Remstal-Gartenschau 2019 Eine Million Euro mehr als geplant

Trotz kritischer Blicke: Bürgermeister Thorsten Englert, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Baurecht Manfred Beier, und OB Klopfer (von links) sind immer noch zuversichtlich, dass alle Projekte noch pünktlich bis zur Gartenschau nächstes Jahr fertig werden können. Foto: Benjamin Büttner

Schorndorf. Die geplante Kapelle auf dem Grafenberg wird nicht wie ursprünglich vorgesehen zur Gartenschau 2019 fertig. Außerdem rutscht das Projekt „Weiße Station“ um einige Höhenmeter nach unten und wird nur in abgespeckter Form gebaut. Weil auf dem Grafenberg schützenswerte Vogelarten leben, muss die Stadt Ausgleichsmaßnahmen schaffen.

„Es läuft nicht alles rund in Schorndorf“, gibt Oberbürgermeister Matthias Klopfer zu. Damit bezieht er sich nicht auf die Schlägerei in der Schlichtener Straße vergangenen Samstag (wir berichteten), sondern auf die vielen Gartenschau-Projekte, die vor dem Großereignis nächstes Jahr noch umgesetzt werden sollen. Und in der Tat gab es in letzter Zeit einige Schwierigkeiten: Das Projekt „Baurenwasen“ musste kurz vor Spatenstich vorerst gestoppt werden, weil Jochen Hahn, Besitzer der Hahn’schen Mühle, Klage einreichte. Die Umgestaltung der Feuerseestraße dauerte länger als geplant. Und jetzt steht es fest: Die geplante Kapelle auf der Aussichtsplattform auf dem Grafenberg wird nicht rechtzeitig zur Gartenschau fertig werden.

Kapelle soll ein Jahr nach der Gartenschau kommen

„Die Kapelle kommt, aber erst 2020“, verspricht OB Klopfer. „Das ist aber nicht weiter schlimm. Das Leben geht ja auch nach Ende der Gartenschau weiter.“ Grund für die Verzögerung ist die Lage des Projekts in einem europäischen Vogelschutzgebiet. Zwar wurden im Vorfeld Gutachten erstellt – die befanden aber, dass das Bauwerk den Lebensraum der Vögel nicht beeinträchtigt. Die Naturschützer sehen das anders. Mit ihren Erfassungen konnten sie beweisen, dass die schützenswerten Vogelarten am anvisierten Standort der Kapelle durch den Eingriff in die Natur unter Stress geraten würden.

„Ich bin der Meinung, dass es durch die Kapelle ruhiger werden würde“, sagt Klopfer dazu. Im Moment werde dort oft „gegrillt und gesoffen“. Außerdem fahren Menschen mit ihren SUVs durch den Lebensraum der Vögel. In Zukunft soll das Gelände abgegrenzt werden. „In Gegenwart einer Kapelle wissen Menschen sich durchaus zu benehmen“, meint Klopfer. Ob sich seine Vermutung bestätigt, wird sich dann wohl erst ab 2020 zeigen.

Stadt muss Ausgleichsmaßnahmen für bedrohte Arten schaffen

Wegen der großen Anzahl an schutzbedürftigen Vogelarten muss die Stadt vor dem Bau der Kapelle nun Ausgleichsmaßnahmen schaffen. Davon war bei Planungsbeginn niemand ausgegangen. Zurzeit ist die Stadt in Gesprächen mit den Landwirten, denen das Gelände, das für die Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen ist, gehört. Konkrete Beschlüsse gibt es noch nicht. „Wir wollen das nicht übers Knie brechen“, sagt Isabelle Kübler von der Stadt Schorndorf.

Obwohl die Verwaltung wegen des Schutzgebietes einige Maßnahmen zurückgenommen habe, werden trotzdem Maßnahmen für die Gartenschau getroffen. Die abgenutzte Aussichtsfläche soll wieder hergerichtet werden. Die vorhandenen Natursteinbänke werden unberührt bleiben, weil sich dort Eidechsen aufhalten. Stattdessen wird es, leicht nach hinten versetzt, eine klare Betonkante geben, wo die Aussichtsziele, die Besucher in den verschiedenen Richtungen dann sehen können, markiert sein werden. Geplant sind auch einige Betonelemente, die sich in die Natur einfügen und als feste Möblierung für zum Beispiel Gottesdienste im Freien dienen könnten.

Spielfläche für Kinder kommt nicht

Die ursprünglich gewünschte Spielfläche für Kinder wird allerdings nicht kommen. Was das Programm angeht, wird es nur eine sehr reduzierte Bespielung und vermutlich keine Bewirtung des Ortes geben. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die vor wenigen Monaten überraschend verkündete, sich an dem Projekt zu beteiligen, machte ihre Schirmherrschaft zuletzt davon abhängig, dass alle naturschutzrechtlichen Vorgaben erfüllt sind. Die Verwaltung zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Kirchen weiterhin am Projekt teilhaben werden.

Auch die „Weiße Station“, ein weiterer Gartenschau-Standort am Grafenberg, wird aufgrund der Lage im Schutzgebiet nur in einer abgespeckten Version zustandekommen. Sie wird einige Höhenmeter tiefer als geplant am Mittleren Weg gebaut werden. Die Aussicht ist dort nicht ganz so spektakulär, aber immer noch „wunderbar“, wie Klopfer beteuert. Ein Vorteil ist die Tatsache, dass Wege und Wendemöglichkeiten schon vorhanden sind, was das Bauvorhaben für die Stadt erheblich erleichtert. Außerdem müsse man die Besucher nicht an einen ihnen unbekannten Ort führen, sondern nutze in diesem Zuge das schon vertraute Gebiet in den Weinbergen, wo viele Leute sowieso spazieren gingen.

Baurenwasen: Rems-Umgestaltung startet trotz Klage nächste Woche

Bei der Baustelle „Baurenwasen“, wo seit der Klage von Jochen Hahn nur ein einsamer Bagger herumstand, geht es wieder voran. Hahn berief sich bei der Klage auf sein Wasserrecht, dass er an der Rems für seine Mühle hat und das über einen vom denkmalgeschützten Wehr wegführenden Mühlenkanal gewährleistet ist. Inzwischen hat das Landratsamt aber befunden, dass das öffentliche Interesse größer ist und der Stadt grünes Licht gegeben. Hahn hat zwar immer noch die Möglichkeit zu klagen, die Verwaltung plant aber definitiv, nächste Woche mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Das Problem an den vielen Bau-Verzögerungen ist nicht nur der enge Zeitplan, sondern vor allem auch die Herausforderung, die beauftragen Baufirmen bei Stange zu halten. Die Auftragslage der Firmen im Kreis ist, zu einem großen Teil auch durch die Remstal-Gartenschau bedingt, im Moment sehr günstig. Dadurch stehen keine Arbeiter auf Abruf zur Verfügung, wenn ein Projekt mal ins Stocken gerät. Außerdem besteht auch die Gefahr, dass auf die Ausschreibungen der künftigen Gartenschau-Projekte nur wenige Firmen reagieren, die eventuell hohe Preise fordern könnten.

Schon jetzt schätzt die Verwaltung – trotz teilweise reduzierter Bauvorhaben der Projekte – insgesamt Mehrkosten von ungefähr einer Millionen Euro. Allerdings sei dies teilweise auch dadurch bedingt, dass einige Kostenpunkte in der ursprünglichen Planung noch nicht einberechnet waren. Außerdem müsse man noch die weiteren Ausschreibungen abwarten.

Fest steht, dass die Verwaltung dieses Jahr noch einiges vor sich hat.


Wie sieht es mit den restlichen Projekten aus?

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass alle Gartenschau-Stationen kommen werden. Auch bei kritischen Fällen sei sie inzwischen auf einem guten Weg. Da die Zeit langsam knapp werde, sei man aber auf die Angebote von Unternehmern und einen milden Winter angewiesen. Im Moment sei eine zeitgemäße Umsetzung aber noch möglich.

Viele der geplanten Maßnahmen sind laut Verwaltung kurz vor der Ausschreibung oder Vergabe der Arbeiten. Es sei eine große Herausforderung gewesen, die Vielzahl von Projekten so zu bündeln, dass es nicht zu viele Baustellen zur gleichen Zeit in der Stadt gebe.

In den nächsten Wochen werden einige Projekte in Angriff genommen: Neben dem Baubeginn der Maßnahme Baurenwasen Anfang übernächster Woche, wird auch der Finanzamtshof beim Schlosspark ab Montag, den 2. Juli in Angriff genommen. Die Baumaßnahmen für eine bessere Zugänglichkeit des Feuersees werden in Kürze starten.

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