Remshalden Ursache für Großbrand in Gärtnereibetrieb noch unklar

Remshaldener Feuerwehrleute im inneren der Gewächshäuser: Kommandant Tobias Greiner spricht von einer „Materialschlacht“. Durch Scherben wurden mehrere Schläuche beschädigt. Foto: Benjamin Beytekin

Remshalden. In den Gewächshäusern der Gärtnerei Gropper in Geradstetten hat es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gebrannt. Menschen und Tiere kamen dabei nicht zu Schaden. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf rund 50 000 Euro. Die Kriminalpolizei ermittelt, konnte aber am Mittwoch noch nicht sagen, ob es sich um Brandstiftung handelt – ein Verdacht, den Gärtnerei-Inhaber Martin Gropper offen äußert.

Am Morgen nach der Brandnacht ist von außen kaum zu erkennen, dass hier in der Nacht ein Feuer gewütet hat. Sie Sonne scheint auf die Gewächshäuser der Gärtnerei Gropper. Den leichten Brandgeruch in der Luft nimmt man nur wahr, wenn man darauf achtet. Die Gärtnerei hat trotz des Brands geöffnet. Der vordere Teil der Gewächshäuser in der Straße Am Kelterwiesenbach zum Parkplatz hin ist ganz normal für die Kundschaft zugänglich. In der Ecke zwitschern in einem großen Käfig einige bunte Vögel, im Käfig daneben sitzen friedlich einige Kaninchen.

Inhaber Martin Gropper läuft indessen ruhelos herum, er hängt am Telefon, eine Medienanfrage wegen des Brandes. Er sei total fertig, meint er, als er auflegt, und kann nicht einmal genau sagen, mit wem er eben telefoniert hat. Dann führt der Gärtnerei-Besitzer in die Gewächshäuser und nach hinten, dort wo es gebrannt hat. Beamte der Kriminalpolizei sind gerade dabei, den Brandort zu untersuchen. Etwa ein Viertel der insgesamt rund 2500 Quadratmeter umfassenden Gewächshäuser sind direkt vom Feuer betroffen. Löschschaum bedeckt am Morgen einen großen Teil des Bodens und verbrannte Materialien. Die Polizisten tragen Helme, immer wieder fallen scheppernd große Glasscherben vom Dach.

Schaumteppich erschwert die Ermittlungen zur Brandursache

Die Remshaldener Feuerwehr wurde in der Nacht kurz vor vier Uhr alarmiert. Bewohner des an den Gärtnereibetrieb angrenzenden Wohnhauses hatten den Notruf gewählt. „Als wir eingetroffen sind, sind schon Flammen aus dem Dach der Gewächshäuser geschlagen“, sagt Tobias Greiner, Kommandant der Remshaldener Feuerwehr. Als erste Maßnahme evakuierte die Feuerwehr im angrenzenden Haus verbliebene Personen, die alle unbeschadet in Sicherheit gebracht werden konnten.

Mit einer sogenannten „Riegelstellung“ habe man dann dafür gesorgt, dass das Feuer nicht auf das Wohnhaus übergegriffen habe, sagt Tobias Greiner. Das heißt, mehrere Strahlrohre wurden so auf die Flammen gerichtet, dass sie nicht weiter in diese Richtung vordringen konnten. Von der Südseite her griff die Feuerwehr dann mit weiteren Rohren an. Insgesamt waren neun Fahrzeuge und 78 Einsatzkräfte am Brandort, darunter die Drehleiter aus Schorndorf.

Nach 25 Minuten unter Kontrolle

„Nach etwa 25 Minuten war das Feuer unter Kontrolle“, sagt Kommandant Tobias Greiner. Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde sei es gelöscht gewesen. Man habe dann einen Schaumteppich über den Brandort gelegt, um alles von der Umgebungsluft abzuschirmen und noch glimmenden Stellen zu ersticken.

Dieser sich nur langsam auflösende Schaumteppich ist es auch unter anderem, der es der Polizei am nächsten Tag unmöglich macht, eine mögliche Brandursache ausfindig zu machen. „Die Spurensicherung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier am Nachmittag gegenüber unserer Zeitung. Durch den Löschschaum würden sich die kriminaltechnischen Arbeiten verzögern. „Es ist angedacht, dass im Lauf der Woche ein Brandgutachter des Landeskriminalamts hinzugezogen wird“, so Biehlmaier. Zur Brandursache könne man einstweilen gar nicht sagen.

Gärtnerei-Inhaber Martin Gropper äußert selbst allerdings den Verdacht, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte. Bevor die Polizei konkrete Ermittlungsansätze hat, sind das allerdings Spekulationen, die hier in den Bereich unzulässiger Verdachtsberichterstattung führen würden. Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier betont: Von einer möglichen Brandstiftung könne er nicht sprechen, das wäre reine Mutmaßung und „nicht sachgemäß“. Man dürfe von der Polizei auch keine schnellen Ergebnisse in den nächsten Tagen erwarten, erfahrungsgemäß könnte es bis zu einem Ergebnis Wochen dauern: „Brandermittlungen sind sehr schwierig.“

Die Feuerwehr war bis 7.45 Uhr am Brandort im Einsatz

Für die Feuerwehr war es ebenfalls ein aufwendiger Einsatz. Kommandant Tobias Greiner spricht von einer „Materialschlacht“. Es seien einige Schläuche „zu Bruch“ gegangen, weil sie durch die Glasscherben gezogen worden seien. „Ich hoffe, dass man alle wieder flicken kann“, sagt Greiner. Die letzten Kräfte der Feuerwehr waren bis 7.45 Uhr am Brandort. Danach mussten sie Fahrzeuge und Ausrüstung wieder startklar für die möglichen nächsten Einsätze machen. Gegen 8.30 Uhr, so Tobias Greiner, seien alle wieder zuhause oder bei der Arbeit gewesen.

Außer der Feuerwehr war die Polizei mit mehreren Fahrzeugen sowie ein Rettungswagen und die Rufbereitschaft des örtlichen DRK mit acht Einsatzkräften vor Ort. Die Sanitäter hatten allerdings nichts zu tun. Niemand kam zu Schaden, auch nicht die Tiere wie Vögel oder Kaninchen, die Gropper neben Blumen und Pflanzen in seinem Betrieb hat.

Verkauf geht weiter

Gärtnereibesitzer Martin Gropper ist am Tag nach dem Brand mit seinen Kräften ziemlich am Ende. Er wurde in der Nacht ähnlich schnell wie die Feuerwehr informiert und fuhr gleich zum Brandort.

Gropper hat in Rudersberg-Schlechtbach das Blumenhaus Gropper aufgebaut. Nach der Trennung von seiner Frau wurde er auf der Suche nach einem neuen Standort für seinen eigenen Betrieb in Geradstetten fündig und pachtete 2009 die Gewächshäuser in der Straße Am Kelterwiesenbach direkt an der B 29. Der Verkauf geht dort trotz des Brandschadens weiter.


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27. Mai 2012: Wohnmobil brennt in Gewächshaus / 29. Mai 2012: Gewächshausbrand war Absicht 

25. Mai 2016: Feuer in Rudersberger Gewächshaus 

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