TVB 1898 Stuttgart Ungewöhnlich: Beim Aufsteiger nur Außenseiter

Bobby Schagen ist derzeit in prächtiger Form. Foto: Ralph Steinemann

Nach den starken, aber erfolglosen Heimspielen gegen Leipzig und Berlin haben die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart noch sechs Gelegenheiten, den Liga-Rekord von 23 Punkten zu knacken. An diesem Sonntag indes dürfte dies schwierig werden: Der Aufsteiger Bergischer HC spielt eine überragende Saison und hat die Chance, sich für den Europapokal zu qualifizieren.

In den meisten Spielen der Rückrunde hat der TVB 1898 Stuttgart überzeugende Leistungen gezeigt. Nicht immer jedoch wurden diese auch mit Punkten belohnt, so ging der TVB in den beiden aufeinanderfolgenden Heimspielen gegen Leipzig (29:32) und Berlin (33:34) zuletzt leer aus. Das ist ärgerlich, aber für den Trainer längst kein Grund, miesepetrig durch die Gegend zu laufen. „Sicherlich könnten wir in der Tabelle besser dastehen, wenn wir die beiden Spiele gewonnen hätten“, sagt Jürgen Schweikardt.

Gleichauf mit dem Neunten TBV Lemgo wäre der TVB, und die persönliche Bundesliga-Rekordmarke von 23 Punkten hätte er sechs Spieltage vor Schluss bereits um drei Zähler übertroffen. „Wir wollen am Ende der Saison die bestmögliche Platzierung“, sagt Schweikardt. Sie stehe allerdings angesichts der Ausgeglichenheit der Liga nicht im Vordergrund. „Ich denke, der 15. ist nicht viel schlechter als der Neunte, und der Neunte ist nicht viel besser als der 15.“ Wichtiger als die Platzierung ist Schweikardt die Leistung und Weiterentwicklung seiner Mannschaft. Und beides macht dem Coach Freude. „Wir spielen bis dato eine sehr, sehr gute Saison.“

Wie auch der kommende Gegner. Mit 72:6 Punkten waren die Bergischen Löwen unangefochten Meister geworden in der 2. Liga, folgerichtig zählten die Experten den Neuling vor der Saison nicht zu den heißesten Abstiegskandidaten. Auch, weil er sich mit Daniel Fontaine (FA Göppingen), Rafael Baena (Rhein-Neckar Löwen) und Jeffrey Boomhouwer (MT Melsungen) sehr gut verstärkt hatte. „Dass der BHC nichts mit dem Abstieg zu tun haben würde, war klar“, sagt Schweikardt. „Dass er aber sogar Richtung Europa blickt, war nicht zu erwarten.“

Die Löwen starteten mit 14:4 Punkten überragend in die Saison, nahmen unter anderem beim 31:30 die Punkte aus der Scharrena mit. Wie gegen die Füchse zuletzt, kassierte der TVB damals mit der Schlusssirene den finalen Gegentreffer per Siebenmeter. „Es war ein gutes Spiel, auch von uns“, erinnert sich Schweikardt.

Der BHC sei schnell in der Saison in einen „Flow“ gekommen und habe sich sehr konstant präsentiert. Auch die Negativserie von 2:10 Punkten hat das Team von Trainer Sebastian Hinze nicht aus der Spur gebracht. Im März beeindruckte es mit drei Auswärtssiegen in Folge: 30:27 in Göppingen, 29:22 in Gummersbach und 28:21 in Bietigheim. Anschließend zwang der BHC die MT Melsungen mit 25:24 in die Knie, beim THW Kiel (24:32) fehlte die Konstanz über 60 Minuten hinweg.

Besser lief’s in der vorgezogenen Partie am Donnerstag: Gegen den Mitkonkurrenten um die internationalen Plätze, die Füchse Berlin, setzte sich der Aufsteiger mit 28:26 durch und tauschte mit den Füchsen die Plätze. Entsprechend groß ist Schweikardts Respekt vor dem Gegner am Sonntag, der individuell stark besetzt sei. Mit dem schwedischen Spielmacher Linus Arnesson beispielsweise, dessen abwehrstarken Landsmann Max Darj – und natürlich mit dem Ex-Bittenfelder Rechtsaußen Arnor Gunnarsson. Auf der linken Außenbahn wirbelt der niederländische Nationalspieler Jeffrey Boomhouwer. Im Tor spielt das Gespann Christopher Rudeck/Bastian Rutschmann eine überzeugende Saison. In den Griff bekommen muss der TVB den bulligen Kreisläufer Baena und den Spielmacher Tomas Babak. Verzichten muss der BHC auf Daniel Fontaine, der sich vor eineinhalb Wochen die Achillessehne gerissen hat.

Schweikardt sieht sein Team in der mit 2700 Fans vermutlich ausverkauften Solinger Klingenhalle als Außenseiter. „Gegen Leipzig haben wir 45 Minuten, gegen Berlin 56 Minuten sehr gut gespielt. Jetzt brauchen wir 60 Minuten.“

Außer auf den operierten Robert Markotic muss der TVB wahrscheinlich weiterhin auf Tobias Schimmelbauer (Sprunggelenkverletzung) verzichten, auch wenn der Linksaußen unter der Woche wieder leicht trainiert hat.

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