Remseck/Waiblingen Westrandbrücke bekommt drei Spuren

Der Vorentwurf für die neue Neckarbrücke. Foto: ISTW Planungsgesellschaft

Remseck/Waiblingen. 140 Meter lang und 13 Meter hoch wird sie den Neckar überspannen: die neue Westrandbrücke in Remseck. Einen Vorentwurf fürs umstrittene Bauwerk, das den Dauerstau auflösen soll, hat die Stadt nun öffentlich vorgestellt. Für Waiblingen soll die Brücke nach Aussagen des Planers zu einer leichten Entlastung führen.



Seit Jahrzehnten drängt sich der Verkehr zwischen Waiblingen und Ludwigsburg durch das Nadelöhr Neckarrems und über die überlastete Brücke aus den fünfziger Jahren. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern: Die von der Stadt Remseck und dem Land Baden-Württemberg geplante Westrandbrücke soll nicht nur den Verkehr besser fließen lassen, sondern vor allem Platz schaffen für das große Städtebau-Projekt der Neuen Mitte mit Rathaus, Stadthalle, Mediathek, Einzelhandel, Gewerbe und neuem Wohngebiet. In einer Bürgerversammlung mit mehreren Hundert Besuchern präsentierte die Stadtverwaltung – und dabei maßgeblich die langjährige Waiblinger und seit zwei Wochen Remsecker Baubürgermeisterin Birgit Priebe – den Stand der Planung. Wie Priebe betonte, zu einem sehr frühen Zeitpunkt, um die Bürger einzubinden. „Aus fachlicher Sicht müssten wir noch ein halbes Jahr warten.“ Viele Details sind noch zu klären, etwa die sensible Frage des Lärmschutzes.

Brücke soll rund 40 000 Fahrzeuge fassen

Dreispurig soll die Brücke sein. 250 Meter flussaufwärts würde sie gebaut, etwa in der Mitte zwischen der bestehenden Brücke und dem Lidl-Markt in Aldingen. Fassen soll sie rund 40 000 Fahrzeuge, womit sie nach den Prognosen der Planungsgesellschaft ISTW den Bedarf im Jahr 2030 befriedigt, wenn die Neue Mitte gebaut ist – und der Nord-Ost-Ring weiter auf sich warten lässt. Für Waiblingen und Hegnach würde das eine geringfügige Entlastung bedeuten: 800 Fahrzeuge weniger – was mit knapp 13 000 Fahrzeugen ziemlich genau dem heutigen Stand entspricht. Weniger günstig die Wirkungen für Fellbach: In und aus Richtung Oeffingen erwartet Planer Uwe Blankenhorn rund 1400 Fahrzeuge mehr pro Tag. Unisono beteuern Stadtverwaltung und Planer, die Westrandbrücke werde keinen zusätzlichen überregionalen Verkehr anziehen. Und Oberbürgermeister Dirk Schönberger betont bei jeder Gelegenheit: „Die Brücke ist kein Ersatz für den Nord-Ost-Ring.“

Stadt will Westrandbrücke nicht noch größer bauen

An dieser Frage scheiden sich allerdings die Geister. Viele Brückengegner befürchten, sie werde dazu führen, dass die Pläne für den Nord-Ost-Ring für immer in den Schubladen verschwinden. Um das zu verhindern und um nicht zu viel Fläche zu verbrauchen, will die Stadt die Westrandbrücke nicht noch größer bauen, obwohl sich viele Kritiker auch dies wünschen würden. Dies wiederum aus dem Wunsch heraus, den Dauerstau im Nadelöhr ein für alle Mal aufzulösen.

Bürgerentscheid gefordert

Nicht zuletzt sorgen sich die Bürgerinitiative „Wir für morgen“ und die Bewohner des wohlhabenden Gebiets am Schlossberg wegen des erwarteten Lärms und Eingriffen in die ohnehin reichlich verbaute Landschaft. Sie fordern einen Bürgerentscheid. Wie OB Dirk Schönberger jetzt ankündigte, werden sich in einer Gemeinderatssitzung Ende Februar alle Fraktionen dazu positionieren. „Wir müssen beim Lärmschutz Lösungen finden, sonst können wir die Brücke nicht bauen“, sagte Birgit Priebe. Ideal seien landschaftsbauliche Lösungen, nicht Lärmschutzwände wie in Neckargröningen.

Schleichverkehr: „Unsere Freunde mit dem Kennzeichen WN“

Den Weg frei machen für die Stadtentwicklung, den Verkehr aus den Ortsmitten herausholen, insbesondere auch den Schleichverkehr – das soll die Westrandbrücke laut Schönberger leisten. „Nicht mehr, nicht weniger.“ Ein Bürger erwähnte in der Versammlung „unsere Freunde mit dem Kennzeichen WN“, die das Nadelöhr umfahren, die Cannstatter Straße durch Aldingen nehmen und sich dann wieder in den Hauptstrom einfädeln würden. Maximal Tempo 50 soll auf der als örtliche Lösung gedachten Westrandbrücke erlaubt sein. Die Anschlussstellen in Aldingen und Neckarrems werden mit Ampeln geregelt. In der Stoßzeit sollen die Autos spätestens in zwei Ampelphasen über die Kreuzung gelangen. Das besagt die vorgesehene Ausbaustufe D – sozusagen die Schulnote Vier im Straßenbau. Auf die Frage, welche Ausbaustufe denn die bestehende Brücke hat, gibt Planer Uwe Blankenhorn die klare Antwort: „F – das heißt sechs, unbefriedigend.“ Sie soll zurückgebaut werden und in Zukunft Radlern, Fußgängern, dem ÖPNV und den Anliegern in Neckargröningen vorbehalten bleiben.


Waiblinger Sicht

Für die Stadt Waiblingen hat Baubürgermeister Dieter Schienmann die Bürgerinformation in der Nachbarstadt besucht. Sein Eindruck: Die Westrandbrücke ist primär ein städtebauliches Projekt mit großer Bedeutung für Remseck. Die verkehrlichen Auswirkungen seien nach heutigem Kenntnisstand gering.

Ob sich durch den Bau an den Plänen des Bundes für den Nord-Ost-Ring etwas ändert? „Das ist Spekulation, das kann ich nicht kommentieren.“ Anders als die Remsecker sieht Schienmann die Gefahr, dass die Brücke überregionalen Verkehr anzieht: „Das ist nicht auszuschließen.“

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