Remshalden-Geradstetten S-Bahn-Station ist jetzt barrierefrei erreichbar

Bürgermeister Reinhard Molt und seine Frau Susanne beim Test der Rampe zum südlichen Bahnsteig an der S-Bahn-Station Geradstetten. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Remshalden. Geradstetten ist eine der letzten S-Bahn-Stationen in der Region Stuttgart, deren Bahnsteige nun über zwei neue Rampen offiziell barrierefrei erreichbar sind. Ein großes Hindernis bleibt der Einstieg in die Züge, der nicht nur für Rollstuhlfahrer eine Herausforderung ist. Auch das will die Bahn noch angehen – wann, das ist jedoch völlig offen.

Konkret in der Planung ist schon die Anhebung des Bahnsteigs der Station in Kernen-Rommelshausen. Das sagte Nikolaus Hebding, der Leiter des Bahnhofsmanagements Stuttgart, bei der Einweihung der neuen Rampe an der Station im Remshaldener Ortsteil Geradstetten an diesem Dienstag. Das Ziel der Bahn ist es, dass alle Bahnsteige eine Höhe von 96 Zentimetern bekommen, damit die Fahrgäste in die Züge kommen, ohne dabei einen Höhenunterschied überwinden zu müssen. Wann konkret das Realität wird, das konnten die Bahn-Verantwortlichen am Dienstag in Geradstetten jedoch nicht sagen. Nikolaus Hebding sagte dazu wörtlich: „Eines schönen Tages – ich kann nicht sagen, wann.“ Ausnahme ist lediglich die Station in Stuttgart-Feuerbach. Dort wird derzeit ebenfalls eine Rampe gebaut, und im gleichen Zuge sollen hier schon die Bahnsteige angehoben werden.

Probleme, verletzungsfrei in die S-Bahn und wieder raus zu kommen

In Geradstetten beträgt der zu überwindende Höhenunterschied zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn-Einstieg zwischen 30 und 40 Zentimetern. Nicht nur für Rollstuhlfahrer ist das ein riesiges Hindernis, auch mit dem Kinderwagen wird es hier schwierig. Und alle, die nicht so gut zu Fuß sind, haben ein Problem, verletzungsfrei in die S-Bahn und wieder heraus zu kommen.

Die 60 Meter lange Rampe, die die Bahn jetzt zum südlichen Bahnsteig (Fahrtrichtung Schorndorf) hat bauen lassen, und dazu die kleinere am nördlichen (Fahrtrichtung Stuttgart), sind jedoch ein erster Schritt zu mehr Barrierefreiheit für alle Bahnnutzer, seien sie mit Rollstuhl, Rollkoffern, Rollator, Kinderwagen oder Fahrrädern unterwegs.

"Überall, wo es nur geht, wollen wir eine Rampe"

Dementsprechend freut sich Bürgermeister Reinhard Molt natürlich über die Baumaßnahmen. Seine Frau Susanne sitzt im Rollstuhl, er spricht also aus Erfahrung. „Ich bin immer ein Fan von Rampen“, sagte er bei der Einweihung, die am Dienstag stattfand, nachdem die Rampen schon seit einigen Wochen für den Verkehr freigegeben sind. Zwar bedeuteten Rampen längere Wege, so Molt, aber sie seien eben immer funktionstüchtig– im Gegensatz zu Aufzügen. „Aufzüge sind schwierig zu betreiben“, sagt auch Nikolaus Hebding, der Leiter des Bahnhofsmanagements. Die Bahn investiere viel und mache mehr Wartung, als man müsse, aber trotzdem komme es immer wieder zu Ausfällen von Aufzügen. „Überall, wo es nur geht, wollen wir eine Rampe.“

2500 Menschen steigen in Geradstetten jeden Tag in die S-Bahn ein oder aus der S-Bahn aus, es ist „eine der kleineren Stationen“ in der Region, so Hebding. Gekostet haben die Baumaßnahmen in Geradstetten insgesamt rund 730 000 Euro. Davon zahlt das Land Baden-Württemberg 500 000 Euro, der Bund beziehungsweise die Bahn 155 000 Euro und der Rems-Murr-Kreis 75 000 Euro. Auf beide Bahnsteige gelangte man zwar auch bisher schon ohne Stufen, aber die Wege waren sehr steil und genügten nicht den gesetzlichen Anforderungen. Die neuen Rampen haben nun die geforderten sechs Prozent Steigung.

"Bis zur Barrierefreiheit der S-Bahn ist noch ein weiter Weg"

Nikolaus Hebding betonte in Geradstetten auch: „Uns ist schon bewusst: Bis zur Barrierefreiheit der S-Bahn ist noch ein weiter Weg.“ Für die Anhebung der Bahnsteige auf 96 Zentimeter gebe es eine Prioritätenliste. Zur Rangfolge der Stationen auf dieser Liste wollte Heberding jedoch nichts sagen. Sie sei noch in Abstimmung mit dem Verband Region Stuttgart. Was er preisgab, war die eingangs erwähnte Information, dass die Station in Rommelshausen in Planung ist. Das sei wegen der Kurvenlage kompliziert.

Mit der Erhöhung der Bahnsteige, wann auch immer sie kommt, bleibt dann noch ein weiteres Problem: Sie garantiert nur einen bequemen Einstieg in die S-Bahn. Denn andere Züge haben andere Einstiegshöhen. Als während der Einweihung der Geradstettener Rampe einer der neuen gelben Züge des Bahn-Betreibers Go-Ahead vorbeifährt, wird das sichtbar: Deren Einstiegshöhe liegt schon jetzt nicht über, sondern unter dem Niveau des Bahnsteigs.


Kanäle

Die Gemeinde Remshalden hat sich an der Baumaßnahme der Bahn in Geradstetten-Süd beteiligt, um in dem Bereich alte Kanäle zu erneuern und auszutauschen. Dadurch sei auch ein „Flaschenhals“ abgebaut worden, so Bürgermeister Reinhard Molt, der in der Vergangenheit manchmal zu einem Rückstau geführt habe, wenn es stark regnete. Die Arbeiten daran begannen schon im Frühjahr 2018. Der Rampenbau der Bahn schloss sich an.

  • Bewertung
    5

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!