"Rettet die Biene" Waiblinger Imker uneins über Volksbegehren

Berufsimker Eckard Berlin (links) würde beim Volksbegehren unterschreiben. Foto: ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Waiblingen.
Naturschützer und Bauern streiten über das Volksbegehren „Rettet die Biene“ – aber was sagen eigentlich die, denen die Honigsammler von Berufs wegen oder zumindest ihres Hobbys wegen besonders am Herzen liegen, die Imker? Im Waiblinger Bezirksimkerverein gibt es unterschiedliche Positionen. Manche ziehen klar gegen die Forderungen zu Felde – andere lassen durchblicken, dass sie dafür unterschreiben würden. Glühende Begeisterung findet sich nicht. Bienen-Rettung ohne Imker - wie kann das sein?

Einer der entschlossensten Gegner des Volksbegehrens, das derzeit auf Eis liegt, ist der Neustädter Rolf A. Mayer, der zusammen mit Frau und Sohn seit rund 20 Jahren „aus Liebe zur Natur“ imkert. Seine Völker leben an zwei Standorten in Weinstadt und Waiblingen. „Im Prinzip ist das Volksbegehren gut gemeint, aber schlecht gemacht“, sagt er. Die Initiatoren machten sich die Popularität der Honigbienen zunutze, im drögen Text komme das Wort „Biene“ aber gar nicht vor. Die Umwidmung von Streuobstwiesen zu Biotopen kommt aus seiner Sicht einer Enteignung gleich. In Bayern seien auffällig viele Streuobstbäume abgeholzt worden, um Restriktionen zu verhindern. Viele Stücklesbesitzer würden die Pflege ihrer Streuobstwiese dann einstellen – eine Verschlechterung für die Bienen.

Landwirt vermisst Hinweis auf andere Gefahren

Nach Wahrnehmung des Neustädters kommen Landwirtschaft und Imker im Unteren Remstal gut miteinander aus. Doch die Forderungen aus dem Volksbegehren seien für die Landwirtschaft gefährlich, auch für die mit der Vorsilbe „öko“: In Landschaftsschutzgebieten würde von 2021 an praktisch Pestizidverbot herrschen. „Soweit mir bekannt ist, sind Pestizide in Wein- und Obstbau unverzichtbar, auch kein Ökobetrieb kommt dort ohne Pflanzenschutz aus.“

Wie der Hegnacher Landwirt Volker Escher, der in unserer Zeitung vor dem Volksbegehren warnte, vermisst er den Hinweis auf andere Gefahren für die Bienen: „Zu Lichtverschmutzung und Schottergärten wird kein Wort verloren.“ Gerade für die Bienen sei zudem die Abwehr invasiver Arten wie der asiatischen Hornisse wichtig. Statt Einschränkungen für die Landwirtschaft fordert er: Öffentliche Grünflächen müssten zu Blühflächen aufgewertet werden. Für Insekten schädlich sei das häufige Mähen der Wiesen, nicht nur im Hausgarten. Als Energiepflanze empfiehlt er die Durchwachsene Silphie, die den Mais zu einem Teil ersetzen könnte. Um dafür zu werben, hat sie der Bezirksimkerverein neben dem Alvarium in der Talaue schon vor Jahren angepflanzt.

Die Chemiekonzerne als heilige Kühe der Politik

Unbestritten sind auch aus Rolf A. Mayers Sicht die Bedrohung für die Artenvielfalt und der dramatische Rückgang der Insekten. „Ohne weiteres“ könne auf öffentlichen Flächen und in Hausgärten auf Glyphosat verzichtet werden. Und: „Der Erwerb von Glyphosat für Privatgärten und Privatanwender gehört verboten.“ Hier könnten Städte und Landkreise eine Vorbildfunktion übernehmen. Auch die Neonikotinoide sieht er „äußerst kritisch“.

Wegen dieses „Nervengifts für Bienen“ (so der Naturschutzbund Nabu) war der Kleinheppacher Berufsimker Eckard Berlin schon vor zehn Jahren mit dem Imkerverein beim Landwirtschaftsministerium in Stuttgart vorstellig. Er ist überzeugt, dass es irreversible Schäden der Synapsen bei allen Lebewesen hervorruft. Aber nicht nur die Pflanzen würden kontaminiert, auch die Böden und das Wasser. Aktuell in diesem Jahr mussten er und andere wieder höhere Bienenverluste hinnehmen. Verantwortlich gemacht werde die Varroa-Milbe. „Aber dass die Varroa-Milbe nur den Rest macht, weil die Völker schon vorgeschädigt sind, wird nicht wahrgenommen.“ Die Chemiekonzerne mit ihren Spritzmitteln seien „heilige Kühe“. Generell hat Eckard Berlin Zweifel an der Wirksamkeit von Verboten, solange die Menschheit ihrem Technikglauben nachhängt. Trotzdem: „Ich werde unterzeichnen, obwohl ich inhaltlich nicht dafür bin.“

„Die Meinungsfindung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Vorsitzender Wolfgang Groh, der sich öffentlich einer Positionierung enthält. Bei einer Versammlung am 6. Dezember wollen die Bienenzüchter einen Schritt weiterkommen. Immerhin in einem Punkt besteht jetzt schon Einigkeit: Das Volksbegehren habe das wichtige Thema auf die Tagesordnung gehoben. Hoffnungen ruhen auf dem Eckpunktepapier der Landesregierung, das die Grundlage für einen Kompromiss werden könnte.

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