Remshalden-Hebsack Ausbildung zur Hotelfachfrau: „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“

Sylvia Polinski (links) mit ihrer Auszubildenden Pia Hieber (rechts) an der Rezeption des Hotels und Restaurants Lamm in Hebsack. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Remshalden-Hebsack. Bestellungen aufnehmen und Teller herumtragen, das soll ihr Job sein? Falsch gedacht, erklärt Pia Hieber, die im Restaurant und Hotel Lamm in Hebsack eine Ausbildung zur Hotelfachfrau macht. Dort hat Hieber die Tricks der Gastronomen kennengelernt. Chefin Sylvia Polinski wird die Auszubildende nach ihrer Prüfung im kommenden Sommer trotzdem nicht übernehmen. Warum das so ist, verrät sie vor Ort.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Beim Bedienen gehe es vor allem darum, die Gäste im Restaurant möglichst wenig zu stören, erklärt Pia Hieber. Deshalb notieren sich die Mitarbeiter dort nicht nur die Tischnummern und Gerichte, sondern auch, wer was bekommt. Damit Pia dabei schnell genug ist, schreibt sie die Essen der Sitzanordnung entsprechend auf. Beispielsweise notiert sie sich den Rostbraten links und die Schweinemedaillons rechts. Den Zettel hängt sie an einer Leiste in der Küche auf. Auch wenn ein Kollege die Essen an den Tisch bringt, weiß er genau, wo welcher Teller hingehört. Manch ein Gast sei davon ganz überrascht, erzählt die Auszubildende.

Am Vormittag beginnt die Arbeit für Pia Hieber mit dem Eindecken der Tische. Neben der richtigen Reihenfolge des Bestecks muss sie dabei auch einige andere Dinge beachten. Unter anderem die weißen Tischdecken müssen richtig ausgerichtet werden. „Es gibt einen Ober-, Mittel- und Unterbruch“, erklärt Pia Hieber. Gemeint sind damit die unterschiedlichen Falten, die beim Bügeln entstehen. Der Unterbruch muss zum Eingang in den Raum hin ausgerichtet werden, erklärt sie. Das Gleiche gilt auch für die Servietten. Während sie bei vielen Restaurants gerade vor dem Gast hindrapiert sind, stehen sie im Lamm in eine Richtung. Selbst das Logo der Gläser muss auf den Tischen in Richtung Messerspitze schauen. Nichts wird hier dem Zufall überlassen.

Die Kleiderregeln im Lamm sind streng

Entsprechend aussehen müssen nicht nur die Tische, sondern auch die Mitarbeiter. Freitags bis sonntags tragen Pia Hieber und die anderen Frauen im Lamm längere Dirndl und eine hellgrüne Schürze. Von Montag bis Donnerstag ein kürzeres, geblümtes. Außerdem gibt es eine Pflicht zur Feinstrumpfhose, auch im Sommer.

Neben der Kleiderordnung musste Pia Hieber am Anfang lernen, wie sie mehrere voll beladene Teller gleichzeitig trägt. Dabei müsse man auch auf seine eigene Gesundheit achtgeben, denn wer das eigene Handgelenk bei der Arbeit zu sehr abknicke, riskiere eine Sehnenscheidenentzündung. Eine typische Verletzung unter Mitarbeitern im Service, erzählt Pia Hieber. Zur Ausbildung gehören auch das Empfangen der Gäste an der Rezeption, das Ausschenken von Getränken an der Theke sowie die Arbeiten in den Hotelzimmern. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, findet die junge Schorndorferin. Bei einem Schulpraktikum machte sie erste Erfahrungen in der Gastronomie. Nach ihrem Fachabitur entschied sie sich schließlich ganz dafür. Generell sei ein kurzes Praktikum sinnvoll, erklärt Sylvia Polinski. Dann wissen Schulabgänger, was auf sie zukommt.

Auf viele junge Menschen würden vor allem die Arbeitszeiten in der Gastronomie abschreckend wirken, erzählt Hieber aus ihrer Erfahrung als Ausbildungsbotschafterin. Zwar bedeute die Arbeit im Hotel und im Restaurant, auch am frühen Morgen oder Wochenende ranzumüssen, doch das habe auch Vorteile. „Dafür kann ich unter der Woche in Ruhe shoppen gehen“, meint sie. Selbst am Wochenende auf Partys zu gehen sei trotz Spätschicht möglich. „Die besten Partys beginnen ohnehin nicht vor 23 Uhr“, scherzt sie.

„Ich kann nicht einfach auf Bewerbungen warten“, erzählt Sylvia Polinski, die Chefin des Lamms. Sie gehe beispielsweise auf Messen aktiv auf junge Menschen zu, um sie zu werben. Um überhaupt Nachwuchs zu finden, helfe ihr aber auch der Ruf des Lamms in der Region, meint sie. In den vergangenen 25 Jahren hätte der Familienbetrieb eine Vielzahl an jungen Menschen ausgebildet. Derzeit lernen bei ihr fünf Hotelfachleute. Für den theoretischen Teil ihrer Ausbildung müssen sie nach Bad Überkingen bei Geislingen fahren, wo sie ein Internat besuchen.

Um die Ausbildung bei ihr im Haus attraktiv zu machen, setzt Polinski Anreize. Täglich gebe es ein gemeinsames Mittagessen. Wer außerdem von zu Hause ausziehen wolle, der könne für wenig Geld ein Mitarbeiterzimmer im Lamm bekommen. Übernehmen will Polinski aber keinen ihrer Azubis, denn die Regel in der Gastronomie laute, dass die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst mal Erfahrung in verschiedenen Betrieben sammeln sollen. Ein Drittel gehe sogar ins Ausland, sagt sie.

Pia Hieber überlegt, nach der Ausbildung in ein Skigebiet zu gehen, um dann in ihrer Freizeit eine Runde mit dem Snowboard drehen zu können.

Viele Betriebe in der Region klagen über Fachkräftemangel. Unternehmen berichten, dass sie nur schwer geeigneten Nachwuchs finden. Besonders im Lebensmittelhandwerk und der Gastronomie gibt es dabei Schwierigkeiten. Wir stellen Auszubildende vor, die Berufe ausüben, die sonst kaum einer machen will.


Hotelfachmann/-frau

Ausbildungszeit: 3 Jahre

Ausbildungsvergütung nach Tarifvertrag:
1. Jahr: 650 Euro
2. Jahr: 740 Euro
3. Jahr: 840 Euro

Gehalt im ersten Jahr nach der Ausbildung: 2 113 Euro (nach Tarifvertrag)

  • Bewertung
    9
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!