Rems-Murr-Sport Wie sieht der Sportverein der Zukunft aus?

Was Sport ist, legt der Deutsche Olympische Sportbund fest. Junge Menschen aber interessiert das nicht. Sie entwickeln eigene Sportformen wie zum Beispiel Street Workout. Darauf müssen sich die Sportvereine einstellen. Foto: Pixabay/CCO Public Domain

Wie sieht der Sportverein der Zukunft aus? Stellen die Vereinsübungsleiter künftig Videos ins Netz, damit die Mitglieder zu Hause mitturnen können? Muss der Verein rund um die Uhr Angebote liefern? Gibt es ihn überhaupt noch? Der Schwäbische Turnerbund stellte dazu im Sportpark Rems der SG Schorndorf sein Projekt Sportverein 2030 vor.

Die Schorndorfer selbst haben sich bereits auf jenen Weg gemacht, den der STB beschreibt: Die Vereine müssen zusammenarbeiten. Die SG bringt es auf 22 Kooperationspartner, und deren Führungskräfte stellten auch den Großteil der Besucher. Matthias Römer, Vorsitzender der SG, will den Weg noch intensiver beschreiten. „Die Anforderungen ändern sich, die Sporttreibenden haben andere Erwartungen. Ein einzelner Verein wird das nicht leisten können.“ Sein Fazit: „Wir, die Vorstände, müssen darüber nachdenken. Vielleicht gelingt es uns ja, einen Vorstands-Stammtisch ins Leben zu rufen.“

Auch der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer ist davon überzeugt, dass sich die Zeiten ändern. Die Ansprüche und Anforderungen an die Vereine werden im Jahr 2030 jedoch ganz andere sein, als sie im Augenblick womöglich erwarten. Einstellen müssen sie sich darauf:

Matthias Klopfers Ausblick auf das Jahr 2030

  • Die Ganztagsschule und der Ganztages-Kindergarten werden die Regel sein.
  • Drei von vier Kindern haben internationale Wurzeln. Der Verein dürfe das nicht als Problem sehen, sondern als Chance.
  • Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen: Was bedeutet das für die Hallen-Sportarten?
  • Die Einwohnerzahl Schorndorf wird auf 45 000 steigen. Der Verein dürfe nicht auf die neuen Bürger warten, sondern müsse auf sie zugehen, sie ständig neu abholen.
  • Vor allem: „Werden Sie politische Akteure.“ Allerdings nicht, um einen weiteren Kunstrasen zu beantragen, sondern um sich für mehr Bewegungsplätze und weniger Straßen einzusetzen. „Lassen Sie sich stärker auf gesellschaftliche Themen ein!“

Damit liegt Klopfer auf einer Linie mit Iris Kümmerle. Die Vize-Präsidentin des STB stellte das Projekt 2030 in Auszügen vor. Auch wenn die Sportvereine alleine durch die aktuellen Probleme schon an der Belastungsgrenze sind, sie müssen sich jetzt schon um die Zukunft kümmern und dabei vor allem um die Megatrends. Das sind keine Modeerscheinungen, sondern Trends, die die Menschen auf der ganzen Welt beeinflussen und jahrzehntelang andauern. Sechs hat die Studiengruppe ausgemacht, auf zwei ging Kümmerle ein.

Megatrend Konnektivität. So wie die Menschen mittlerweile über alle Grenzen hinaus vernetzt sind, müssen es auch die Vereine tun. Zusammenarbeit über den Tellerrand hinaus: Vier Vereine, eine Geschäftsstelle, und das müssen nicht nur Sportvereine sein.

Megatrend New Work. Die Arbeitszeiten verändern sich, Menschen suchen Sportmöglichkeiten zu jeder Tageszeit. Das muss der Verein bieten.

Der Verein muss auf die Interessen der Menschen eingehen

Daraus leiten sich fünf Thesen ab.

  • Sport ist immer mehr eine Frage von Ort und Zeit. Der Verein muss zu den Menschen gehen, nicht auf sie warten.
  • Der Verein muss die technische Entwicklung mitgehen (Fitness-Uhren etc.)
  • Er muss sich viel mehr um Gesundheits- und Breitensport kümmern. Die Bedeutung des Leistungssports geht zurück.
  • Der deutsche Olympische Sportbund bestimmt, was Sport ist. Den jungen Menschen aber ist das egal (Beispiel E-Sport). Sie erfinden ihre eigenen Sportarten. Hat sie der Verein im Angebot, kommen sie zu ihm.
  • Die Sehnsucht nach Gemeinschaft besteht weiter. Aber sie wird anders ausgelebt. Beispielsweise können sich Menschen über eine App zum Sport verabreden. Auch das kann ein Verein anbieten.

Um die Herausforderung zu bestehen, braucht der Verein gute Mitarbeiter. Kümmerle: „Sehen Sie die Personalentwicklung als wichtiges Arbeitsfeld an.“ Hauptamtliche werden immer wichtiger. In fünf bis zehn Jahren werde deren Zahl deutlich ansteigen.

Und er kann die Herausforderung nur in der Zusammenarbeit mit anderen bestehen. Dazu muss der Verein zuweilen hohe Hürden überspringen und über den Tellerrand hinausblicken. Kooperationspartner dürfen nicht nur andere Sportvereine sein. Alle müssten, so OB Klopfer, „Konkurrenzdenken zur Seite legen“.

Sportverein 2030

Zu dem Projekt Sportverein 2030 hat der STB ein Arbeitsbuch veröffentlicht. Darin gibt er konkrete Schritte vor, wie der Verein den Weg in die Zukunft gehen kann.

Der Zeitungsverlag Waiblingen hat über das Projekt bereits Anfang des Jahres 2018 in einer dreiteiligen Serie berichtet. Sie finden die Serie Der Sportverein im 21. Jahrhundert unter www.zvw.de/rems-murr-sport

Neustes SG-Projekt: in jeder Schorndorfer Kindergartengruppe pro Woche eine Stunde Sport anbieten. Geschäftsführer Benjamin Wahl: „Es war überraschend leicht, dafür Sponsoren zu finden.“

Unsere Berichterstattung:

Das muss der Sportverein der Zukunft bieten

Der Sportverein im 21. Jahrhundert - Wie sieht er aus?

Die Zukunft des Vereins - So sieht es ein Geschäftsführer​​​​​​​

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