Remshalden Vermieter würgt Mieter: Zehn Monate Haft

Die brandgeschädigten Gewächshäuser der Gärtnerei Gropper mit dem links im Bild direkt angrenzenden Wohnhaus, vor dem der Eigentümer von Haus und Gewächshäusern seinen damaligen Mieter gewürgt hat. Foto: Schneider / ZVW

Remshalden/Schorndorf. Es ist ein weiteres Kapitel in einer Reihe von Vorstrafen: Weil er seinen Wohnungsmieter gewürgt hat, ist ein 58-Jähriger aus Remshalden am Amtsgericht Schorndorf zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Es handelt sich um den Verpächter der Gärtnerei Gropper – den Inhaber und Pächter Martin Gropper auch beschuldigt, für den Brand in den Gewächshäusern in diesem März verantwortlich zu sein.

Im Brandfall ermittelt die Polizei konkret gegen den Verpächter der Gewächshäuser der Gärtnerei Gropper. Das hat er selbst gegenüber unserer Zeitung bestätigt, er bestreitet allerdings eine Beteiligung an der Brandstiftung. Der Verdacht, den Gärtnerei-Inhaber Martin Gropper sofort nach dem Brand gegen seinen Verpächter erhoben hat, ist bisher unbewiesen (siehe auch „Brandstiftung in Gärtnerei Gropper“).

Tat bis zum Schluss bestritten

In einer anderen Sache hat ihn Richterin Doris Greiner am Schorndorfer Amtsgericht jetzt der Körperverletzung für schuldig befunden: Er hat seinen damaligen Mieter Georgios Lazarou im November 2017 gewürgt und dadurch verletzt. Auch diese Tat bestritt der Gärtnereiverpächter vor Gericht bis zum Schluss. Die Richterin hielt jedoch die Aussagen der Zeugen für glaubhaft. Das waren Georgios Lazarou selbst und Martin Gropper.

Verpächter muss Haft in den nächsten Tagen antreten

Außerdem sprechen gegen den Beschuldigten seine einschlägigen Vorstrafen. Dabei ging es um Freiheitsberaubung, Diebstahl, Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und mehrmals um Körperverletzung. Der 58-Jährige kam dabei immer mit Bewährungs- oder Geldstrafen davon, bis er zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde. Dieses Urteil wurde im Dezember 2017 nach einer Berufungsverhandlung rechtskräftig. Die Haft muss er nun in den nächsten Tagen antreten.

Die zehn Monate aus dem aktuellen Urteil kommen auf die andere Strafe obendrauf – wenn der Richterspruch rechtskräftig wird, denn der Verteidiger hat angekündigt, dass sein Mandant in Berufung gehen will.

„Weil wir Angst haben, ich und meine Familie“

Die jetzt verhandelte Sache hat sich an einem Abend im November 2017 zugetragen. Über den Ablauf gehen die Schilderungen auseinander. Der Version von Mieter Georgios Lazarou und Martin Gropper nach, der auch die Richterin Glauben schenkte, hat es in Lazarous Wohnung einen Stromausfall gegeben. Als er mit Martin Gropper als Zeugen seinen Vermieter auf das Problem ansprechen wollte und bei ihm klopfte, kam dieser aus der Tür, rief eine Beschimpfung, stürmte auf Lazarou los und packte ihn am Hals. Nur unter Einsatz von Pfefferspray, das er in der Tasche trug, konnte der 38-Jährige sich befreien.

Als ihn der Anwalt des Vermieters vor Gericht fragte, warum er denn das Pfefferspray dabeihatte, meinte Lazarou: „Weil wir Angst haben, ich und meine Familie.“ Der Vermieter habe mehrfach den Strom und die Heizung abgestellt oder Autos kaputt gemacht. Er habe ständig Angst gehabt, „dass er draußen auf mich wartet“. Inzwischen ist die Familie umgezogen. Das Ganze habe angefangen, als Lazarou entgegen einem vom Vermieter ausgesprochenen Verbot, Kontakt zu Martin Gropper suchte. Wohnhaus und Gärtnerei liegen direkt nebeneinander.

„Die Verletzungsmale hat wohl mein Mandant verursacht“

Der Beschuldigte schilderte vor Gericht die Situation am Tatabend anders: Er habe an seinem vor dem Haus geparkten Geschäftsfahrzeug den Schein einer Taschenlampe gesehen. Weil erst zwei Wochen zuvor einer der Reifen am Auto zerstochen worden sei, sei er nach draußen und habe gerufen: „Was machst du Schlawack an meinem Auto?“ Er sei auf die Personen im Dunkeln zugegangen, habe die Stimmen von Gropper und Lazarou erkannt, da habe er plötzlich einen Strahl Pfefferspray abbekommen. Er habe Lazarou nicht angegangen, wiederholt er noch einmal in seinen abschließenden Worten vor dem Urteil.

Da hatte sein Anwalt aber bereits zugestanden: „Die Verletzungsmale hat wohl mein Mandant verursacht.“ Lazarou trug Blutergüsse am Hals davon und hatte einige Tage Schluckbeschwerden. Davon gibt es Beweisfotos und den Untersuchungsbericht eines Klinikarztes vom selben Abend.

Verteidiger zweifelt an Darstellung von Groppper und Lazarou

Der Verteidiger zog dennoch die Darstellung von Martin Gropper und Georgios Lazarou in Zweifel: Warum solle sein Mandant ohne erkennbaren Grund „wie ein wilder Stier“ auf Lazarou losgegangen sein? Das Ganze entspringe einer „ungünstigen Dynamik“, die in der „Feindschaft“ mit Martin Gropper begründet liege, der ein Interesse habe, seinem Mandanten etwas anzuhängen. Da falle es schwer, die Wahrheit zu erkennen.

„Ich denke, dass es einen Auslöser gab“, so der Anwalt. Zum Beispiel den, dass Lazarou um das Auto seines Vermieters „rumgeschlichen“ sei. Dann sei es möglicherweise zu einem Gerangel gekommen, bei dem die Verletzungen entstanden sein könnten. Sein Mandant sei „kein Unschuldslamm“, aber Gropper schaffe es immer wieder, „die Sachlage zu seinen Gunsten zu drehen“.

„Die Sozialprognose ist nicht gut“

Richterin Doris Greiner hingegen sah keinen „Belastungseifer“ oder „Dramatisierungen“ bei den Zeugen Gropper und Lazarou. Sie fand es aufgrund der Vorgeschichte auch „nachvollziehbar“, dass Lazarou Gropper als Beistand mitbrachte und Pfefferspray in der Tasche hatte, das er dann zur Selbstverteidigung einsetzte. In dem Fall von Körperverletzung, für den der Beschuldigte bereits zu 16 Monaten Haft verurteilt wurde, habe er auf ähnliche Weise „ohne viel Federlesens“ die Sicherheitsleute von Martin Gropper mit einer Eisenstange attackiert, erinnerte die Richterin. Und bisherige Vorstrafen hätten zu keinerlei Läuterung geführt. „Die Sozialprognose ist nicht gut.“ Deswegen sei eine erneute Bewährungsstrafe nicht denkbar.


Brandstiftung in Gärtnerei Gropper

Der Fall von Körperverletzung, um den es jetzt am Schorndorfer Amtsgericht ging, hat mit dem Brand von Mitte März in den Gewächshäusern der Gärtnerei Gropper direkt nichts zu tun. Doch in der Gerichtsverhandlung war der Streit zwischen Gropper und seinem Verpächter ebenso breit Thema wie der eigentliche Fall. Gropper klagt über jahrelange Schikanen, die bis zu Tätlichkeiten gegen ihn und seine Lebensgefährtin eskalierten. Und er verdächtigt den Verpächter offen, das Feuer gelegt zu haben, das Mitte März frühmorgens einen Teil der Gewächshäuser der Gärtnerei zerstörte.

Der Verdacht der Brandstiftung hat sich schnell bestätigt. Der Vorwurf gegen den Verpächter bleibt bislang unbewiesen, allerdings ermittelt mittlerweile die Polizei konkret gegen ihn. Der 58-Jährige bestreitet die Tat.

Die Sache hat viel Aufsehen erregt und war unter anderem ausführlich Thema in einem Beitrag in der TV-Sendung RTL Explosiv.

Georgios Lazarou hat zum Brandzeitpunkt noch als Mieter im an die Gärtnerei angrenzenden Wohnhaus gewohnt. Er schildert gegenüber unserer Zeitung, wie er um 3.45 Uhr das Klirren von Glas gehört habe. Wahrscheinlich die Scheibe, durch die der Brandstifter in die Gewächshäuser eingedrungen sei, vermutet er. Weil er aber nichts gesehen habe, habe er sich zunächst wieder hingelegt, bis er den Feuerschein wahrgenommen habe.

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