Remstalmarkt in Weinstadt Mack will Obst und Gemüse plastikfrei verkaufen

Neben Papiertüten kommen auch plastikähnliche Tüten aus Maisstärke zum Einsatz. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Weinstadt-Endersbach. „Wir wollen Müll vermeiden“: Remstalmarkt-Inhaber Rocco Capurso hat sich bewusst für den Aufbau einer plastikfreien Obst- und Gemüseabteilung entschieden. Er glaubt, dass der Kunde den Mehraufwand honoriert. Von Herbst an will er zudem den Supermarkt umbauen – und ein klimafreundlicheres Kühlsystem installieren.

Am Beispiel der Kartoffeln vom Bauernhof Gnamm aus Hohenacker zeigt sich, wie viel Aufwand der Remstalmarkt Mack investiert hat. Früher erhielt der Endersbacher Supermarkt die Ware in Plastik, nun kommt sie abgepackt in Papiertüten, die an einer Stelle noch eine Faser aus Zuckerrohr enthalten. „Er näht die von Hand zu“, sagt Angelika Kaiser, die beim Mack die Umstellung auf eine plastikfreie Obst- und Gemüseabteilung koordiniert. Rund vier Monate Arbeit liegen hinter ihr – und dazu gehörte auch, die regionalen Lieferanten zu überzeugen.

Der Remstalmarkt hat es sich schließlich zum Ziel gesetzt, die Transportwege für möglichst viele Waren gering zu halten. Papiertüten von Hand zuzunähen ist freilich ein hoher Aufwand, weshalb Gnamm nun laut Angelika Kaiser in eine Maschine investieren wird. Dafür erhalte er im Gegenzug die Zusicherung, dass der Remstalmarkt mindestens fünf weitere Jahre seine Kartoffeln von dem Bauernhof aus Hohenacker bezieht. Der Umstieg auf eine plastikfreie Obst- und Gemüseabteilung gelingt schließlich nicht allein. „Wir brauchen Partner, die mitmachen.“

Tüten aus Maisstärke sind teurer als Plastik

Der Weg, den Remstalmarkt-Inhaber Rocco Capurso geht, ist aktuell noch mit Mehrarbeit und Mehrkosten verbunden. Nehmen wir die Tüten aus Maisstärke, die anstelle von Plastik zum Einsatz kommen. Sie sind nach seinen Angaben zehnmal teurer als jene Standard-Plastiktüten, die bei Discountern zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu Papiertüten kann mit ihnen indes auch feuchtes Obst und Gemüse problemlos transportiert werden. Die Tüten werden aus Maisstärke hergestellt. Der Hersteller verspricht, dass diese komplett biologisch abbaubar sind, allerdings trifft dies nur unter bestimmten Bedingungen in industriellen Kompostieranlagen zu. Heißt: Wer die Tüte auf seinen eigenen Kompost wirft, muss schon mal ein halbes Jahr Geduld aufbringen.

Das einzige Plastik, das es im Remstalmarkt in der Obst- und Gemüseabteilung aktuell noch gibt, sind die abgepackten Salate von Bonduelle, einem Unternehmen mit knapp 9700 Mitarbeitern. Sonst aber ist Plastik Vergangenheit. Tomaten gibt es jetzt zum Beispiel in Holzschalen, Kräuter in Papiertüten. Der Biosalat wird nun durch eine eigens entwickelte Banderole mit der Aufschrift des Remstalmarkts gekennzeichnet – was für die Mitarbeiter an der Kasse wichtig ist. So erkennen sie sofort, dass es eine Bioware ist, die entsprechend teurer ist.

Beeren im Winter: Im Zweifel verzichten

Wer ganz auf Plastik verzichten will, muss auch um manche Artikel einen Bogen machen. Im Winter sind laut Angelika Kaiser viele Beeren nur in Plastikschalen verfügbar. „Es gibt genau einen spanischen Erzeuger, der in 125-Gramm-Holzschalen Beeren anbietet.“ Beim Remstalmarkt wollen sie versuchen, nur von dieser Firma die Waren zu beziehen. Geht das nicht, dann sollen auch keine Beeren verkauft werden.

Inhaber Rocco Capurso versucht insgesamt, den Betrieb umweltfreundlicher zu gestalten. Dazu gehört für ihn auch, weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Mit der Tafel kooperiert er schon lange, genau wie andere Supermärkte. Dazu kommt nun auch, dass Capurso frische Erdbeeren nicht mehr wegwirft, sondern zu Marmelade verarbeiten lässt, die dann im Supermarkt verkauft wird. Im Herbst soll zudem der Remstalmarkt umgebaut werden, dann soll auch ein umweltfreundliches Kühlsystem errichtet werden, mit dem CO2 eingespart wird. Auch will Capurso in seinem Endersbacher Supermarkt auf LED-Beleuchtung umstellen. Und seine Mitarbeiter möchte er dazu bewegen, mit einem von der Firma Jobrad geleasten E-Bike zur Arbeit zu fahren.

Eine weitere Überlegung ist, ins sogenannte Foodsharing einzusteigen. Das bedeutet, dass Kunden in einen bestimmten Kühlschrank Lebensmittel stellen, die noch essbar sind, deren Mindesthaltbarkeitsdatum aber kürzlich abgelaufen ist. „Ich halte die Idee für nicht schlecht, wenn ich ehrlich bin“, sagt Rocco Capurso.

Auch Schorndorfer Supermarkt soll nachhaltiger werden

Auch seinen Schorndorfer Supermarkt in der Mittleren Uferstraße, den er 2018 von Edeka übernommen hat, möchte der Kaufmann von 2020 an nachhaltiger aufstellen. Bereits jetzt beteiligt er sich dort mit anderen Schorndorfer Unternehmern am Pfandsystem für Mehrwegbecher, das von der Recup GmbH bereitgestellt wird. Kunden bringen ihren gebrauchten Becher mit und bekommen vor Ort einen neuen.

Die Arbeit geht beim Umweltschutz indes nicht aus. Wenn Rocco Capurso sieht, wie viel Plastikflaschen allein in seinem Endersbacher Supermarkt zusammenkommen (ein bis zwei Lkw-Ladungen pro Woche und das in geschredderter Form), wird er nachdenklich. „Wir müssen weg vom Plastik.“


Zwei weitere Beispiele: Schäfer und Reichert

Die Metzgerei Schäfer aus Beutelsbach bietet ihren Kunden seit März an, Waren in einer Mehrwegbox der Firma oder in einem eigenen Gefäß mitzunehmen. Die Schäfer-Box enthält mehrere Kammern, wodurch einzelne Produkte getrennt voneinander transportiert werden können. Jeder Kunde erhält genau die Menge an Boxen, die er braucht.

Dietmar Reichert, Inhaber des Endersbacher Edeka-Markts in der Kalkofenstraße, ermöglicht es seinen Kunden, an der Wurst- und Fleischtheke mit Mehrwegbehältern einzukaufen. Die Mitarbeiter sind dabei aus Hygienegründen angehalten, die Waren so in die Tupperdosen zu tun, dass sie diese mit ihren Händen nicht berühren. In der Obst- und Gemüseabteilung kann zwischen Plastik- und Mehrwegsäcken gewählt werden. Genauso ist es an der Kasse, wo es unter anderem Jutetaschen und Mehrwegkartons gibt.

Bereits vor zwei Jahren hat Reichert seine Kühltheken modernisiert, um so Energie zu sparen und ein umweltfreundlicheres Kühlmittel zu verwenden. Auch hat er seine Supermarktbeleuchtung schon komplett auf LED umgestellt – also genau das, was der Remstalmarkt jetzt von Herbst an auch machen will.

Dietmar Reichert plant zudem, bei Heizung und Lüftung Energie einzusparen. Hierzu muss er indes noch Gespräche mit seinem Vermieter führen.

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