Remstal-Gartenschau in Urbach Trotz 177 000 Euro Mehrkosten: Holzbrücke kommt

So könnte sie aussehen, die Urbacher Mitte I und II verbindende Brücke. Foto: 3-D-Darstellung Knippers Helbig GmbH Stuttgart

Urbach. Überraschend einstimmig hat der Urbacher Gemeinderat den Bau der Stuttgarter Holzbrücke beschlossen. Die Entscheidung fiel den Räten aber sichtlich nicht leicht. Doch trotz einer Preissteigerung von 177 000 Euro hielten alle Fraktionen den Bau der Brücke aus städtebaulicher Sicht für notwendig.

Eigentlich hatte Martina Fehrlen vorab mit einer kontroversen Diskussion gerechnet. Denn auch die Bürgermeisterin war „entsetzt“ und „fassungslos“ über die hohe Preissteigerung. Lange hatte es im Vorfeld gedauert, überhaupt ein Angebot zu bekommen. Die Ausschreibung musste im Juli deshalb verlängert werden. Ende September wurde sie aufgehoben, da mit Bruttobaukosten von insgesamt 870 000 Euro kein für die Kommune annehmbares Angebot vorgelegen hatte.

Mehrkosten von 177 000 Euro

Bauamtsleiter Markus Baumeister hat in der Zwischenzeit direkt mit den Firmen verhandelt und durchaus noch etwas an der Preisschraube drehen können. Und doch bleiben da am Ende Mehrkosten von 177 000 Euro. Für Rohbau, Gründung und Brückenüberbau würden damit insgesamt 652 000 Euro anfallen. Im Vorfeld hatten deshalb bereits Plüderhausen und nun auch Schorndorf sich aus dem ursprünglich gemeinsamen Bauprojekt zurückgezogen.

Auch in der Sitzungsvorlage schlug die Urbacher Verwaltung nun (möglicherweise aus taktischen Gründen) vor, die Aufträge nicht zu vergeben, bis zur Gartenschau eine provisorische Furt zu errichten und dann nach 2019 noch einmal neu zu planen.

Auch Weinstadt möchte nach wie vor bauen

Markus Baumeister, der im November nach Weinstadt wechselt - jener Stadt also, die gemeinsam mit Urbach nach wie vor bauen möchte, und dies auch kürzlich im Gemeinderat beschlossen hat - präsentierte den Räten noch einmal die Vor- und Nachteile der Stuttgarter Holzbrücke.

Eine andere Brücke würde vor der Gartenschau nicht mehr fertig

Auf der Habenseite stehen demnach knapp 200 000 Euro Förderung durch das Land, weitere 30 000 Euro durch die EU. Außerdem das bereits abgeschlossene Genehmigungsverfahren sowie die bereits geleisteten Kosten für Vermessung, sowie geologische und hydrologische Gutachten in Höhe von 102 000 Euro. Ausstehen würden aufgrund des jetzigen Planungsstandes noch weitere 25 000 Euro.

Eine andere Brücke würde zudem bis zur Remstal-Gartenschau nicht mehr fertig. Auch provisorische Lösungen wie eine Furt würden Geld kosten und zudem nicht den städtebaulichen Ansprüchen genügen, die hinter dem Bau stehen. Schließlich soll die Brücke kein Prestigeobjekt (auch wenn die Bauweise als innovativ bezeichnet werden darf, siehe: Die Stuttgarter Holzbrücke) sein, sondern die beiden Ortsteile Urbacher Mitte I und II miteinander verbinden. Eine andere Wegführung würde auch diese Verbindungsachse an der „grünen Lunge“ vom Friedhof zum Marktplatz konterkarieren.

Gegen den Bau spräche nur die Kostensteigerung

Eine Brücke dieser Art sei deshalb bereits in den ersten städtebaulichen Entwicklungsplänen Mitte der neunziger Jahre berücksichtigt worden.

Gegen den Bau spräche aus seiner Sicht einzig die Kostensteigerung. Die aber sei der Lage am Markt geschuldet. „Erhebliche Kostensenkungen sind daher zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu erwarten“, sagte Baumeister.

CDU bittet Verwaltung, noch einmal nachzuverhandeln

„Es liegt nicht an der Brücke selbst, sondern am Tiefbau“, konstatierte Joachim Bertsche (CDU), dessen Fraktion einst die Summe von 550 000 Euro als maximal für sie vertretbar festgelegt hat. Abzüglich der Fördersumme befänden sich die Kosten für die Gemeinde im Moment um fünf Prozent über dieser Summe. Doch sei man in der Fraktion übereingekommen, dass zu viel dagegen spräche, das Projekt wegen der Mehrkosten nun zu verhindern. „Isch net schee, aber was willsch macha?“, sagte Bertsche. „Mit geballter Faust in der Tasche und grollend“ werde die CDU dem Bau daher zustimmen – verbunden mit der Bitte an die Verwaltung, noch einmal nachzuverhandeln. Schließlich ginge es hier ja um das Geld der Steuerzahler.

"Keine Brücke ist keine Lösung"

Die Freien Wähler hätten das Projekt „Urbacher Mitte“ von Beginn an mitgetragen, betonte Dr. Konrad Scherer – „und die Brücke gehört dazu“. Zwar sei seine Fraktion auch von der Kostensteigerung überrascht worden, doch fände es Scherer ein Unding, wenn die Entscheidung auf den nächsten, im Mai zu wählenden Gemeinderat vertagt werden würde. Denn „keine Brücke ist keine Lösung. Die Kostenexplosion tut weh, aber Alternativen gibt es nicht“, sagt Scherer. In Anlehnung an seinen Beruf schloss er sein Plädoyer mit den Satz: „Wir müssen jetzt zur Geburt kommen, auch wenn die Wehen schmerzen.“

Grüne: Nachhaltige Lösung notwendig

Bereits ganz nah an der Zustimmung zu einer Behelfsbrücke sei die Grünen-Fraktion gewesen, bekannte Burkhard Nagel. Doch letztendlich sei man dann doch übereingekommen, dass eine nachhaltige Lösung an dieser Stelle notwendig sei. Der Grüne verband seine Zustimmung mit dem Wunsch noch einmal eine aktualisierte Kostenaufstellung von der Verwaltung zu bekommen.

Habik: "Ich bin froh, dass wir so einen mutigen Gemeinderat haben"

Als „einfache Mathematik“ bezeichnete Joachim Habik (SPD) die Rechnung zur Holzbrücke. „Selbst unter der Annahme, dass wie etwas ganz Neues planen: Unterm Strich verlieren wir mehr als 100 000 Euro Planungs- und Genehmigungskosten.“ Auch die bereits genehmigten Fördersummen von Land und EU gingen der Gemeinde verloren. Deshalb ist es für den Sozialdemokraten keine Frage, dass die Brücke in ihrer jetzigen Form gebaut werden sollte. „Ich bin froh, dass wir so einen mutigen Gemeinderat haben“, sagt Habik im Hinblick auf die Stimmung im Gremium.

Die von der Bürgermeisterin erwarteten Kontroversen – sie blieben überraschenderweise aus. Am Ende stimmten die Gemeinderäte dem Bau der Stuttgarter Holzbrücke einstimmig zu.


Die Stuttgarter Holzbrücke

Die Stuttgarter Holzbrücke in der Urbacher Mitte II ist nicht nur Teil der Remstal-Gartenschau (und als solche ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt der Kommunen Urbach, Schorndorf, Plüderhausen und Weinstadt), sondern gehört zum Radweg von der Urbacher Mitte II (Friedhof) entlang des Urbach und des Neumühlewegs am Jugendhaus vorbei Richtung Rems.

Es handelt sich dabei also um einen Lückenschluss im Radverkehrsplan der Gemeinde Urbach.

Die beide Baugebiete (Urbacher Mitte I und II) verbindende Brücke soll für Radfahrer geeignet und barrierefrei sein. Sie soll eine lichte Breite von drei Metern und eine Länge von 28,30 Metern, mit den Brückenköpfen von 39 Metern bekommen.

Das Konzept basiert auf einem massiven Brettschichtholzkorpus, der durch ein aufgesetztes Belagsdeck geschützt sein soll. Der Korpus wird in den Stahlbetonfundamenten verankert.

Das Konzept gilt unter Architekten als innovativ. Die Brücke wurde 2017 deshalb mit dem Deutschen Holzbaupreis in der Kategorie Komponenten/Konzepte ausgezeichnet.

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