Remstal-Gartenschau Das Remstal singt "Muss i denn zum Städtele hinaus"

Waiblingen. Waiblingen sang! Im Rahmen der Veranstaltungen rund um die Remstal-Gartenschau fand sich am Sonntagnachmittag auf der Erleninsel ein fröhlicher Flashmob begeisterter Sängerinnen und Sänger zusammen. Und das ganze Remstal rauf und runter sangen noch viele andere mit.

Punkt siebzehn Uhr: Von Essingen bis Neckarrems hinunter erklang das von Friedrich Silcher 1827 adaptierte und 1960 von Elvis Presley zum Welthit geadelte „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Gesungen wurde es von lauter Spontanchören in den Gartenschau-Kommunen, die sich schon zwei Stunden lang warmgesungen hatten.

Auf der Waiblinger Erleninsel hatte sich ein mehrhundertköpfiger Chor zusammengefunden, um gemeinsam mit Patrick Bopp von der A-cappella-Band „Die Füenf“ bekannte und weniger bekannte Lieder anzustimmen – was allerdings keine große Rolle spielte, denn der jeweilige Liedtext konnte Wort für Wort von der Großbildleinwand neben der Bühne abgelesen werden. So entstand ein attraktiver Mix aus deutschen und internationalen Titeln, in dem jeder für sich ein Schmankerl fand.

Mal ein-, mal zweistimmig: Der Chor war stimmgewaltig

Über die Rems, in den Kätzenbach und bis nach Beinstein hinein hallte der stimmgewaltige, mal ein-, mal zweistimmige Chor, der sich um die Bühne herum aufgestellt hatte, unter der versierten Leitung Bopps sang, schunkelte und sich in Stimmung brachte. Die älteren Semester überwogen ganz offensichtlich, und anscheinend steht die Freude am Singen und Musizieren in einem direkten Verhältnis zum Radfahren, zumindest der großen Zahl von Fahrrädern, die sauber aufgereiht abseits standen. Um den Klangkörper herum hatten sich die Neugierigen versammelt, Sonntagsspaziergänger, oftmals junge Familien mit Kindern, die sich einfach nur ins Gras oder auf die Bänke setzten, zuhörten und genossen.

Chorleiter Bopp verbreitete von der Bühne herunter ansteckende Fröhlichkeit und dirigierte hinter dem Klavier den Klangkörper souverän um musikalische Klippen. Klang zum Beispiel Ritchie Valens „La Bamba“ etwas schüchtern, dann traten eben die Vollblutmusiker Dirk Blümlein (Bass), Till Müller-Krey (Schlagzeug) und Jens-Peter Abele (Gitarre) mehr in den Vordergrund. Beim darauf folgenden Gassenhauer Udo Jürgens’ aus dem Jahr 1974 über den „Griechischen Wein“ dagegen schwoll das Stimmvolumen derart gewaltig an, dass es sogar auf zwei Stimmen aufgeteilt werden konnte. Just bei diesem Lied zeigte sich sogar kurz die Sonne durch die graue Wolkendecke. Mit Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ ging es Punkt sechzehn Uhr in die wohlverdiente Pause.

Mitten im Sängerpulk, in der ersten Reihe, stellte Oberbürgermeister Andreas Hesky seine stimmlichen Qualitäten unter Beweis und swingte im Takt. „Wenigstens singen kann er!“, raunzte ein Beobachter vom Rande des Geschehens her, anerkennend.

Das Liebes- und Wanderleben der jungen Männer, die auf die Walz gingen

Der Text von Silchers „Muss i denn“ geht auf die Tradition zurück, dass junge Männer oft übers Land wanderten, um beispielsweise als Handwerker hier und dort Arbeit zu finden und Erfahrung zu sammeln. Die sogenannte „Walz“ war seit dem Spätmittelalter und bis zur Industrialisierung hin Pflicht für die jungen Gesellen und Voraussetzung dafür, dass sie eine Meisterprüfung ablegen konnten. Heute gehen vor allem noch Zimmerleute auf die Walz.

Der Text, den Friedrich Silcher der alten Volksmelodie gegeben hat, erzählt von einem jungen Mann, der seine Geliebte verlassen muss. Er verspricht ihr Treue und dass er sie heiraten wolle, wenn er in einem Jahr zurückgekehrt ist.

Hier der Text des Lieblingslieds aller Remstäler, für alle, die nochmals singen möchten:

Muss i denn, muss i denn

zum Städtele hinaus,

Städtele hinaus,

Und du, mein Schatz, bleibst hier?

Wenn i komm’, wenn i komm’,

wenn i wieder, wieder komm’,

wieder, wieder komm’

Kehr’ i ein, mein Schatz, bei dir.

Kann i glei net allweil bei dir sein,

Han i doch mei Freud’ an dir!

Wenn i komm’, wenn i komm’,

wenn i wieder, wieder komm’,

wieder, wieder komm’

Kehr’ i ein, mein Schatz, bei dir.

Wie du weinst, wie du weinst,

Dass i wandere muss,

wandere muss,

Wie wenn d’ Lieb’ jetzt wär’ vorbei!

Sind au drauß, sind au drauß

Der Mädele viel, Mädele viel,

Lieber Schatz, i bleib dir treu.

Denk du net, wenn i ’ne andre seh’,

No sei mein’ Lieb’ vorbei;

Sind au drauß, sind au drauß

Der Mädele viel, Mädele viel,

Lieber Schatz, i bleib dir treu.

Über’s Jahr, über’s Jahr,

Wenn mer Träubele schneid’t,

Träubele schneid’t,

Stell’ i hier mi wiedrum ein;

Bin i dann, bin i dann

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