Rems-Murr-Sport Warum es in Birkmannsweiler jetzt besser läuft

Philip Lagelstorfer in einer Szene noch aus der Saison 2014/15. Mittlerweile ist er gleichzeitig Spieler und Abteilungsleiter. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Zwei Spielzeiten lang war dem VfR Birkmannsweiler viel zugetraut worden in der Fußball-Kreisliga A I, der Erfolg aber blieb aus. Jetzt hatte ihn keiner auf der Rechnung, er musste sogar Team II aus der Kreisliga A II zurückziehen. Der Kader ist dünn, die Mannschaft zu alt – und doch steht der VfR auf Platz drei. Wieso klappt jetzt, was vorher nicht gelingen wollte?

Die aktuelle Situation

Seit 1991 gehört der VfR Birkmannsweiler zum Stamm der Kreisliga A I – mit einem kurzen Abstecher in die Bezirksliga 1990. In den ganzen Jahren aber ging sein Blick immer nach oben, die Bezirksliga als Ziel blieb im Hinterkopf. Das liegt womöglich daran, dass der VfR in den 1980ern eine feste Größe in der Bezirksliga war und meist gute Ergebnisse erzielte.

2016 schien Birkmannsweiler das Ziel Aufstieg besonders intensiv zu verfolgen. Der VfR holte mit Tim Böhringer einen Trainer, der die Viktoria Backnang in die Landesliga geführt und dort gehalten hatte. In Birkmannsweiler aber klappte das nicht. Auf eine miserable Vorrunde folgte eine überragende Rückrunde und neuerliche Titelhoffnungen im folgenden Jahr, erneut mit schlechtem Ausgang (Platz zehn). Am Saisonende nahmen die Birkmannsweilermer sogar die zweite Mannschaft, die sich nach dem Aufstieg in der Kreisliga A II gehalten hatte, freiwillig wieder aus dem Rennen. Sie tritt nun wieder in der Kreisliga B an.

Umso überraschender kommt deshalb der Höhenflug. Der VfR ist Dritter, zwar nicht mit Chancen auf Platz eins – der SSV Steinach-Reichenbach ist kaum einzuholen –, aber zumindest auf den Aufstiegsrelegationsplatz. Gelänge tatsächlich der Sprung nach oben, hätten drei Spieler daran gleich doppelten Anteil.

Abteilungsleiter Philip Lagelstorfer

Samuel Rieg (32), Benjamin Burgäzy (27) und Philip Lagelstorfer (29) sind nämlich – seit März 2018 – gleichzeitig auch noch Abteilungsleiter. Eine ungewöhnliche Kombination, zudem eine mit Konfliktpotenzial. Beispielsweise wenn wegen schlechter Leistung der Mannschaft der Trainer entlassen werden müsste. Philip Lagelstorfer: „Wir haben deshalb eine neue Struktur geschaffen und vier Bereichsleiter (Jugend, Aktive, Frauen, AH) zwischengeschaltet.“ Sie haben in solchen Fällen das letzte Wort.

Sieben Jahre lang haben zuvor Kurt Lagelstorfer und Stephan Ohnhäuser die Abteilung durch zeitweise schwere Zeiten (Vereinsheimbrand 2012) geführt, jetzt ist die nächste Generation am Werk. Warum klappt jetzt, was unter Tim Böhringer nicht geklappt hat?

Lagelstorfer hat dafür keine schlüssige Erklärung: „Tim Böhringer hat uns viel vermittelt, nur die Ergebnisse haben nicht gepasst. Jetzt stimmen sie.“

Problematisch allerdings sind beim VfR zwei Dinge. Da ist zum einen die geringe Kadergröße, weshalb auch die zweite Mannschaft freiwillig abstieg. Jetzt spielen beide Teams wieder überwiegend am selben Ort und können sich gegenseitig aushelfen. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit den Spielern der zweiten Mannschaft getroffen worden. Lagelstorfer: „Wir haben sie miteinbezogen und sie haben die Entscheidung mitgetragen.“

Problem zwei ist die Altersstruktur. Die Aktiven haben lange von der guten Jugendarbeit profitiert, in den vergangenen Jahren stagnierte der Nachschub jedoch. Nun laufe der wieder an, und das sei auch ein Grund dafür gewesen, sich für Emirhan Arslan als Nachfolger von Trainer Tim Böhringer zu entscheiden.

Trainer Emirhan Arslan

„Emi“ Arslan (48) möchte zum einen langfristig beim VfR arbeiten und zudem mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs. Zunächst jedoch musste er die Spielweise der Mannschaft ändern. „Wir besinnen uns wieder auf das, was die Mannschaft stark macht. Viel geht über die Physis.“

Allerdings muss auch Arslan mit den Problemen durch den kleinen Kader klarkommen. „Wir haben auch noch viele Verletzte gehabt. Benjamin Burgäzy war im Rahmen seines Studiums drei Monate in Schweden, Ali Dogan kann aus beruflichen Gründen nur selten trainieren.“ Ähnlich sehe es bei Philipp Klöpfer aus. „Aber sie alle müssen spielen.“ In der zweiten Mannschaft gelte das auch für Oliver Türk und Stephan Ohnhäuser, die schon aufgehört hatten.

Ein zweites Problem ist der Sturm. Philipp Klöpfer als Alleinunterhalter. „Es gibt aber auch Lichtblicke“, sagt Arslan. „Tobias Oswald erlebt seinen dritten oder vierten Frühling.“ Außerdem sei er ein „Vorzeigespielführer“. Und für Tore ist Andy Roll zuständig, obwohl er Mittelfeldspieler ist. Außerdem gebe es mit Julian Klotz und Micha Maier hoffnungsvolle Talente, zu denen am Ende der Saison weitere stoßen werden. Die hat der VfR auch nötig, denn eines steht für Arslan fest: „Wir müssen die Mannschaft verjüngen.“

Mit der Punktausbeute ist der Trainer sehr zufrieden. Allerdings denkt er auch darüber nach, was bei einer besseren Trainingsbeteiligung möglich gewesen wäre. Das Ziel Aufstieg will er dennoch nicht ausgeben, lediglich: „Wir wollen’s lange spannend halten.“

Spielführer Tobias Oswald

Das sieht Spielführer Tobias Oswald (31) ähnlich. „Wir wollen die Position halten und schauen, was möglich ist.“ Während die meisten Spieler Eigengewächse sind, stammt Oswald aus Freiburg. 2009 kam er durchs Studium hierher, ist mittlerweile aus dem Verein aber nicht mehr wegzudenken.

Den aktuellen Erfolg habe er so nicht erwartet. Begründet sieht er ihn unter anderem darin, dass beide Teams wieder gemeinsam trainieren. „Wir sind mehr zusammengewachsen, mehr eine Mannschaft geworden.“ Jeder Einzelne nehme sich nicht so wichtig. „Wir sind zu unseren Werten zurückgekommen und kämpferisch sind wir keine so schlechte Mannschaft.“ Allerdings durchaus eine, die das Potenzial habe, vorne mitzuspielen.

Manch ein Sieg sei jedoch auch glücklich zustande gekommen, und selbst wenn am Sonntag mit dem TB Beinstein ein Abstiegskandidat wartet, ein Selbstläufer werde das nicht. „Wir haben uns schon im Hinspiel nicht leichtgetan.“ Ziel ist dennoch ein Sieg – damit der VfR auch im Jahr 2019 weiter ganz oben mitmischen kann.

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