Remshalden/Kernen Das Remstalwerk rüstet sich für Notfälle

Gabriele Laxander, Geschäftsführerin des Remstalwerks (rechts), und Mitarbeiter Willi Krieger am Telefon: Bisher war der Energieversorger und Netzbetreiber nur zu den üblichen Geschäftszeiten tagsüber erreichbar. Jetzt gibt es eine 24-Stunden-Notfall-Nummer. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Remshalden/Kernen. Im vergangenen Jahr sorgten mehrere Stromausfälle in Kernen dafür, dass viel Kritik auf das Remstalwerk einprasselte. In Zukunft soll nun alles besser werden. Anrufe von Betroffenen sollen durch eine 24-Stunden-Notfall-Nummer nicht mehr ins Leere laufen. Zudem soll neue Technik im Stromnetz die Fehlersuche vereinfachen und damit die Behebung von Ausfällen beschleunigen.

Sieben Stunden lang hatten bei einem großflächigen Stromausfall manche Haushalte in Kernen im November 2018 keinen Strom. Ursache war ein Schaden in einer Leitung, den die Techniker erst mühsam ausfindig machen mussten, um dann Stück für Stück die verschiedenen Netzabschnitte wieder unter Strom zu setzen.

Das Remstalwerk reagiert auf die Kritik

Währenddessen riefen viele Betroffene beim Remstalwerk an und wollten wissen, was los ist, doch ihre Anrufe liefen zum großen Teil ins Leere. Denn: Der Stromausfall passierte am späteren Abend, nach Dienstschluss in der Geschäftsstelle in Remshalden. Und die Techniker des Bereitschaftsdienstes waren eben damit beschäftigt, den Stromausfall zu beheben. „Dann gehen die nicht mehr ans Telefon“, sagt Gabriele Laxander, die Geschäftsführerin des Remstalwerks. Die Behebung des Schadens habe Priorität vor der Information, das sei klar.

Doch das Remstalwerk reagiert jetzt auf die Kritik an der mangelhaften Informationspolitik: Ab kommendem Montag, 1. April, ist unter einer neuen Notfallnummer an jedem Tag rund um die Uhr jemand erreichbar. Die Anrufer kommen dann in einer Leitstelle der Stadtwerke Baden-Baden raus, mit denen das Remstalwerk dafür eine Kooperation eingegangen ist.

Störungen werden auch ohne Anrufe der Betroffenen registriert

Bei kleineren Stadtwerken oder Netzbetreibern wie dem Remstalwerk sei das eigentlich kein Standard, betont Gabriele Laxander. Das heißt, auch bei anderen Unternehmen wie etwa den Stadtwerken Schorndorf ist die Situation so, dass außerhalb der Geschäftszeiten niemand mehr ans Telefon geht, sobald die Bereitschaftsdienst-Mitarbeiter draußen sind, um sich um eine Störung zu kümmern.

Man könne sich tatsächlich auch fragen, ob eine 24-Stunden-Erreichbarkeit wirklich nötig sei, sagt Stefan Altenberger, Kernener Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender des Remstalwerks. Eine Störung bekämen die Techniker in der Schaltzentrale, in der das Netz überwacht werde, sofort mit, auch ohne Anrufe von Bürgern. Und die Mitarbeiter in der neu angeschlossenen Leitstelle in Baden-Baden könnten den Leuten in der Regel auch nicht mehr sagen, als dass an der Störung gearbeitet werde. Dennoch gehe man den Schritt, um auf die Kritik zu reagieren.

„Für die Leute ist durch die Information dann die Sicherheit da: Es kümmert sich jemand drum“, sagt Gabriele Laxander. Außerdem gibt es auch eine neue 24-Stunden-Rufnummer für Notfälle, die das Wasserleitungsnetz betreffen. Im Fall von Rohrbrüchen ist das Remstalwerk tatsächlich auf Meldungen von Bürgern angewiesen.

Wichtig ist Gabriele Laxander außerdem: In der Telefonzentrale der Stadtwerke Baden-Baden sitzen Fachleute, die wissen, wovon sie reden. „Das ist kein Call-Center irgendwo in Rumänien.“ Alle Anrufe werden dokumentiert und die Informationen ans Remstalwerk weitergeleitet.

„Das hat einfach zu lange gedauert“

Neben der besseren Erreichbarkeit will das Remstalwerk noch an einem eigentlich viel entscheidenderen Punkt nachbessern: Störungen sollen in Zukunft schneller behoben werden. Beginnend in diesem Jahr in Kernen, dann in den anderen drei Remstalwerk-Gesellschafter-Gemeinden Remshalden, Winterbach und Urbach, sollen sogenannte Kurzschlussanzeiger an Knotenpunkten im Stromnetz eingebaut werden. Diese registrieren Störungen und funken die Information an die Schaltzentrale. Wenn dann die Techniker rausfahren, um auf Fehlersuche zu gehen, wissen sie viel genauer, wo sie suchen müssen. Bisher mussten sie dazu nämlich die verschiedenen Stationen im Netz abfahren und kontrollieren. „Das hat einfach zu lange gedauert“, sagt Stefan Altenberger.

Damit gehen weitere Investitionen ins Stromnetz einher, vor allem in Kernen, wo es 2017 und 2018 mehrere Ausfälle gab. Allein in Kernen nimmt das Remstalwerk in nächster Zeit 400 000 Euro in die Hand, um Leitungen auszutauschen, die in die Jahre gekommen sind. Insgesamt, betont Geschäftsführerin Gabriele Laxander, habe man innerhalb der zwei Jahre, in denen das Netz dem Remstalwerk gehört, mehr als drei Millionen Euro investiert, viel davon in Erneuerungen im bestehenden Netz.


Ist das Stromnetz in einem schlechten Zustand?

Ist das Stromnetz, das das Remstalwerk von der EnBW-Tochter Netze BW übernommen hat, in einem schlechten Zustand? Gabriele Laxander hatte das in einer Reaktion auf die Stromausfälle in Kernen im vergangenen Jahr so ausgesprochen.

Jetzt sagt Aufsichtsratschef Stefan Altenberger: „Wir wollen uns dazu nicht mehr äußern.“ Von einem maroden Netz wolle man nicht mehr sprechen. Er vergleicht es stattdessen mit einem Gebrauchtwagen. Bei dem könne man auch nicht vorab jede Schwachstelle absehen. Vielleicht laufe alles viele Jahre rund, vielleicht gebe aber auch ein Teil schnell den Geist auf. Aufs Netz bezogen heiße das: „Keiner weiß, was in der Erde ist.“

Das Netz des Remstalwerks sei „nicht besser oder schlechter als woanders“, sagt jetzt auch Gabriele Laxander. Dass es Ausfälle gebe, sei ganz normal, betont sie. Der Austausch von älteren Leitungen sei keine Gewähr für Ausfallsicherheit, auch neuere Leitungen könnten Fehlerquellen haben. Normalerweise tausche ein Netzbetreiber Kabel nicht einfach aus, weil ihre Halbwertszeit überschritten sei. „Es heißt nicht, dass ein altes Kabel schlecht ist“, sagt Gabriele Laxander.


Info: Die Notfallnummern für Strom und Wasser

Ab Montag, 1. April, gelten für das Strom- und das Wassernetz im Gebiet des Remstalwerks, also in Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach, neue Notfallnummern. Sie sind an sieben Tagen die Woche 24 Stunden erreichbar.

Notfallnummer Stromnetz und Straßenbeleuchtung: ) 08 00/1 13 50 00. Diese Nummer ist für Stromausfälle oder einen großflächigen Ausfall der Straßenbeleuchtung gedacht. Wer nur eine ausgefallene Straßenlampe melden will, kann zu den Öffnungszeiten des Remstalwerks auch unter 08 00/1 13 50 00 anrufen.

Notfallnummer Wasserwerk: ) 08 00/7 23 39 90. Diese Nummer ist zum Beispiel für den Fall eines Wasserrohrbruchs gedacht.

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