Remshalden Video: Pilot sein für 15 Minuten

Remshalden. In einem echten Flugzeug-Cockpit sitzen, das konnten 20 Leser bei unserer ersten Sommertour am Donnerstag. Unter Anleitung zweier ausgebildeter Piloten simulierten sie einen Linienflug von Frankfurt nach Stuttgart.

„Bist du bereit?“, fragt Pilot David Widdecke. „Ja klar“, antwortet Johannes. „Dann schieb das Gas mal nach ganz vorne“. Ein Raunen geht durch das Publikum, als der Zehnjährige den Flugsimulator schließlich zum Abheben bringt. „Wow“ und „stark“ tönt es zeitgleich aus der Lesergruppe.

Abgehoben hat Johannes mit einem Steuerknüppel, „Sidestick“ genannt, der fast so aussieht wie ein PC-Joystick zum Daddeln. „Das ist typisch für den Airbus A320“, erklärt der 25-jährige Pilot. Das Schmalrumpfflugzeug ist eine klassische Maschine für Kurz- und Mittelstreckenflüge. Und auch wenn der Flug letztlich nur simuliert ist, so sind das Cockpit und Fluggefühl zweifelsohne echt.

Der Flug ist simuliert – aber die Cockpits sind aus echten Flugzeugen

Damit ist das Remshaldener Flightodrom in der Region - die Veranstalter behaupten: sogar weltweit - ziemlich einzigartig. Das Cockpit stammt von einem ausgemusterten Linienflugzeug der Air France. 77 Tonnen schwer war einst die gesamte Maschine, die sich mit bis zu 904 km/h durch die Lüfte bewegte. 170 Passagiere fanden darin Platz. Heute sind es allerdings nur noch drei. Der Platz im Cockpit ist begrenzt. Das Interesse umso größer.

Zumal bei Johannes, der aus Winnenden-Hertmannsweiler stammt und trotz seiner jungen Jahre schon lange eine Leidenschaft für Flugzeuge pflegt. Und der zu Hause so viele Flugzeugmodelle gesammelt hat, dass er sie gar nicht mehr zählen kann. Unbedingt habe er daher bei der Sommertour teilnehmen wollen – und am Ende auch eine gute Portion Glück gehabt. Fast 200 Leser hatten sich um einen Platz beworben.

Entsprechend froh war er dann auch darüber, gleich als erster in das Airbus-Cockpit steigen zu dürfen. Verblüffend realistisch ist der Blick aus dem Flugzeug, der doch nur von einer Wand projiziert wird. Nicht nur unterschiedliche Strecken und Landschaften, auch schwierige Wetterlagen und Turbulenzen lassen sich auf der Leinwand simulieren.

15 Minuten geht dann der Flug für Johannes. „Schwierig war’s nicht“, findet er, der später einmal selbst Pilot werden möchte. Überforderung in Anbetracht der vielen dutzend, durchgehend auf Englisch beschrifteten Knöpfe? Keineswegs.

Vielleicht ja, weil der Airbus über einen Computer co-gesteuert wird. Der rechnet die Befehle aus dem Sidestick um, berechnet die Gegenkräfte und fragt: „Ist das überhaupt zulässig, was der Pilot da grade macht?“ – und gleicht dann gegebenenfalls aus. „Das ist eine Spezialität des Airbus“, erklärt Pilot Widdecke.

Die Boeing 747 - auch bekannt als Jumbojet - wird dagegen ganz anders, nahezu altertümlich gesteuert: mechanisch mit einem Seilzug. „Man kann noch richtig spüren, wie er die Kräfte überträgt“, sagt Pilot Patrick Seifert, der die Boeing daher „ein richtig klassisches Flugzeug“ nennt. Das Cockpit ist wesentlich geräumiger als bei dem Airbus, hat aber auch noch eine ganze Reihe zusätzlicher Knöpfe.

Kein Wunder, ist doch die Boeing vor allem ein Flugzeug für Langstreckenflüge. Zuvor im Einsatz war das Modell für die Fluggesellschaft Cathay Pacific mit Sitz in Hongkong. Auf stolze 410 Tonnen brachte es die Maschine, die einst bis zu 524 Passiere bei einer Höchstgeschwindigkeit von 982 km/h transportierte.

Am Steuer sitzt gerade Winfried Behr, der aufmerksam den Anweisungen und Erläuterungen des 21-jährigen Piloten lauscht. Geduldig spricht Seifert über die komplizierte Elektronik.

Ganz neu ist das Fliegen für Winfried Behr nicht. Der 77-Jährige aus Waiblingen-Hohenacker hat in jungen Jahren einst selbst eine vorfliegerische Ausbildung absolviert. Im Cockpit eines Jumbojets zu sitzen, das war allerdings „eine ganz neue Erfahrung“. Eine die ihm zweifelsohne „sehr gut gefallen hat“.

Nicht ganz so einfach war das Fliegen im Simulator hingegen für Lukas. „Manchmal habe ich das Flugzeug ein wenig übersteuert“, erklärt er fachmännisch. Der Achtjährige lebt eigentlich in Charleston, USA. Der Besuch im Flightodrom war für ihn so etwas wie der Abschluss der großen Ferien, die er bei seiner deutschen Großmutter in Waiblingen verbrachte. Und die das so gelungen fand, dass sie ihm direkt im Anschluss versprach, den nächsten Ferienbesuch wieder genau so enden zu lassen.

Paals Traum

Das Zentrum für Flugsimulation ist ein Kleinjungen-Traum, den der CDU-und IHK-Mann Claus Paal 2013 hat Wirklichkeit werden lassen. Noch heute, sagen seine Mitarbeiter, soll er mindestens einmal pro Woche selbst an einem der beiden Simulatoren sitzen – meist am frühen Sonntagmorgen.

Gegen Bares kann an dem Traum nun jeder teilhaben: Flugstunden mit einem Piloten gibt es ab 169 Euro.

Kontakt und Buchung unter 0 71 51/2 06 39 02 oder per E-Mail an info@flightodrom.de

Weitere Infos auf der Homepage: www.flightodrom.de

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