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Remshalden Wein- und Backhausnacht

Remshalden. Die Hände der Frauen und Männer, die Teige auswellen und Bleche belegen, kommen nicht zur Ruhe. Vielfältige Gebäck-Leckereien in die Glut einschieben und rausholen – so ging es den ganzen Mittwochabend über bei der zweiten Wein- und Backhausnacht. „Wir sind voll im Stress, aber positiv “, sagt Jürgen Bauer, Vorsitzender des CVJM am Backhaus in Geradstetten.

Die „positiv gestressten“ Helfer in den sieben Backhäusle holen sich bei Hochbetrieb am heißen Ofen eine glänzende Stirn und geben rotbackig alles. Den Besuchern schmilzt an dem windstillen Sommerabend das Schmalz vom backhäuslegebackenen Bauernbrot. Sie „entstressen“ bei Festlesflair in den Gassen, arrangieren sich zumeist gut gelaunt mit Sitzplatzknappheit, treffen sich fürs Schwätzchen, genießen satte Gemütlichkeit mit gutem Wein von örtlichen Weingütern. Der Veranstalter, der Handels- und Gewerbeverein, möchte mit dem ortsteilverbindenden Fest den alten Treffpunkt für Klatsch und Tratsch aktivieren – und es gelingt zum zweiten Mal.

Frisch aus dem Ofen, ohne Mikrowelle

Weingüter schenken gute Tropfen aus. Die festleserprobten Vereine bereiten das begehrte Angebot, das ihnen aus der Hand gerissen wird, mit selbiger zu. Zelebrieren massenangebotsferne Frische und Ursprünglichkeit. „Wir haben weder Mikrowelle noch E-Herd“, deutet Rainer Knauer vom Musikverein Harmonie Geradstetten den Aufwand an für den kontinuierlichen Wunsch nach Salzkuchen und Buchteln. Wie „Tablett-Taxis“ transportieren Mitarbeiter den Nachschub von den Backhäusern zu den Warteschlangen.

Kein normales Straßenfest

Zehn oder zwanzig Minuten Wartezeit sind zur Stoßzeit einzukalkulieren. Da wendet sich mancher Gast unzufrieden ab, doch die meisten sehen es, wie es eben ist: Frisch und selbst gemacht geht halt nicht husch-husch. „Wir wollen gerade das Improvisierte und die Enge der Backhäusle und der Höfe. Sonst hab’ ich ein normales Straßenfest und nicht die urige Atmosphäre“, sagt Tobias Schädel, Initiator und Koordinator des Festes.

Öfen begeistern die Besucher

Rustikaler Mittelpunkt dieser Urigkeit sind die Öfen. „Viele sind begeistert, wenn sie sehen, wie’s richtige Feuer brennt“, erzählt Margarete Schmelzer vom CVJM. „Das Thema Backhaus gefällt, es ist was anderes als Supermarkt, wo gibt’s das noch“, sagt Alexander Pfaff. Das Ofenbefeuern mit dem Reisig aus Weinbergen und Wald, der Rhythmus von Neuschüren und Heizen, Einschießen und Backen geht auf die junge Generation über.

Temperatur hat man im Gefühl

„Ich bin erst diese Woche eingelernt worden“, sagt der 25-jährige Alexander, Saxofonspieler im Musikverein. „Die Erfahrenen heben die Hand rein und sagen, ob’s gut ist, das kann ich natürlich noch nicht.“ Die Temperatur im Backhäusle, wieder eine eigene Geschichte. Nur so viel: Laser-Temperaturmesser liegen nur rum. „Auf den kann man sich eh nicht verlassen, wir haben es im Gefühl und sehen, wann der Kuchen raus muss“, sagt Rainer Knauer.

Reiches Angebot

Mit den vielen Ideen könnten die Vereine ein Backbüchle füllen: Hefezopf mit Erdbeergsälz, Backsteinkäsekuchen, Dinnete mit Sauerrahmfüllung, Mandelhörnle, Brote mit Linsenaufstrich, Buocher Holzofen-Rote, schwäbische Bruschetta und der „Blooz“, eine Spezialität aus dem Hohenlohischen, ordentlich belegt mit Grieben, Lauch, Rauchfleisch und Zwiebeln. Das Rezept für den Teig hat sie vom Vater übernommen, erzählt Annegret Guglhör von der Backhausgruppe Buoch, die traditionell Kopftuch und Kittelschürze trägt.

Reger Besuch vor dem Backhaus

Vor dem Backhaus herrscht ein Kommen und Gehen. Die Shuttlebusse bringen neue Gäste, die „ortsteilverbindende“ Wanderbewegung setzt ein. Familie Mack aus Geradstetten macht sich mit drei Kindern und einem Glas Wein auf den Weg nach Rohrbronn. „In der Abendsonne auf der Höhe spazieren, herrlich“, sagt Uli Mack. Tochter Luisa hat beim Ferienprogramm schon ein Backhaus von innen gesehen und beißt zur Stärkung noch mal begeistert in den „Blooz“: „Extrem lecker“.

Rund 5000 Besucher kamen

„Letztes Jahr wurden wir überrannt“, sagt Rainer Knauer vom Musikverein Geradstetten. Dieses Mal wurde vorsorglich mehr eingekauft, früher mit dem Backen begonnen und die Zahl der Helfer erhöht. Trotzdem musste Teig nachgemacht und der nächste Supermarkt angefahren werden. „Obwohl wir die doppelte Menge hatten, haben wir kurz vor halb acht noch mal Nachschub gekauft“, sagt Jürgen Bauer vom CVJM. Bis in die späten Abendstunden wurde geschlemmt.

Die Veranstalter vom HGV zählten um die 5000 Besucher. Mit dem Kauf des Eintrittsbändels erwarb jeder ein Weinglas dazu. Der HGV deckt mit dem Festeintritt die Kosten für Shuttlebus und die gesamte Organisation des Festes.

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