Remseck/Waiblingen Remsecks OB erklärt Westrandbrücke für "alternativlos"

Baustelle für Teil eins der Neuen Mitte mit Stadthalle und Rathaus am Neckarremser Hechtkopf. Foto: A. Köbl / ZVW

Remseck/Waiblingen. Waiblingens Nachbarstadt Remseck befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Besonders an der Rems-Mündung bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Stadthalle, Rathaus-Neubau und neue Wohngebiete werden geplant oder bereits gebaut. Spürbare Auswirkungen auf Waiblingen wird besonders die Westrandbrücke haben.

Ungemütlich geht’s zu in Neckarrems. Im Nadelöhr zwischen Waiblingen und Ludwigsburg herrscht Dauerstau, und am „Hechtkopf“, wo die Rems in den Neckar mündet, läuft der Bau der Stadthalle und des neuen Rathauses auf Hochtouren. Der Rohbau für die massiven Baukörper nähert sich seiner vollständigen Höhe an. Im Mai 2020 soll der Umzug der Rathaus-Mitarbeiter beginnen, im Anschluss wird das bestehende Gebäude, das einst vor der Kommunalreform für die selbstständige Gemeinde Neckarrems gedacht war, abgerissen. Im neuen Rathaus zieht die Große Kreisstadt dann die vier über die Ortsteile verstreuten Verwaltungssitze zusammen, bevor sie den Standort des jetzigen Hauptsitzes in eine Parklandschaft verwandelt.

Die Baustelle am Hechtkopf ist aber nur Teil eins der weitaus umfassenderen Pläne für die Neue Mitte, zu der auch zwei neue Stadtviertel gehören. Das eine soll gegenüber auf der anderen Seite der überlasteten Landesstraße auf dem Areal Hofwiesen entstehen, das andere am westlichen Rand von Neckargröningen - ebenfalls westlich der jetzigen Verkehrsachse. Andere Möglichkeiten, noch zu wachsen, lässt der Flächennutzungsplan für Remseck kaum zu. Für den parteilosen Oberbürgermeister Dirk Schönberger sind eine Verlegung der Landesstraße und die Westrandbrücke rund 250 Meter neckaraufwärts somit „alternativlos“. Die frühzeitige Bürgerbeteiligung für die neuen Stadtviertel hat unlängst begonnen, die Lösung der Verkehrsprobleme gilt als unabdingbare Voraussetzung.

Widerstand gegen das "Monster-Bauwerk"

Widerstand gegen die Westrandbrücke regt sich durch die Bürgerinitiative „Wir für morgen“, die sich für den Nordostring einsetzt und bei einer Protestaktion mit Gasballons die Dimensionen des „Monster-Bauwerks“ verdeutlicht hat. Eine Wortwahl, welche der OB entschieden zurückweist. Zwar stünden die genauen Ausmaße noch nicht fest, doch werde die Brücke weder ein Monster noch ein Viadukt. Die Fahrbahn soll etwa drei Meter höher liegen als die der bestehenden Neckarquerung aus dem Jahr 1953 und soll groß genug sein, um den fürs Jahr 2030 prognostizierten Verkehr von 45 000 Fahrzeugen täglich aufzunehmen. In der Frage, ob sie drei oder vier Fahrstreifen bekommt, könne er sich noch nicht festlegen. Ausdrücklich soll jedoch der Ersatz für die jetzige Brücke sein - nicht für den Nordostring. Eine Finanzierungszusage des Landes liegt vor, und bis tatsächlich Autos über die Westrandbrücke rollen, soll es nach Möglichkeit nicht erst 2030 werden.

Remsecker Rathauschef sieht kein Risiko für Nordostring

Nach den Plänen des Rathauses soll die alte Brücke dem öffentlichen Nahverkehr und den Radfahrern vorbehalten bleiben. Diese müssten möglichst staufrei fahren können, um als Alternativen zum motorisierten Individualverkehr attraktiver zu werden. Profitieren könnte die Direktbus-Verbindung zwischen Waiblingen und Ludwigsburg. Wenig begeistert zeigt sich der Remsecker Rathauschef über die Verkehrsberuhigung an der Hegnacher Neckarstraße. In „Gesprächen auf Stadtoberhaupts-Ebene“ will er nach Verbesserungen für den öffentlichen Nahverkehr suchen.

Befürchtungen, wonach der Nordostring um Stuttgart durch die als „lokale Lösung“ erklärte Remsecker Brücke obsolet werden könnte, teilt Dirk Schönberger nicht. Schließlich werde er nicht die Dimensionen für den überregionalen Verkehr haben, zudem baut der Remsecker OB auf die Aussagen des Bundesverkehrsministeriums. Der Einwand, das Land zahle nicht für zwei Brücken, greife jedenfalls nicht, zumal für die beiden Projekte unterschiedliche Zuständigkeiten und Geldtöpfe gelten. Der Nordostring habe eine andere Zielrichtung, nämlich den Stuttgarter Talkessel mit seiner dicken Luft zu entlasten.


Hesky: Sorgen wegen Verkehr in Hegnach

Verständnis für die Remsecker Brückenpläne hat der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky, zumal die jetzige Brücke in die Jahre gekommen und überlastet sei. Den Enthusiasmus seines Kollegen teilt er allerdings nicht. Sorgen macht er sich angesichts der Frage, wohin der Verkehr fließt, wenn er die Brücke überquert hat. Der Fahrzeug-Strom dürfe nicht allein in Richtung Hegnach geleitet, sondern müsse auch in Richtung Höhenstraße und Fellbach verteilt werden.

Als „einzigen Vorteil“ aus Waiblinger Sicht wertet Hesky das Vorhaben, die bestehende Neckarbrücke zur Beschleunigung des öffentlichen Nahverkehrs zu nutzen.

Wie sein Remsecker Kollege gilt der Waiblinger OB als Befürworter des Nordostrings. Die Verkehrsanbindung spiele für den Wirtschaftsstandort eine entscheidende Rolle. Widersprechen möchte er Schönbergers Argumentation, der Nordostring werde durch die Westrandbrücke nicht obsolet, zwar nicht. „Aber ich würde hier ein Fragezeichen setzen.“

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