Remshalden Betreuung wird ausgebaut – und teurer

Symbolbild. Foto: pixabay.com / CC0 Creative Commons

Remshalden. Zum kommenden Schuljahr soll es in der Grundschulbetreuung keine Absagen geben: Um den gestiegenen Bedarf zu decken, lagert die Gemeinde Remshalden einen Teil der Betreuung in Grunbach aus und schafft so mehr Kapazitäten. Doch der gestiegene Aufwand, auch in Geradstetten, schlägt sich ab kommendem Schuljahr in deutlich höheren Kosten für die Eltern nieder.

Der Gemeinderat ging bei der Beitragserhöhung mehrheitlich sogar noch einen Schritt weiter, als es die Gemeindeverwaltung vorgeschlagen hatte. Statt wie bisher 2,20 Euro pro Stunde kostet die Grundschulbetreuung für ein Kind ab dem Schuljahr 2018/19 drei Euro pro Stunde. Die Verwaltung hatte eine Erhöhung auf 2,80 pro Stunde vorgeschlagen.

„Ich persönlich halte die drei Euro für zu hoch“, sagte Hauptamtsleiterin Christine Kullen im Gemeinderat. Sie plädierte dafür, lieber in zwei Jahren eine erneute Anpassung vorzunehmen, als auf einmal so einen großen Sprung zu machen.

Nachbar Winterbach ist deutlich günstiger

Christine Kullen stellte auch einen Vergleich mit dem Nachbarn Winterbach an. So kostet dort in der Grundschulbetreuung der Platz für ein Kind an fünf Tagen bis 17 Uhr 195 Euro monatlich, während mit dem neuen Stundensatz von drei Euro in Remshalden der Preis auf 319 Euro steigt.

Der Gemeinderat blieb jedoch mehrheitlich bei seiner Haltung. Am Ende stimmten zwölf Ratsmitglieder für die Erhöhung auf drei Euro pro Stunde und sechs dagegen. Ein Antrag der SPD, nur auf 2,80 Euro zu erhöhen, wurde zuvor mit fünf zu 13 Stimmen abgelehnt.

Rechtsanspruch auf Grundschulbetreuung wird kommen

„Es ist eine Freiwilligkeitsleistung, bei der wir weit unter dem Deckungsgrad liegen, den wir angestrebt haben“, begründete Tobias Schädel die Haltung seiner BWV-Fraktion. Dieser angestrebte Deckungsgrad liegt bei 75 Prozent. Aktuell liegt er mit den Elternbeiträgen von 2,20 Euro pro Stunde und Landeszuweisungen lediglich bei 63 Prozent im Jahr 2016: Die Gemeinde gab 305 000 Euro aus und nahm nur 193 000 Euro ein.

Im Gegensatz zur Betreuung bei den Kindern unter sechs Jahren gibt es bei den Grundschulkindern keinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz – noch nicht, wie Hauptamtsleiterin Christine Kullen betonte: Laut Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD soll es 2025 so weit sein.

 

Kapazität musste ausgebaut werden

Der Technische Beigeordnete Dieter Schienmann, der in Abwesenheit eines Bürgermeisters die Gemeinderatssitzungen leitet, stellte allerdings fest: Die Grundschulbetreuung sei nur noch formal eine Freiwilligkeitsleistung. „In der gelebten Praxis ist es eine Pflichtaufgabe geworden.“

BWV-Rat Tobias Schädel erinnerte an die Wellen, die es geschlagen habe, als vor dem laufenden Schuljahr eine geringe Anzahl Absagen verteilt werden musste, weil die Kapazität der Grundschulbetreuung in Grunbach nicht mehr ausreichte. Jetzt komme man dem Wunsch der Eltern nach und baue die Betreuung aus. „Das hat eben seinen Preis.“ Es sei ein „schmerzhafter Schritt“, aber durch den Ausbau sei er gut zu begründen.

15 Familien drohten Absagen für die Grundschulbetreuung

Die Ausbaumaßnahmen betreffen ab dem kommenden Schuljahr die Betreuung in Grunbach. Die Zahl der betreuten Kinder steigt dort laut Anmeldezahlen von 65 auf 85. „Das würde bedeuten, dass wir 15 Familien absagen müssen“, so Hauptamtsleiterin Christine Kullen.

Doch die Gemeinde hat in Abstimmung mit der Grundschule nun eine Lösung gefunden: 29 Kinder, nämlich die, die für Betreuung bis 13 Uhr ohne Mittagessen angemeldet sind, werden ausgelagert in eine separate Gruppe. Die Schule stellt die nötigen Räume dafür zur Verfügung. Die verbleibenden 56 Kinder können in den bisherigen Räumen betreut werden und müssen lediglich zum Mittagessen in zwei Schichten eingeteilt werden.


Appell an Politik auf Landes- und Bundesebene

SPD-Gemeinderat Harald Bay nutzte das Thema Beitragserhöhung für die Grundschulbetreuung für eine Grundsatzrede und einen Appell an die Adresse der Regierungen in Land und Bund. Diese hätten dank Hochkonjunktur Milliarden Euro Mehreinnahmen. Er frage sich, so Bay: „Was ist eigentlich Bildung wert? Offensichtlich lädt man alles auf die Gemeinden ab.“ Er appelliere „nach oben“ an die Regierungen in Bund und Land, „dass die Mittel erhöht und dann auch ungekürzt an die Gemeinden weitergereicht werden“, ohne dass das Land Millionen davon abgreife, „damit wir unseren jungen Bürgern das Optimale an Bildung zukommen lassen können“.

Dafür gab es Zustimmung von den Ratskollegen und auch vom Technischen Beigeordneten Dieter Schienmann: Dafür, dass in der Praxis die Grundschulbetreuung zu einer Pflichtaufgabe geworden sei, „werden wir ziemlich alleingelassen“.

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