#RemsMurrSteine im Rems-Murr-Kreis Diese Facebook-Gruppe legt uns Steine in den Weg

Waiblingen/Rudersberg. Man findet sie am Wegesrand, neben der Parkbank, manchmal sogar im Süßigkeiten-Regal: Mysteriöse bunt bemalte Steine. Und es werden mehr. 

Der Stein, der die Sache ins Rollen brachte, ruhte am Strand. In Eckenförde. Die siebenjährige Mia aus Waiblingen entdeckte ihn im Urlaub an der Ostsee. Er war wunderschön bemalt und trug sogar eine geheimnisvollen Botschaft auf der Rückseite: „Eckstones & Umgebung“. Mias Vater, Kai-Uwe Müller, wurde erst neugierig und dann schnell über Google fündig: „Eckstones & Umgebung“ ist eine Gruppe auf Facebook. Deren Mitglieder bemalen Steine, fotografieren diese, posten die Bilder und legen die Steine dann anschließend in der Gegend aus. Damit andere sie finden, fotografieren, den Fundort posten und wieder neu auslegen. Damit andere sie finden und so weiter.

Kai-Uwe Müller war begeistert. Genau wie seine Tochter. Schatzsuche, Schnitzeljagd, ein Spaß wie zu Ostern, nur ohne lästiges Eierausblasen. Zurück in Waiblingen suchte er nach einer ähnlichen Facebook-Gruppe in der Nähe, fand keine und entschied sich, selber eine zu gründen. Die „RemsMurrSteine“ waren geboren.

Ein Trend schwappt über den Großen Teich

Der Trend dazu kommt, wie so oft, aus den USA. Dort füllen die „painted rocks“ in schier endloser Vielfalt schon seit zwei Jahren die sozialen Netzwerken. Zu uns ins Remstal schwappte die Welle aus Norddeutschland, wo sie zuvor aus Skandinavien aufgeschlagen war. Ob „Eckstones“ oder „Elbstones“, in den norddeutschen Gefilden sind die aktiven Gruppen mittlerweile fast so zahlreich wie die dort ausgelegten bunten Steine.

Auch der 42-jährige Max Danielsen aus Rudersberg-Mannenberg wurde zunächst über Steinesammler aus Hamburg darauf aufmerksam. Seine Frau stammt gebürtig aus der Hansestadt, eine Freundin gab ihr den Tipp, dass die moderne Felsmalerei bestimmt was für den kreativen Familienvater wäre. In der Gruppe „RemsMurrSteine“ zählt er auf jeden Fall zu den fleißigsten Malern. „So fünfzehn bis zwanzig Stück an einem verregneten Tag sind es schon“, sagt er.

Er malt gerne Figuren bekannt aus Funk und Fernsehen. Von Snoopy bis Simons Cat, von Pippi Langstrumpf bis Pumuckl. Jeder Stein ein Unikat. Seine Tochter Kathryna hilft mit ihren vier Jahren nur zu gerne mit, am liebsten, wenn sie dafür Mamas Nagellack benutzen darf. Vater Danielsen setzt dagegen eher auf Acrylstifte und zusätzlichen Lack, die leuchtenden Farben überstehen so auch das Herbstwetter.

Sobald die Familie unterwegs ist, kommen immer einige der Steine mit und werden ausgewildert. Ob in Waiblingen beim Zahnarzt, ob an der Sporthalle in Rudersberg, im Winnenden, wo seine Frau arbeitet – überall haben die Danielsens schon ihre bunten Grüße hinterlassen. Auch im Lidl legte Danielsen mal einen überdimensionalen Stein-M&M zu dessen kleineren Schoko-Kollegen ins Regal und stellte das Foto in der Gruppe online. Was aus dem Schokostein wurde, ist nicht bekannt. Gepostet wurde der Fund bislang nicht.

Finden, posten, neu verstecken

Kai-Uwe Müller bemalt zusammen mit Tochter Mia ebenfalls fleißig Steine und setzt sie an gut frequentierten Stellen aus. Immer passend für die angestrebte Findergruppe. Das rosarote Einhorn-Pony, eine Auftragsarbeit für Mia, wurde am Spielplatz ausgelegt. Der Stein mit dem leuchtenden Superman-Logo am Bürgerzentrum. Auf jedem Stein findet sich auch die Aufforderung „Posten, freuen, wiederverstecken“. Manche halten sich daran, suchen die öffentliche Gruppe auf Facebook, werden sogar Mitglied und zeigen stolz ihre Funde. Andere nicht.

„Klar hat nicht jeder einen Facebook-Account oder will sich auch nicht extra deswegen anmelden“ sagt Kai-Uwe Müller. Der 42-Jährige zeigt auch Verständnis, dass die Mehrzahl der über 70 Mitglieder der noch jungen Facebook-Gemeinschaft eher still mitliest und wenig bis gar nicht postet.

Es gehe vorrangig auch um den Spaß, am Malen, am Auslegen, am Finden. Allerdings macht es auch viel Spaß, wenn man mitbekomme, wenn die so liebevoll bemalten Schätze gefunden werden. Dass sie irgendwo einen neuen Platz bekommen und neue Finder auf das ungewöhnliche Hobby aufmerksam machen. Müller hat hier im Raum noch keinen einzigen Stein gefunden, Max Danielsen hat seinen ersten Fund erst vergangene Woche gemacht. Je mehr mit machen, desto mehr hätten alle davon.

Wer die Steine behalten will, dürfe das gerne tun, sagt Müller. Gerade Kinder möchten ihre Schätze ja nicht so einfach hergeben. Dann einfach neue Steine bemalen und auswildern, lautet sein Tipp. Das mache den Kindern mindestens genau so viel Spaß wie das Finden.

Inspirieren lassen und mitmachen

Wer einen Facebook-Account hat oder keine Scheu davor, sich einen anzulegen, kann sich mittlerweile bei drei Gruppen in der Region anmelden: RemsMurrSteine, #Kappel-Steine und Fellb Rocks.
Auf Instagram finden sich ganz viele Beispiele an schöner Steinkunst. Unter #paintedrocks ist die Urmutter der Steinmalerei zu finden. Auch die #elbstones und #eckstones aus dem Norden posten hier.

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