszone heraus und habe schließlich im alten Jahr noch mit FSV Waiblingen und SV Steinbach zwei Spitzenteams geschlagen.

Spielführer Gökhan Alkan: Vielleicht ist es Zeit für den nächsten Schritt

Daran erinnert auch Spielführer Gökhan Alkan. Seit zwölf Jahren ist der 30-Jährige ein Kaisersbacher und eine feste Größe im Team. Er kennt die Mannschaft bestens und sagt: „Die Mannschaft hält zusammen.“ Das sei vor allem „bei den ganzen Festen, die wir feiern“, erkennbar.

Gründe zum Feiern hatten die Kaisersbacher in dieser Saison genügend. Es läuft bestens. Dabei habe er sich, sagt Alkan, Sorgen gemacht, ob die Abgänge von Matthias Kugler und Yusuf Akin („unsere besten Vorlagengeber“) kompensiert werden könnten. Das allerdings klappt besser als von allen erwartet. „Luis Bauer und Gabriel-Cosmin Simion machen das in der Viererkette sehr gut.“ Die Sechser davor, Arnaud Seyfert und Marc Folter, „laufen jede Menge und halten uns Stürmern den Rücken frei“. Im Sturm spielen neben Alkan Routinier Thomas Baier oder Fabian Leidenbach. Der A-Jugendliche „hat uns mit seiner Schnelligkeit weitergebracht“.

Und dann ist da noch Alexander Bretzler, mit 13 Treffern erfolgreichster Torschütze. „Dabei spielt der im Mittelfeld.“

„Im Großen und Ganzen“, resümiert Alkan, „ist es gerecht, dass wir da vorne stehen.“ Allerdings rechnet er damit, dass die Konkurrenz jetzt noch mehr Gas gegen die Kaisersbacher geben wird. Wie viel, das wird der SV Kaisersbach am 10. März beim SV Fellbach II erleben. „Gegen die haben wir uns schon im Pokalspiel schwergetan“, aber trotzdem 2:1 gewonnen.

Bei zehn Punkten Vorsprung, das kann auch der Spielführer nicht wegdiskutieren, ist die Landesliga ein Thema. „Vielleicht ist es ja mal an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen.“ Allerdings gelte zunächst die Regel: „Ergebnisse bringen, bevor man redet.“

Der SV Kaisersbach: Früher und heute

Der SV Kaisersbach spielt seit 2009 in der Bezirksliga, 2002 war er in die Kreisliga A aufgestiegen.
Aktuell führt er mit 42 Punkten die Tabelle an vor dem TSV Nellmersbach (32 Punkte) und dem SV Steinbach (31).
Der SVK stellt mit 50 Treffern den besten Angriff und die sicherste Defensive mit nur 17 Gegentoren. Alexander Bretzler (13 Treffer) führt zusammen mit Naoufel Jaouadi (der die SV Remshalden allerdings Richtung SG Weinstadt verlassen hat) und Faton Sylaj (KTSV Hößlinswart) die Torjägerliste an. Gökhan Alkan hat elfmal getroffen.
In der Saison 2015/16 war der SV Kaisersbach schon einmal Herbstmeister. Allerdings punktgleich (30 Punkte) mit der SV Remshalden und einen Zähler vor dem TSV Schornbach, der das Rennen letztlich machte. Kaisersbach holte in der Rückrunde nur noch 17 Zähler, war Drittletzter in der Rückrundentabelle.
Trainer Leonard Gjini (43) stammt aus Albanien, hat früher bei Normannia Gmünd in der Oberliga gespielt. Zuletzt war er bei der TSVG Waldstetten aktiv, führte sie in die Landesliga. Von 2016 bis 18 aber kümmerte er sich dort nur noch um die A-Junioren. Ob er in Kaisersbach weitermacht, sei noch nicht entschieden. „Die Gespräche laufen“, sagte Gjini.

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