Remshalden-Geradstetten Warum Rechte europaweit einen Flüchtling feierten

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Remshalden-Geradstetten.
"Somalier greift Deutschen Reisenden an und bekommt mächtig eins auf die Nase" - in dieser und ähnlicher Form verbreiteten rechte und rechtsextreme Webseiten Anfang des Jahres eine Meldung der Bundespolizei.

Diese "Nachricht" kam beim Publikum offenbar so gut an, dass sie in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Europaweit wurde der angebliche Deutsche in den sozialen Medien für seine mutmaßliche Notwehr am Bahnhof Geradstetten gefeiert. Endlich ein Einheimischer, der sich gegen gewalttätige Zuwanderer wehrt, so der Tenor. Wie sich jetzt herausstellt, hat die europäische Rechte ihre Heldenerzählung rund um einen Flüchtling gesponnen.

Die ursprüngliche Meldung der Bundespolizei

Die Polizeimeldung vom 2. Januar lautete:

"Ein 25-jähriger Mann hat am Dienstagmittag (31.12.2019) gegen 14 Uhr am Bahnhof Geradstetten einen Unbekannten angegriffen und kurz darauf selbst den Notruf gewählt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand griff der 25-jährige somalische Staatsangehörige offenbar unvermittelt einen bislang unbekannten Reisenden auf dem Bahnsteig an. Der Unbekannte schlug daraufhin wohl mehrfach auf den Angreifer ein, sodass dieser sich letztendlich von dem Reisenden abgewendet hat. [...] Als Streifen der Landes- und Bundespolizei am Bahnhof eintrafen, konnte der 25-jährige mit mehreren blutenden Platzwunden im Gesicht, einem ausgeschlagenen Zahn und einer verletzten Zunge angetroffen werden."

Von einem Deutschen ist in der Meldung nicht die Rede.

Ermittlungen ergeben: Es war alles anders

Nach Ermittlungen der Bundespolizei stellt sich die Geschichte nun außerdem etwas anders dar.

"Die beiden Männer sind persönlich bekannt", sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Bei dem "unbekannten Reisenden" handle es sich um einen 24 Jahre alten Iraker, der mit dem Somalier zeitweise in der selben Flüchtlingsunterkunft gewohnt habe. "In der Vergangenheit kam es mehrfach zu strafrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Männern."

Auch der Ablauf, wie er in der ursprünglichen Meldung geschildert wurde, sei nicht mehr haltbar. "Wir führen mittlerweile beide Männer als Beschuldigte und gehen von einer wechselseitigen Körperverletzung aus", so der Sprecher.

Für eine Heldengeschichte taugt das nicht.

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