Remshalden Wieder Ärger um die Weihnachtsbäume

Weihnachtsbaum vor dem Remshaldener Rathaus. Etwas kümmerlich, finden manche. Seit die Gemeinde keinen Baum mehr dort hinstellt, sorgt die Bürgerliche Wählervereinigung dafür. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Remshalden.
Die Remshaldener und ihre Weihnachtsbäume – vor zwei Jahren waren sie Ortsgespräch, weil sie teils ziemlich lieblos mit eher halblebigen Lichterketten geschmückt waren. Seitdem hat sich einiges getan. Doch auch jetzt motzen wieder einige. Nachdem vor zwei Jahren besonders den Baum an der evangelischen Kirche in Grunbach der Spott traf, ist es nun der Baum vor dem Rathaus in Geradstetten.

„Hättet’r net en g’scheita Baum herbringa kenna?“ Auch Uli Hasert hat die Kritik vernommen. Der BWV-Gemeinderat aus Hebsack ist der, der den Rathaus-Baum besorgt hat. „Ja“, räumt er ein. „Er ist nicht besonders groß – immerhin sechs Meter – auch nicht besonders prachtvoll. Aber so schlecht ist er nicht. Und es ist ein in Remshalden gewachsener Baum.“

Einige sprechen von Armutszeugnis

Die Bürgerliche Wählervereinigung (BWV) hat bereits im vergangenen Jahr einen Baum für den Marktplatz beim Rathaus besorgt. Zuvor hatte der Gemeinderat nach emotionaler Diskussion auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen, dass die Gemeinde dort keinen mehr aufstellt. Auch andere Standorte wurden gestrichen. Als Begründung gab die Verwaltung an, dass es immer schwerer sei, an geeignete Nadelgewächse zu kommen, die nicht vierstellige Summen kosten. Eine Erfahrung, die tatsächlich viele Kommunen machen.

Es gibt jedoch nicht wenige in Remshalden, die es für ein Armutszeugnis halten, wenn die Gemeinde es nicht einmal hinbekommt, vor dem eigenen Rathaus einen stattlichen Baum aufzustellen. BWV-Gemeinderat Uli Hasert jedoch findet: „Man sollte nicht das Wohlergehen einer Kommune an der Größe des Weihnachtsbaumes messen.“ Er hält die Kürzungs-Entscheidung bei den Standorten für richtig. Nicht nur aus finanziellen Gründen. Auch ökologisch sei der Verzicht sinnvoll: „Wenn ich Weihnachtsbäume aus dem Schwarzwald hierher transportieren muss, dann ist das Quatsch.“ Der BWV-Baum, der jetzt auf dem Platz vor dem Rathaus steht, hatte keine weite Anreise: „Der stammt aus Hebsack“, sagt Uli Hasert. Sein Vater habe ihn einst im Garten gepflanzt. Und nach der Weihnachtszeit werde er in Remshalden weiterverwertet: als Stangenholz, zum Beispiel für den Bau von Jägerhochsitzen.

Für die verbliebenen Standorte hatte die Gemeinde auch in diesem Jahr die Bürger dazu aufgerufen, Bäume aus Gärten oder von Grundstücken zu melden, die sie spenden können. Der Bauhof kommt dann, fällt den Baum und transportiert ihn ab. Doch nicht immer sind die Bäume geeignet, so auch einige Angebote in diesem Jahr, wie Christina Clauß, Sachgebietsleiterin im Rathaus, sagt: „Die Bäume waren zum Teil zu groß, als dass sie der Bauhof hätte transportieren können, oder mit den vorhandenen Mitteln nicht zu erreichen. Und ein Kranwagen wäre zu teuer gewesen.“ Den Baum für den Kirchplatz in Grunbach musste die Gemeinde deswegen dieses Jahr einkaufen.

Buoch und Rohrbronn

Gestrichen wurde in der vorweihnachtlichen Sparrunde im vergangenen Jahr unter anderem auch der Baum in Buoch. Doch wie im Tal, fanden sich auch im Ortsteil auf der Höhe Bürger, die die Sache selbst in die Hand nahmen.

Zum zweiten Mal steht jetzt an der Ortsdurchfahrt ein Baum aus einem Buocher Garten, geschmückt mit einer selbst gekauften Lichterkette. Das Geld für die Beleuchtung kam bei einem kleinen Fest zusammen, das die Buocher zur Aufstellung des Baums veranstalteten. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen Umtrunk und ein gemeinsames Weihnachtsliedersingen mit dem Gesangverein.

Ganz ähnlich läuft es seit 2018 in Rohrbronn. Dort hätte nach den Plänen der Gemeinde nur noch ein Baum in einem an das Gemeindehaus angrenzenden Garten mit Lichterkette behängt werden sollen. Weil die Rohrbronner das für keine schöne Lösung hielten, wurde der Förderverein der Dorfgemeinschaft aktiv und besorgte selbst einen Baum. Kinder aus dem örtlichen Kindergarten bastelten dafür Schmuck, auch dieses Jahr haben sie diesen wieder eigenhändig drangehängt, dazu gab es wie in Buoch eine kleine Zusammenkunft mit Singen, Glühwein und Gutsle.

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