Remstal-Gartenschau 2019 So steht es um die Projekte in Urbach

Im Gewann "Lüsse" soll in Urbach der Turm für die Gartenschau gebaut werden. Bislang gibt es dafür allerdings noch keine Genehmigung. Foto: Gemeinde Urbach

Urbach. Kritik an Projekten für die Remstal-Gartenschau gab es in vielen Kommunen. Doch nirgendwo hat sie größere Widerstände hervorgerufen als in Urbach. Nachdem das Waldhaus durch einen Bürgerentscheid abgelehnt wurde, verstummten auch die Kritiker weitgehend. Doch was für ein Programm dürfen Besucher ohne das Prestigeprojekt erwarten? Und wird alles noch rechtzeitig bis Mai fertig?

Der neue Bauamtsleiter Rolf Koch ist optimistisch. Zwar liegt, Stand heute, noch keine Genehmigung des Landratsamtes für den Gartenschau-Turm im Gewann Lüsse vor. Aber „wir sind zuversichtlich, dass das Projekt rechtzeitig fertig wird“. Der Turm, eine der 16 geplanten Landmarken entlang des Remstals, war eigentlich am Gänsberg geplant. Nachdem das Landratsamt wegen des Landschaftsschutzes Bedenken geäußert und Gartenschau-Kritiker eine Petition beim Landtag eingelegt hatten, musste die Gemeinde kurzfristig umplanen.

Drei Aussichtspunkte werden finanziell gefördert

Noch vor Weihnachten beschlossen hat der Urbacher Gemeinderat den Bau von drei Aussichtsplattformen. Zwei davon befinden sich an den Hängen nördlich von Urbach im Bereich des Bergrutsches und an der Hagsteige. Die andere ist im Flachland an der Rems: Am bereits 2015 eingerichteten Grillplatz, genannt „Rastplatz an der Rems“, auf Höhe der Einmündung des Urbachs. Hier liegt eine baurechtliche Genehmigung bereits vor. Sie soll ein Höhepunkt für die Gartenschau im südlichen Bereich von Urbach werden.

Die drei Aussichtspunkte werden unter dem Stichwort „Rems(tal)blicke“ finanziell durch den Verband Region Stuttgart gefördert. 70 000 Euro soll die Plattform an der Rems kosten, 128 0000 Euro die beiden an Hagsteige und Bergrutsch. Jeweils die Hälfte der Kosten soll laut der Gemeinde Urbach der Verband Region Stuttgart übernehmen.

Mountainbike-Flowtrailstrecke fast fertig

Spielt die Witterung mit, dann soll mit dem Bau der Aussichtsplattformen schon Ende Januar oder Anfang Februar begonnen werden, so Rolf Koch. Damit sollten diese Bauten auch rechtzeitig vor Beginn der Gartenschau fertig werden.

Kurz vor der Fertigstellung steht bereits die Mountainbike-Flowtrailstrecke, ein Projekt des Deutschen Alpenvereins. Die Strecke führt in der Nähe des forstlichen Stützpunktes hinunter ins Bärenbachtal. Der Flowtrail schließt an eine 14 Kilometer lange Rundstrecke an, die quer durch Urbach führen soll. Auch der Waldspiel- und Grillplatz wird an einem Teilbereich der Rundstrecke liegen.

Ursprünglich war bekanntlich der Wald als Schwerpunkt-Thema für die Gartenschau vorgesehen. Doch durch das mehrheitlich bei einem Bürgerentscheid abgelehnte Waldhaus und den neuen Standort des Turms sind die Projekte jetzt mehr über die Gemeinde verteilt.

Das Thema Wald wird weiterhin eine Rolle spielen

Das Thema Wald wird aber weiterhin eine Rolle spielen. So entsteht auf gut zwei Kilometern Länge gerade ein Walderlebnispfad, der Kinder und Familien auf den Gänsberg locken soll. Dort werden zehn Stationen gebaut, darunter zwei Kugelbahnen mit Waldtieren und ein Niedrigseilparcours. „Dabei werden Elemente aufgegriffen, die für Urbach spezifisch sind“, sagt Barbara Troßbach, Gartenschau-Managerin der Gemeinde.

Naturpädagogischer Wagen statt Waldhaus

Die Konzeption für den Erlebnispfad stammt von der Firma Ostheimer, die auch in Schwäbisch Gmünd die Kugelbahn für die Gartenschau 2014 entworfen hat. „Viele Stationen entstehen in ehrenamtlicher Arbeit“, sagt Troßbach. Hier sind die Arbeiten demnächst abgeschlossen.

Statt des per Bürgerentscheid abgelehnten Waldhauses kommt außerdem ein wald- und naturpädagogischer Wagen. Vor Weihnachten hat der Gemeinderat sich einstimmig für einen Holzbauwagen mit sechs Metern Länge, einer Breite von zwei Metern und einer Länge von zweieinhalb Metern für rund 25 000 Euro entschieden. Dieser Wagen soll rein als Lagerfläche dienen. Es soll dazu ein Holzpavillon errichtet werden, der als Unterstand für die Nutzer des wald- und naturpädagogischen Angebots gebaut wird. Außerdem soll eine bestehende Hütte vor Ort zusätzlich als Lagerraum genutzt werden.

Sitzbänke an zwölf Standorten in Urbach

Mit diesen Plänen hofft die Gemeinde, zügig eine Genehmigung beim Landratsamt zu bekommen, um alles bis zum Beginn der Gartenschau fertig zu haben. „Wenn wir bis Ende Februar die Baugenehmigung haben, dann langt es dicke“, sagt Bauamtsleiter Rolf Koch.

An zwölf Standorten werden in Urbach außerdem Sitzbänke aufgestellt, teilweise in Bank-Tisch-Kombinationen. Alle im Gartenschau-Design, wie sie auch in den anderen teilnehmenden Kommunen schon stehen oder bald stehen werden. In Urbach verteilen sich die Standorte für die Ruhe- und Rastplätze entlang der Rad- und Wanderwege entlang der Rems und dann mitten durch den Ort, in Richtung Freibad und die Hagsteige hoch zu den noch zu bauenden Aussichtsplattformen. Teilweise ersetzen die Gartenschau-Bänke bereits vorhandene Sitzgelegenheiten, die nicht mehr in gutem Zustand waren.

15 Vorschläge für Gestaltung des Hirsch-Areals

Auch im Zentrum tut sich etwas: Für das Hirsch-Areal, das die Gemeinde während des Gartenschau-Jahres bespielen kann, konnten die Bürger Vorschläge einreichen. 15 Vorschläge hat die Verwaltung bis zum Einsendeschluss erhalten. Nach Sichtung der eingereichten Ideen wird eine Jury darüber tagen. Die Gewinner-Idee wird voraussichtlich Mitte Februar der Öffentlichkeit bekanntgegeben.

Bildhauersymposium mit Skulpturenpfad im September

Nicht zuletzt wird es im neuen Baugebiet Urbacher Mitte II ein grünes Band mit Spielplatzmöglichkeiten geben, das nach der Fertigstellung über die Stuttgarter Holzbrücke mit dem Rest des Ortes verbunden ist. „Damit wird die Lebensqualität in der Ortsmitte verbessert“, ist sich Troßbach sicher. Während der Gartenschau wird auf der Grünfläche außerdem ein Bildhauersymposium stattfinden. Eine Initiative, die auf den Alt-Landrat und ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Johannes Fuchs zurückgeht und an der sich der Schorndorfer Bildhauer Christoph Traub beteiligen wird. Mehr als zehn Exponate sollen dabei entstehen und auf einem Skulpturenpfad während der „Highlight-Woche“ vom 9. bis 15. September ausgestellt werden. Drei wird die Kommune dauerhaft übernehmen.

Viel Zeit bleibt nicht mehr

Urbach hat zwar das Waldhaus verloren, sich aber unterm Strich dennoch ein recht ambitioniertes und durchaus viel versprechendes Programm vorgenommen. Bleibt nur abzuwarten, ob bis zum 10. Mai auch tatsächlich alles fertig wird (und der Turm an der Birke auch kommt). Viel Zeit bleibt jedenfalls nicht mehr bis dahin.


Kommentar: Zeit für eine Antwort

Urbach und die Gartenschau – das war von Beginn an keine einfache Beziehung. Doch zuletzt schien sich die Gemeinde mit dem Projekt zu versöhnen. Viele Bürger bringen sich in den Arbeitsgruppen ein. Und eine engagierte Verwaltung tut alles, damit bis zum 10. Mai trotz Wegfall des Waldhauses noch interessante Angebote zustande kommen. Mit dem zweiwöchigen Bildhauersymposium und dem Walderlebnispfad wird Urbach sogar echte Alleinstellungsmerkmale im Gartenschau-Jahr haben.

Dennoch könnte Urbach am Ende die einzige der 16 Kommunen ohne eigene Landmarke sein. Denn hinter dem Turm an der Birke steht nach wie vor ein Fragezeichen. Zweimal musste die Gemeinde den Standort bereits wechseln, zuletzt wegen des Landschaftsschutzes. Der neue Standort ist ein Kompromiss, um überhaupt noch an einen Turm zu kommen. An Urbach liegt es aber nicht, dass dieses Projekt nach wie vor nicht starten kann. Eingereicht wurde der Antrag bereits im September. Peter Zaar, Leiter des Technischen Landratsamts, hatte damals im Gemeinderat eine schnelle Genehmigung in Aussicht gestellt und gesagt: „Da kommen keine Überraschungen mehr!“

Indes wartet die Verwaltung nach wie vor auf eine Antwort der Genehmigungsbehörde. Es ist an der Zeit, dass das Landratsamt endlich antwortet.


Magazin für Urbach

Die Gemeinde hat für die Organisation der Gartenschau auf acht Arbeitsgruppen zurückgegriffen. Eine Idee, die laut Gartenschau-Managerin Barbara Troßbach auch bei einstigen Gartenschau-Kritikern, die unter anderem Gäste-Führungen machen werden, gut ankommt.

Ein besonders ambitioniertes Bürger-Projekt ist die Idee eines Gartenschau-Magazins nur für Urbach. Die erste Ausgabe wird voraussichtlich Mitte/Ende März erscheinen.

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