Remshalden Gärtnerei Gropper: Neuanfang nach Anschlagsserie

Martin Gropper räumt auf und packt zusammen: Er und seine Frau Katrin Strotbek ziehen mit ihrem Gärtnereibetrieb um. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Remshalden.
In der Blumenmarkthalle der Gärtnerei Gropper werden die Spuren der vergangenen zehn Jahre jetzt sichtbar. Die Gewächshäuser sind schon teilweise leer geräumt, hinter den Blumentischen und den Holzhütten, die darin standen, sind die Einschlaglöcher in den Scheiben zum Vorschein gekommen. „Da hat er von da oben runter Steine reingeschmissen“, sagt Martin Gropper und zeigt auf die Böschung hinter der Zufahrt zum Gärtnerei-Parkplatz. „Er“, das ist der Verpächter von Martin Gropper. „Er“, von dem sich Gropper seit Jahren verfolgt und schikaniert sieht, den er zahlreicher Anschläge beschuldigt bis hin zu einem Brand im Jahr 2018, der große Teile der Gärtnerei verwüstete.

Der Verpächter streitet alle Vorwürfe konsequent ab, selbst in den Fällen, in denen es Zeugen oder Videos von Überwachungskameras gab. Beweisen konnte Gropper nur sehr wenig, zu Ende ermitteln konnten Polizei und Staatsanwaltschaft nur wenige Vorfälle, auch der Brand blieb trotz Ermittlungen gegen den Verpächter bis heute unaufgeklärt. Nach zehn Jahren in Remshalden haben Martin Gropper und seine Frau Katrin Strotbek nun aufgegeben. Sie gehen mit ihrer Gärtnerei nach Beinstein, zu seinem Bruder, der dort den Betrieb „Gropper Stauden“ hat.

"Wir starten jetzt noch mal neu durch"

Jetzt sind sie mitten im Umzug. Bis 29. Februar hat die Blumenmarkthalle noch in Remshalden geöffnet. Am 2. März geht es dann in Beinstein weiter, wo schon fast alles vorbereitet ist. „Alle freuen sich riesig darauf“, sagt Martin Gropper. „Auch die Mitarbeiter, die alle mitziehen.“ Der 60-jährige Gärtner sitzt an einem Tisch zwischen den Blumenregalen, die noch geblieben sind. Der größte Teil der Gewächshäuser ist bereits leer. In der Ecke lärmt fröhlich wie eh und je die Schar Wellensittiche im großen Käfig. „Die kommen auch mit, und ihr Geschnatter“, sagt Martin Gropper.

Sein Gesicht hellt sich auf, wenn er über den Neuanfang redet. „Wir starten jetzt noch mal neu durch“, sagt er. „Wir wollen in die Zukunft blicken.“ Auch wenn es ihn schmerze, aus Remshalden wegzugehen, wo er zehn Jahre Blumen und Pflanzen verkauft hat, wo er so viel Geld und Herzblut investiert hat. „Ich denke, die Leute werden es verstehen“, meint er. Tatsächlich ist es eher umgekehrt: „Viele sagen, es ist schwer zu verstehen, dass du so lange hier warst. Dass das von eurer Seite nicht eskaliert ist.“

Die Groppers haben versucht, sich juristisch zur Wehr zu setzen. Mehr als 30-mal waren sie mit beziehungsweise gegen den Verpächter vor Gericht. Doch sie haben den Glauben an die Justiz und die Gerechtigkeit inzwischen weitgehend verloren.

Dabei ist der Verpächter eigentlich in Haft. Nach mehreren Geld- und Bewährungsstrafen wegen verschiedener Delikte von Freiheitsberaubung bis Körperverletzung musste er im Sommer 2018 eine 16-monatige Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung antreten. Dazu war er verurteilt worden, weil er einen von Martin Gropper engagierten Sicherheitsmann mit einer Eisenstange attackiert hatte. Ein weiteres Urteil wurde währenddessen rechtskräftig: weitere zehn Monate, weil er seinen damaligen Wohnungsmieter gewürgt hatte. Allerdings war er schnell im offenen Vollzug, das heißt, er konnte sich frei bewegen, war zu Hause in seinem Haus, das auf dem Gärtnereigelände steht, und ging seiner Arbeit in einem Landschaftsgärtnerei-Betrieb aus der Gegend nach.

Betonplatte ins Auto geworfen, immer wieder den Strom abgestellt

Die Anschläge auf die Gärtnerei gingen indessen weiter. Zuletzt wurden im Herbst 2019 die Scheiben eines auf dem Gelände abgestellten Autos eines Bekannten von Martin Gropper mit Betonplatten eingeworfen. Bislang konnte die Polizei in keinem Fall den Täter ermitteln. In einer anderen Sache ist der Fall ziemlich klar. Immer wieder stellt der Verpächter den Strom für die Gewächshäuser der Gärtnerei ab, und tut das immer weiter, obwohl ein Gericht verfügt hat, dass er 5000 Euro für jeden Fall zahlen muss, wenn das passiert. „Mein Anwalt kommt gar nicht mehr hinterher“, sagt Martin Gropper. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es weitere Vorfälle: Fahrzeuge wurden komplett mit weißer Farbe besprüht. Eines sei dabei so beschädigt worden, dass er es habe abgeben müssen, erzählt Gropper. Jemand ist in die Gärtnerei eingestiegen und hat mit Sprühfarbe Worte wie „Assi“ oder „Dreckspack“ auf Schilder gemalt.

Auch Groppers Bruder blieb nicht verschont

Vergangenes Jahr traf es im Oktober sogar Martin Groppers Bruder Thomas Gropper mit seinem Betrieb in Beinstein. Die Bremsleitung an einem Lastwagen wurde angeritzt, Nägel wurden vor dem Fahrzeug ausgelegt und Autoreifen zerstochen. Weit ist der Gropper’sche Betrieb in Beinstein nicht weg von dem in Remshalden, die Fahrzeit beträgt etwa fünf Minuten. Der Rechtsstreit mit dem Verpächter endet auch nicht einfach. Nach dem Auszug kann und wird Martin Gropper Regressforderungen stellen, es geht um den Verdienstausfall, um viel Geld, das er in die Gärtnerei investiert hatte.

Dass auch in Beinstein weiter Dinge passieren könnten: „Damit rechnen wir“, sagt Martin Gropper. Aber er hat neuen Mut gefasst. „Weil wir nicht mehr allein sind. Hier waren wir ganz allein, deswegen hat er sich so ausleben können.“ Und die relative Nähe in Beinstein hin oder her: „Wenn du direkt vor dem Wolfsbau sitzt, bist du der Gefahr täglich ausgeliefert.“

Martin Gropper hofft auf jeden Fall, dass er, seine Frau und die Mitarbeiter endlich wieder Frieden finden. „Alle freuen sich, dass sie dort mit einem ruhigen Gefühl arbeiten können. Und nicht mit der Angst, die einen hier jeden Tag beherrscht hat.“ Das sei es auch, was ihm die Kraft gebe, noch einmal von vorne anzufangen. „Das ist mein größtes Bestreben: Ich will dafür sorgen, dass meine netten Mitarbeiter und meine Frau eine tolle Zukunft haben.“

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