Rems-Murr-Sport Video: Erst das Golfen, dann das Studium

Maxi Roth, Golferin aus Urbach. Foto: PRESSEATELIER.DE

Endlich. Die Schulzeit ist beendet, die USA rufen. Für Maxi Roth aus Urbach erfüllt sich ein Traum: leben, schlafen, studieren direkt neben dem Golfplatz. Die 18-Jährige tritt in der kommenden Woche ein Stipendium in St. Louis an.

Mit diesem Video (in englischer Sprache) hat sich Maxi Roth für das Stipendium beworben.

Dann wird sich in ihrem Leben noch mehr um Golf drehen als jetzt schon. Maxi Roth ist sozusagen auf dem Golfplatz groß geworden. „Mein Vater spielt schon seit 20 Jahren Golf und ich wurde immer mitgenommen“, erzählt die Urbacherin. Sie selbst ist aktiv seit 13 Jahren.

Das heißt, sie hat im Kindergartenalter bereits angefangen. Allerdings: „Das war noch nicht Golfen, eher ein bisschen Kontakt mit dem Ball. Und ich bin gern mit dem Golfkarren gefahren.“

Das sieht mittlerweile ganz anders aus. Maxi Roth spielt beim GC Hetzenhof in der Regionalligamannschaft (3. Liga in Deutschland) und steht in der deutschen Rangliste auf Platz 156. Ihr Handicap liegt bei 0,8.

Golfanfänger starten, wenn sie erst einmal die Platzreife erreicht haben, mit Handicap 54. Sie arbeiten sich dann nach oben, und wer mal unter zehn angekommen ist, kann ziemlich stolz auf sich sein. Maxi Roth reicht das bei weitem nicht. Sie möchte unter null kommen; wobei das in der Golfersprache heißt: In den Plusbereich kommen. All die anderen Handicaps müssten streng genommen ein Minus vor sich führen.

Nach vier Jahren Studium in den USA soll auch für die Urbacherin das Minus verschwunden sein: „Plus zwei oder drei ist das Ziel.“ Zum Vergleich: Tiger Woods hatte zu seinen besten Zeiten plus acht.

Je besser der Golfer ist, desto schwerer wird es, das Handicap zu verbessern. Für Maxi Roth geht das mittlerweile nur in Zehntelschritten. Aufwärts oder abwärts. Vor dem letzten Regionalligaspieltag lag das Handicap noch bei 0,7, ihr Ranglistenplatz war 103. So eng geht es in der Spitze zu. Und nur die besten 30 qualifizieren sich für die deutschen Meisterschaften. Das, so Maxi Roth, seien beispielsweise jene, die schon in den USA studieren oder dort studiert haben.

Auf diesen Weg macht nun auch sie sich. „Ich wohn’ direkt neben dem Golfplatz.“ Nachdem sie sich für ein Stipendium beworben hatte, meldeten sich gleich vier Trainer von Universitätsteams bei ihr. Entschieden hat sie sich für St. Louis (Missouri) nicht nur wegen des Golfplatzes. Sie studiert International Business. St. Louis rangiere hier unter den Top 5 in Amerika. „Das fand ich schon ganz überzeugend.“

Der Studienplan orientiere sich am Golf, nicht umgekehrt. In Deutschland war es nicht leicht. „Im Sommer war ich täglich auf dem Platz, im Winter viermal in der Woche. Hinzu kam Fitnesstraining.“ Die Schule ist da zumindest „nicht förderlich“. Immerhin hat es zu einem guten Abitur und einem Vollstipendium gereicht.

Der Stundenplan richtet sich nach dem Golftraining

In St. Louis werde sie künftig von acht bis zwölf an der Uni sein, danach ist Golftraining. Der Anteil der Schulstunden (15 pro Woche im ersten Semester) werde sich vom zweiten Semester an erhöhen, der Anteil des Golftrainings aber nicht geringer werden. Schließlich soll das Universitätsteam erfolgreich sein. Ein bisschen sind dessen Leistungen auch verknüpft mit Maxi Roths Stipendium: Es wird jeweils nur jährlich verlängert. Allerdings müsste sie schon in eine tiefe Formkrise geraten, um die Weiterführung zu gefährden.

Am 15. August startet die Urbacherin. Die Eltern begleiten sie für zwei Wochen. Dann ist die Tochter allein auf sich gestellt. Mit ihren Team- und Zimmerkolleginnen hat sie bereits Kontakt aufgenommen. „Zwei Spanierinnen und eine Russin. Das könnte gut werden.“

Ihr Heimatverein muss dennoch nicht ganz auf sie verzichten. Von Mai an - wenn die Regionalligasaison beginnt - hat Maxi Roth drei Monate lang Semesterferien. Dann wird sich zeigen, wie nahe sie dem Plusbereich schon gekommen ist.

Maxi Roth...

...hat das Abitur in Bettringen abgelegt. „Die Schule war okay, aber nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Bin froh, dass es jetzt vorbei ist.“

Für sie ist Golfen „der perfekte Ausgleich. Auf dem Golfplatz bin ich abgeschirmt von der Welt.“

Maxi ist im Übrigen keine Abkürzung. „Ich heiße wirklich so.“ Allerdings mussten ihre Eltern einen zweiten Vornamen hinzufügen, weil Maxi nicht eindeutig weiblich oder männlich ist. Deshalb heißt sie Maxi Jana Roth.

Golf bedeutet für sie: „Jeder Schlag ist eine neue Herausforderung. Und es ist ziemlich anstrengend, sich fünf Stunden am Stück zu konzentrieren.“

Für das Stipendium hat sie sich bei Scholarbook beworben.

Berufsziel Golfprofi? „Vielleicht wage ich den Schritt. Auf jeden Fall aber will ich meinen Job mit Golf verbinden.“ Eine Möglichkeit wäre Managerin im Golfclub.

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