Tischtennis SVP bekommt Meistertrainer und Topspieler

Trainer Matthias Landfried kommt nach Plüderhausen. Foto: Keppler

Für eine Überraschung war Tischtennis-Bundesligist SV Plüderhausen schon immer gut und ab und zu für spektakuläre Neuzugänge. 2003 war das Jan-Ove Waldner, nun präsentiert der SVP mit Meistertrainer Matthias Landfried einen neuen Manager und Coach und dazu eine runderneuerte Mannschaft, die für Furore sorgen will.

Trinko Keen und Bai Fengtian standen als Neuzugänge bereits fest, nun meldet der SVP mit Kim Jung Hoon noch einen sehr starken Koreaner und mit der französischen Nummer eins Adrien Mattenet einen echten Coup.

Mattenet (25) gehört zu den stärksten Spielern Europas, wurde mehrfach für den Euro-Asia-Vergleich nominiert, nahm am Europe Top 12 teil und war Olympia-Teilnehmer 2012 in London. International hat er fast alles geschlagen, was Rang und Namen hat, darunter Dimitrij Ovtcharov und Oh Sang Eun. Beim World Cup 2012 unterlag er Timo Boll nur knapp mit 3:4, bezwang aber ein Jahr zuvor Vladimir Samsonov und Chuang Chih-Yuan.

Kim Jung Hoon (33) schlug mit Koki Niwa, Kenta und Kenji Matsudaira und gleich dreimal Jun Mizutani fast die gesamte japanische Nationalmannschaft. Aber auch Siege über Vladimir Samsonov, Ryu Seung Min, Jean-Michel Saive, Tan Ruiwu, Dimitrij Ovtacharov und Gao Ning verdeutlichen, was Kim Jung Hoon kann. So muss sich sogar Bai Fengtian (38) mit der Nummer drei im Team begnügen, obwohl der Franko-Chinese beim GV Hennebot regelmäßig Champions League spielte, viermal französischer Meister wurde und früher zur chinesischen Nationalmannschaft zählte.

Neuzugang Nummer vier ist Trinko Keen (42), aus der Saison 2004/05 noch in bester Erinnerung beim SVP. Andrew Baggaley (30) ist der einzig Verbliebene aus dem alten Kader, sieht man von Aleksandar Karakasevic ab, bei dem nach seinem Achillessehnenriss jedoch höchst unsicher ist, ob es in der Saison 2013/14 überhaupt noch zu einem Einsatz reicht.

Diese Mannschaft, da ist sich der neue Trainer Matthias Landfried sicher, kann auch Borussia Düsseldorf mit Timo Boll schlagen. Es gibt jedoch auch Einschränkungen. Adrien Mattenet wird nur einige Spiele zur Verfügung stehen, Kim Jung Hoon zumindest gut die Hälfte der Spiele bestreiten; aus finanziellen Gründen. Die Plüderhäuser Ziele liegen deshalb nicht in den Sternen. „Wir streben einen guten Mittelfeldplatz an“, sagt Landfried.

Die Zuschauer wieder begeistern

Das wichtigere Ziel aber ist: Die Mannschaft soll das Publikum wieder mitreißen – und mit ihnen die Sponsoren. In den vergangenen beiden Jahren gab es gute, allerdings auch ziemlich desolate Auftritte. Immer weniger Zuschauer wollten das sehen. Die Mannschaft, so Landfried, müsse die Begeisterung auf den Rängen wieder wecken. Denn es geht auch um die Fortsetzung des Projektes SVP in der Bundesliga. Die Saison 2013/14 stellt die Weichen. Nur wenn sie optimal verläuft, wird es weitergehen.

Zwei der größten Sponsoren werden zum Saisonende aufhören. Also müssen andere überzeugt werden. Mit diesem Kader und dem, was er sich als Manager sonst noch ausdenken wird, sei das möglich. Landfried möchte auf jeden Fall langfristig in Plüderhausen arbeiten.

Deshalb wird sich auch für die Spieler einiges ändern. Es werde deutlich mehr gemeinsames Training geben („In wichtigen Phasen auch mal eine komplette Woche“), dazu Lehrgänge und Trainingslager in der Region, aber auch in Ochsenhausen oder Zagreb, wo Landfried zuletzt Trainer war. Zum Trainerteam gehört weiterhin Momcilo Bojic, Janhua Xu soll wieder eingebunden werden.

In Plüderhausen ist Aufbruchstimmung, vor drei Monaten noch hatte die Abteilungsleitung nicht vor, überhaupt einen erneuten Lizenzantrag zu stellen. Das brachte den früheren Manager Geritt Albrecht auf den Plan, der das Abenteuer Bundesliga nicht so trostlos zu Ende gehen lassen wollte. Er trommelte und aktivierte Sponsoren, so dass der Etat für eine weitere Saison zusammenkam. Ein Etat jedoch, so Landfried, der nur geringfügig über den 145 000 Euro der Vorsaison liegt. Deshalb können Mattenet und Hoon nicht an jedem Spiel teilnehmen. Die Mannschaft sei aber auch ohne die beiden stark genug, sportlich erfolgreich zu sein. Und mit den Spitzenspielern soll es das Feuerwerk geben, das die Zuschauer von den Sitzen reißt.

Landfried und Geritt Albrecht sind sehr zufrieden mit dem, was sie zusammengebracht haben. „Das Ziel ist, tolle Spiele zu bieten“, sagt Albrecht. „Wir fiebern schon der neuen Saison entgegen.“

Matthias Landfried (38)

  • Erfolge mit Würzburg: Champions League Viertelfinale, zweifacher Europapokalfinalist, Deutscher Pokalfinalist und Deutscher Meister.
  • Mit dem 1. FC Saarbrücken: Champions League Halbfinale, Meister 1. Bundesliga, Deutscher Vizemeister und Deutscher Pokalsieger.
  • Mit STK Dr. Casl Zagreb: Champions League, Europapokal-Viertelfinalist, zweifacher kroatischer Meister (Frauen und Männer) und European Superleague Finalist.
  • „Der SV Plüderhausen ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt Landfried. Schon seit elf Jahren hilft der 38-Jährige aus Wendlingen hinter den Kulissen bei der Suche nach Spielern.Vor zweieinhalb Jahren stand er bereits als Manager beim SVP fest, bis der 1. FC Saarbrücken, bei dem er gleichzeitig Trainer war, einschritt und das Engagement verhinderte.
  • Landfried betreibt einen Tischtennis-Shop und das erfolgreiche Internetportal TT-News.
  • Bewertung
    1