Rems-Murr-Sport Wenn die eigene Rückrundenschwäche der Hauptgegner ist

Julian Böse trifft gegen den TV Stetten zum 1:0, Tim Müller kommt zu spät. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Der SSV Steinach-Reichenbach steht auf Platz eins der Fußball-Kreisliga A I. Schafft er es in die Bezirksliga? Zweimal bereits war er Vorrundenzweiter gewesen und jedes Mal danach abgestürzt. Diesmal aber scheint er besser aufgestellt zu sein.

Die aktuelle Situation

Mit 31 Punkten aus zwölf Spielen steht der SSV Steinach-Reichenbach auf Platz eins der Tabelle. Verfolger TSV Schwaikheim II hat 28 Zähler, aber auch bereits ein Spiel mehr ausgetragen. Der TSV ist allerdings die einzige Mannschaft, die die Steinacher bisher besiegte. Die versuchen seit 2014, eine bessere Rolle in der Liga zu spielen. So kamen unter anderem mit Adis Skenderovic, Ben Blümle, Jochen Schöllig oder Sebastian Bauer schon Spieler mit Erfahrung aus höheren Ligen zum SSV, aktuell stehen mit Marek Zeich und Labinot Collaku (Landesliga bei der Viktoria Backnang) sowie Mergim Collaku (SV Remshalden) und Gianluca Scarnato (TSV Nellmersbach) solche Spieler im SSV-Kader.

Auch Spielertrainer Jan Demmler (31), seit 2010 beim Verein, kam damals von einem Landesligisten (TSG Backnang) und sorgte gleich im ersten Jahr für die Meisterschaft in der Kreisliga B. Nun könnte der nächste Aufstieg folgen, wenn die Steinacher ihre Rückrundenschwäche in den Griff bekommen.

Abteilungsleiter Udo Wonschick will der eigenen Jugend etwas bieten

„Warten wir mal ab, was nach der Winterpause passiert“, sagt denn auch Udo Wonschick. Er hat schon viel erlebt im Verein. Seit 1983 ist er im SSV als Funktionär aktiv, abwechselnd als Abteilungsleiter und Gesamtvereinsvorsitzender. „Wenn wir im Mai immer noch vorne stehen, ...“

Bereits seit „drei, vier Jahren“ denke der SSV darüber nach, „vielleicht mal in der Bezirksliga zu spielen“. Dazu holte er sich gezielt Spieler aus der Umgebung. Dem Verein jedoch gehe es nicht darum, um jeden Preis eine Liga höher aktiv zu sein. „Wir wollen unsere Jugend stärken“, sagt Wonschick. Beziehungsweise verhindern, dass die Jugendspieler davonlaufen. Der SSV ist Teil der Jugend-Spielgemeinschaft BSB Berglen zusammen mit VfR Birkmannsweiler und SV Breuningsweiler. „Die Jahre zuvor hat hauptsächlich der SV Breuningsweiler davon profitiert“, sagt Wonschick. „Jetzt sind wir es.“

In zwei Jahren kämen zehn Spieler aus der A-Jugend zu den Aktiven, ein Jahr später noch einmal zehn. Denen müsse etwas geboten werden. Entweder eine gute Rolle in der Kreisliga A oder besser noch ein Platz in der Bezirksliga.

Deshalb wurde die erste Mannschaft noch einmal verstärkt. Genauer: Der Kader wurde verbreitert. Zu den vielen jungen Spielern kamen erfahrene Spieler hinzu. Mergim Collaku beispielsweise für die Defensive, im Angriff soll Spielertrainer Jan Demmler, bisher fast alleine für Tore zuständig, von Marek Zeich (früher mal mit der Viktoria Backnang in der Landesliga) oder Rückkehrer Sebastian Kristen unterstützt werden. Bisher funktioniert der Plan.

Trainer Jan Demmler will das endlich mal durchziehen

Jan Demmler ist bereits mit 23 Jahren Trainer geworden; Spielertrainer mit Torgarantie. Bis auf eine Saison (2017/18) war er immer der erfolgreichste Stürmer beim SV; meist mit großem Abstand. Aktuell ist er mit elf Treffern nur die Nummer zwei hinter Marek Zeich (13). Und damit ist ein Saisonziel bereits erreicht. Der SSV-Angriff ist nicht mehr so leicht auszurechnen.

Hauptziel aber, so Demmler, sei gewesen: „Unterstützung für die Jungen durch erfahrene Spieler“, beispielsweise durch Zeich oder Rückkehrer und Kapitän Sebastian Kristen. Auch Kristen hat bereits sechsmal getroffen. Die Abwehr hält Mergim Collaku zusammen. „Der bringt Ordnung rein“, sagt Demmler. Die Steinacher haben den effektivsten Sturm (39 Treffer; obwohl der verletzte Gianluca Scarnato kaum eingesetzt wurde) und – zusammen mit dem SC Urbach – die sicherste Abwehr (6 Gegentore). Der Trainer kann zufrieden sein: „Wir spielen viele Chancen heraus und stehen hinten viel besser als früher.“

Mit den Erfahrenen im Rücken entwickeln sich auch die Jungen. Julius Böse (19) beispielsweise „kommt immer besser in Schwung“ und hat auch schon siebenmal getroffen.

Also alles bereit für den Aufstieg? Das sei nicht das Ziel, sagt Demmler. „Aber wir würden’s mitnehmen.“ Lieber den Ball flach halten, schon zu oft ist der SSV in der Rückrunde eingebrochen. Die Erinnerung daran steckt in den Köpfen. Demmler klingt deshalb schon fast beschwörend: „Wir müssen’s halt auch mal durchziehen.“ Bis zum letzten Spieltag. Dann wäre der SSV aufgestiegen.

Spielführer Sebastian Kristen lobt den Zusammenhalt

Das wäre ganz im Sinne von Spielführer Sebastian Kristen (30). „Ich hätte nichts dagegen.“ Nach den bisher so guten Leistungen wäre er sogar enttäuscht, wenn’s nicht reichen sollte. Er ist auch sicher, die Mannschaft könnte, „wenn alle bleiben und mitziehen“, in der Bezirksliga bestehen.

Kristen ist ein alter und doch neuer Steinacher. Er spielte früher für den SSV, 2012 machte er sich auf, die Welt zu erkunden. „Ich hab’ gedacht, ich muss mal was anderes machen.“ Zwei Jahre lang war er in Australien (bei Perth), schaute sich um und arbeitete als Elektrotechniker. Danach hängte er noch einmal drei Jahre in Uppsala (Schweden) dran. Eine tolle Erfahrung sei das gewesen. Während die Menschen in Deutschland eher nach sich selbst schauen, habe er das in Australien und Schweden anders erlebt. Wobei „die Schweden noch einen Tick freundlicher sind als die Australier; sehr herzlich“.

Nun ist er wegen einer Fortbildung, die nur in Deutschland möglich ist, wieder in der Heimat. Da lag es nahe, wieder beim SSV einzusteigen, denn: „Ohne Fußball geht’s nicht.“ Dass er gleich Kapitän würde, hatte er nicht erwartet. Genauso wenig, dass es so gut läuft. Das liege auch an der guten Stimmung im Team. „Die Harmonie stimmt“, sagt der Kapitän. „Wir halten zusammen, auch wenn wir hinten liegen.“ Gegen den TV Weiler hieß es bereits 0:2, der SSV gewann trotzdem noch mit 5:2.

Von der Rückrundenschwäche hat er bisher nur gehört. Nun kann er aber selbst dafür sorgen, dass sie sich nicht wiederholt. Zunächst jedoch sollen in der Vorrunde noch so viele Punkte wie möglich gesammelt werden. Das bedeutet: zwei Spiele, zwei Siege.

Am Sonntag wartet der TSV Haubersbronn, der bisher ebenfalls eine gute Saison spielt, auf die Steinacher.

Infos zum SSV Steinach-Reichenbach

Der SSV Steinach-Reichenbach hat überwiegend in der Kreisliga B gespielt. 2011 gelang ihm der Aufstieg in die Kreisliga A.
Nur ein Spiel hat der SSV in der aktuellen Saison verloren (2:4 beim TSV Schwaikheim II), beim TSV Schlechtbach reichte es nur zu einem 1:2. Dafür gelangen Kantersiege gegen den SV Hegnach (10:0 und TV Oeffingen II (9:1)). Außerdem ein 6:0 gegen den VfR Birkmannsweiler, immerhin Dritter. „Unser bestes Spiel“, sagt Abteilungsleiter Udo Wonschick.
Verletzt sind derzeit Gianluca Scarnato, Max Raschke, Max Grau und Marc Schäfer, der wegen eines Kreuzbandrisses wohl die gesamte Saison ausfällt.
Am Sonntag tritt der SSV um 14.30 Uhr beim TSV Haubersbronn an.

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