Rems-Murr-Sport Wo dicke Muskeln schädlich sind

Badmintonspieler müssen schnell und beweglich sein. Perfekt zeigt das hier Miranda Wilson, Nationalspielerin der SG Schorndorf. Foto: Alexander Becher

Die SG Schorndorf startet am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den Tabellenführer der 2. Badminton-Bundesliga, TSV Neuhausen-Nymphenburg, ins neue Jahr. Wir haben uns mit Teamchef und Spieler Benjamin Wahl unterhalten. Ein Interview, das nicht in allen Punkten Anspruch auf Ernsthaftigkeit erhebt.

Ohne was kommt ein Badmintonspieler auf keinen Fall aus?

Badmintonschläger, Federball und Netz.

Okay. Und gibt’s auch etwas, das er möglichst nicht haben sollte?

Zu viel Muskelmasse. Die ist eher hinderlich, weil es im Badminton vor allem auf Beweglichkeit und Reaktionsschnelligkeit ankommt.

Wenn jetzt ein guter Fußballer auf die Idee käme, gegen einen eurer Jugendspieler anzutreten – hätte er eine Chance?

Wohl kaum. Wie auch in anderen Sportarten kann die Grundlagenausbildung ab einem gewissen Alter eigentlich nicht mehr nachgeholt werden. Das Niveau eines unserer Top-Jugendlichen kann folglich nicht mehr erreicht werden. Ein Einsatz in unserer zweiten oder dritten Mannschaft aber wäre nicht ausgeschlossen – mit einer guten Portion Talent und nach ein paar Jahren Training.

Was braucht ein Badmintonspieler?

Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer in Kombination mit einer guten Technik und einem tollen Spielverständnis.

Was bietet Ihr den Zuschauern?

Ihr habt am Sonntag um 14 Uhr ein Heimspiel in der Karl-Wahl-Halle. Was bietet ihr einem Badminton-Laien, damit der sich zu einem Besuch bei euch entschließt?

Also unsere Cafeteria wird immer wieder sehr gelobt … Im Ernst: Jeder, der zum ersten Mal bei uns war, ist wiedergekommen. Der Unterschied zwischen Federball und Badminton ist enorm. Die unglaubliche Dynamik, Reaktion und die Spannung begeistern sowohl neue Besucher als auch alte Hasen. Zudem ist die Stimmung bei uns und auch der Sport insgesamt sehr fair.

Wie viele Zuschauer habt ihr denn pro Heimspiel?

Das variiert zwischen 100 und 250 Zuschauern. Bei unseren Aufstiegsspielen waren es sogar um die 600. Witzigerweise ist Regenwetter auch „Badmintonwetter“, das merkt man immer sofort.

Am Sonntag ist Badmintonwetter

Seid ihr mit den Zahlen zufrieden?

Vergleichen wir uns mit Fußball, dann ist noch Luft nach oben. Im Vergleich mit anderen Badmintonmannschaften können wir sehr zufrieden sein. Hier würden wir mit unseren Zuschauerzahlen sicherlich auch in der 1. Liga oben mitmischen.

Im Badminton werden gerne Spieler aus dem Ausland eingesetzt. Auch die SG hat das schon gemacht. Gibt es in Deutschland nicht genügend gute Spieler?

Es gibt viele gute Spieler in Deutschland und sie werden auch immer besser. Allerdings ist der Pool an sehr guten ausländischen Spielern groß, weil es nicht in allen Badminton-Nationen einen Liga-Betrieb gibt. Einige finanzstarke Clubs haben sich irgendwann auf den Einkauf ausländischer Top-Spieler anstatt auf die Investition in die eigene Jugendarbeit konzentriert. Immer mehr Vereine haben nachgezogen, um mithalten zu können. In meiner ersten Bundesliga-Saison in Schorndorf (da war ich 16 Jahre alt) war ich der einzige deutsche Mann neben zwei Walisern und einem Weißrussen. Ein Jahr später haben wir freiwillig den Schritt zurück in die Regionalliga gemacht. Wir wollten ein eigenes deutsches und regionales Team aufstellen. Das ist seither unsere Philosophie. Seit einigen Jahren beobachten wir diesen Trend auch in weiteren Bundesliga-Mannschaften.

Mittlerweile gibt es auch Badminton-Millionäre

Was verdienen die ausländischen Spieler?

In der Regel werden die nur zu den Spieltagen eingeflogen. In der 1. Liga können sie sich so ein ordentliches Taschengeld dazuverdienen. Mit Fußball kann man das aber nicht ansatzweise vergleichen. Mittlerweile gibt es aber auch die ersten Badminton-Millionäre in Asien, Spanien oder Dänemark. Die sind jedoch absolute Weltklasse und verdienen ihr Geld vor allem durch Sponsoring und Werbung.

Ihr steht zur Saisonhalbzeit auf Platz drei. Seid ihr damit zufrieden?

Ja, sehr. In dieser Saison waren wir in der Lage, häufig in Vollbesetzung anzutreten. So konnten wir zeigen, wie stark wir wirklich sind, und stehen zu Recht auf dem 3. Tabellenplatz. Unsere Heimserie mit zweimal 7:0 und einmal 6:1 hintereinander ist einzigartig.

Am Sonntag kommt der Tabellenführer. Wie stehen da die Chancen?

Neuhausen kommt aus der 1. Bundesliga, will direkt wieder aufsteigen und hat seinen Kader dafür sogar noch verstärkt. Bisher hat das Team jedes Spiel gewonnen und meistens mit 7:0 oder 6:1. Mit einer 3:4-Niederlage könnten wir mehr als zufrieden sein und würden in den Genuss kommen, einen Punkt mitzunehmen. Wenn es überhaupt möglich ist, dann am Sonntag vor heimischer Kulisse, also mit dem 12. Mann und einer überragenden Performance.

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