Rettung, Relegation oder Abstieg? Der VfB Stuttgart zwischen Hoffen und Bangen

Den Glauben an die eigene Mannschaft und Trainer Weinzierl haben viele Anhänger mittlerweile verloren. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Stuttgart. Der FC Augsburg entlässt Chefcoach Manuel Baum und Co-Trainer Jens Lehmann, Hannover 96 feuert Manager Heldt – und beim VfB bekam Trainer Markus Weinzierl am Samstag nach dem 1:1 gegen Nürnberg eine Jobgarantie bis zum Saisonende ausgesprochen. Während die Konkurrenz im Abstiegskampf noch einmal neue Impulse setzt, hoffen die Stuttgarter irgendwie auf ein Happy End. Wie das gelingen soll, weiß allerdings keiner so recht.

Nur um noch ein letztes Mal zu illustrieren, wie historisch schwach der VfB in dieser Saison spielt: 21 Punkte haben die Stuttgarter nach 28 Spielen auf dem Konto. Das sind zwölf weniger als zum selben Zeitpunkt in der Abstiegssaison 2015/16. Nach dem Remis im Kellerduell gegen den 1. FC Nürnberg herrschte die große Ratlosigkeit im Lager der Schwaben. Ein Punkt aus dem Heimspiel mit dem Tabellenvorletzten? Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. „Was wir jetzt mit dem Punkt anfangen sollen, weiß keiner so richtig“, räumte Torhüter Ron-Robert Zieler ein. Rettung, Relegation oder direkter Abstieg? Der VfB vor dem Schlussspurt zwischen Hoffen und Bangen.

Die Relegationstermine sind im VfB-Kalender schon rot markiert

Seit Monaten – um genau zu sein seit dem 16. Spieltag, also dem 18. Dezember 2018 – verharrt der Traditionsclub aus Bad Cannstatt auf dem Relegationsplatz. Aktuell sind es vier Punkte auf den rettenden 15. Tabellenplatz (Augsburg) und ebenfalls vier Zähler auf den direkten Abstiegsplatz (Nürnberg). Das Szenario Relegation wird immer wahrscheinlicher.

„Ich glaube fest daran, dass wir noch Tabellenplatz 15 erreichen können, aber wenn wir am Ende den Weg über die Relegation gehen müssen, dann müssen wir auch diesen Weg als Chance begreifen“, sagte Keeper Zieler Anfang der Woche in einem langen Interview mit dem Sportportal spox.com.

Und der ehemalige VfB-Stürmer Cacau meinte gegenüber unserer Redaktion, dass man nach der Leistung vom Samstag froh sein müsse, „wenn die Mannschaft den 16. Tabellenplatz hält.“ In Gedanken haben sich viele VfB-Anhänger die beiden Relegationstermine (23. und 27. Mai) schon rot im Kalender markiert. 

Selbst die Hoffnungsträger sorgen nicht für Torgefahr

Die Hoffnungen des Anhangs, dass sich die Mannschaft irgendwie noch ans rettende Ufer wursteln kann, schwinden – und das liegt vor allem am mut- und planlosen Auftritt gegen Nürnberg. Gegen die Franken standen in der zweiten Halbzeit so viele Offensivspieler auf dem Rasen wie vielleicht noch nie in dieser Saison. Was allerdings fehlte, war ein Plan, eine Struktur, eine ordnende Hand.

Ziellos flog Flanke um Flanke über den FCN-Strafraum. 25 Hereingaben segelten durch die Arena. Kaum eine fand einen Abnehmer. Nicht einmal die lange als Hoffnungsträger im Klassenkampf gehandelten Daniel Didavi und Anastasios Donis konnten an der Torungefährlichkeit des VfB etwas ändern.

Was zwangsläufig zu der Frage führt, gegen welches Team die Weinzierl-Elf in dieser Verfassung überhaupt noch punkten soll?

Der Blick auf das Restprogramm

Am kommenden Samstag (15.30 Uhr / ZVW-Liveticker) gastiert der Europa-League-Anwärter Bayer Leverkusen in Stuttgart. Die Mannschaft von Peter Bosz hat zwar die letzten drei Spiele verloren, mit Kai Havertz, Julian Brandt und Kevin Volland aber ein spielstarkes Trio in seinen Reihen.

Eine Woche später am Ostersamstag wartet der nächste Kellerkracher auf den VfB: Gegner ist der FC Augsburg, der sich am Dienstag von Manuel Baum und seinem Trainerteam getrennt hat. Der Schweizer Martin Schmidt steht nun in der Verantwortung und soll die bayrischen Schwaben aus dem Keller führen. Danach folgen noch zwei Heimspiele gegen Gladbach (27. April) und Wolfsburg (11. April), sowie die Auswärtspartien in Berlin (04. Mai) und am letzten Spieltag auf Schalke (18. Mai).

Und dann warten auf den VfB Stuttgart aller Voraussicht nach zwei weitere Pflichtspiele gegen den Tabellendritten der 2. Liga. Dort steht aktuell mit 48 Zählern der 1. FC Union Berlin. Tabellenführer Köln (57 Punkte) ist der Konkurrenz aus Hamburg (51) enteilt und kann am nächsten Montag im Spitzenspiel gegen den HSV für die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen sorgen.

Berechtigte Hoffnungen auf den Relegationsplatz dürfen sich derweil weiter der SC Paderborn (45), Holstein Kiel (45), St. Pauli (44) und der 1. FC Heidenheim (43) machen.

Rettung, Relegtion oder direkter Abstieg?

Beim VfB hoffen sie inzwischen nur noch, dass der Fußballgott ein Einsehen hat und vielleicht noch einmal ein Auge zudrückt. Den Glauben an die eigene Mannschaft und Trainer Weinzierl haben viele Anhänger mittlerweile verloren. Die Angst vor der Relegation und nervenaufreibenden 180 (oder vielleicht auch mehr) Minuten geht um. 

Fans und Verantwortliche sollten allerdings neben Rettung und Relegation auch noch ein drittes Szenario auf dem Schirm haben: den direkten Abstieg. Die Nürnberger können am Freitagabend im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 (20.30 Uhr) vorlegen und den ohnehin schon hohen Druck auf die Stuttgarter weiter erhöhen. 

Sollte der Club das Kellerduell gegen die kriselnden Schalker gewinnen und der VfB tagsdrauf seine Heimpartie gegen die Werkself verlieren, dann hätte die Weinzierl-Elf nur noch einen Zähler Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz - und der 16. Tabellenplatz wäre auf einmal doch noch ein lohnendes Ziel.

Oder wie es Torhüter Zieler formuliert: "Wenn wir am Ende den Weg über die Relegation gehen müssen, dann müssen wir auch diesen Weg als Chance begreifen."


WhatsApp-Newsletter zum VfB Stuttgart

  • Schneller und einfacher geht's nicht: VfB-News direkt auf's Handy per WhatsApp. Mit unserem neuen VfB-Newsletter bleiben Sie auf Ballhöhe und sind immer bestens informiert. Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie sich anmelden können
  • Sie haben unseren ZVW-WhatsApp-Newsletter bereits abonniert und wollen zusätzlich noch den VfB-Newsletter erhalten? Dann schicken Sie uns einfach via WhatsApp eine kurze Nachricht und wir schalten Sie für unseren neuen Service frei.
  • Bewertung
    4
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!