Rezo vs. Rems-Murr-Politiker Youtuber Rezo und das Blabla der Parteien

Youtuber Rezo. Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON/dpa

Waiblingen. Er redet frisch von der Leber weg, benutzt Internet-Slang, zieht frei und unbeschwert seine Schlüsse und pustet die etablierten Parteien weg. Youtuber Rezo, 26, hat mit seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ innerhalb von vier Tagen mehr als fünf Millionen Views erreicht. Warum? Weil die, die politische Entscheidungen treffen sollten, sich in Blabla erschöpfen.

Youtuber Rezo hat ein virales Video produziert. Das heißt, es breitet sich aus wie zum Beispiel der Noro-Virus: rasend schnell und viele müssen – Verzeihung – kotzen. Allerdings, bei all jenen, die mit Begeisterung Youtube gucken, bei den jungen Menschen nämlich, hat dieses Video eine ganz andere Wirkung als bei denen, die den etablierten Parteien die Stange halten. Die Youtube-Gemeinschaft hält tatsächlich ein 55 Minuten langes Video aus, in dem fast nur geredet wird, kaum andere, bunte, lustige Filmchen eingeschnitten werden und in dem es um höchst politische Themen geht.

Rezo redet über die Schere zwischen Arm und Reich, über das Verhältnis zu den USA, über Drohnen, Drogenpolitik, Bildung und über die Klimakrise. Dieser Abschnitt dauert rund 20 Minuten. Rezo blendet Fachleute ein, führt seine Quellen an. Er zieht Schlüsse, er spricht die Dinge an und er sagt: „Tausende Wissenschaftler sind sich einig, dass der aktuelle Kurs von CDU und SPD kein kleiner Verkacker ist und uns unsere Zukunft kosten wird“.

Rezo: Es wird warm. 2018 war das viertwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Jetzt sagt Ihr vielleicht: das viertwärmste – da sind ja noch welche wärmer. Ja: 2015, 16 und 17. Die letzten vier Jahre waren die wärmsten ever, lol. Und die Folgen davon sind auch ziemlich deutlich: Naturkatastrophen nehmen durch die Erderwärmung zu, deren Folgen und das Ausmaß nimmt zu und die unmittelbaren Kosten sind bereits hunderte Milliarden. Es sind bereits ganze Landstriche untergegangen. Und deswegen gibt es inzwischen viele Flüchtlinge, die ihr Zuhause verloren haben und deshalb woanders untergebracht werden müssen.

„Bestreben der Union aus CDU und CSU war und ist es, internationale Fragen zum Handel, zum Klimaschutz, zur Sicherheit und auch zur Migration multilateral zu lösen. Wenn dies aber nicht möglich ist, müssen wir auch neue Wege gehen.“ Joachim Pfeiffer, CDU, im Juni 2018.

Rezo: Die Menge von CO2 in der Luft blieb über Millionen von Jahren ziemlich gleich. Das Problem ist nicht, dass es CO2 gibt, sondern, dass es mehr wird. Und wer ist daran schuld? Wir. Und zwar zu 100 Prozent. Hauptsächlich machen wir das dadurch, dass wir Kohle, Erdöl und Erdgas aus der Erde buddeln und das dann verbrennen. . . . Noch haben wir die Macht, das zu beenden. Vor allem, indem wir aufhören mit dem Buddeln und Verbrennen.

„Der Umwelt- und Klimaschutz darf die Kommission (Kohlekommission zur Planung des Braunkohleausstiegs) nicht dominieren“, Joachim Pfeiffer, CDU, im Mai 2018.

„Das waren zum Beispiel mit der Diesel-Thematik nicht unbedingt sozialdemokratische Kernthemen wie Gerechtigkeit.“ Christian Lange, SPD, im November 2017 zum Bundestagswahldebakel und den Schwerpunktthemen der SPD-Politik.

Rezo: Nur 0,7 Prozent aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen behaupten, dass der Mensch gar nicht schuld an der Erderwärmung ist. Und weitere Auswertungen zeigen dann, dass das eben vereinzelte Leute sind, die so was veröffentlichen. Und es eben keine nationalen Akademien oder Institute sind, die so was behaupten. Keine fucking einzige. Die einzige Partei, die dem widerspricht, ist die AfD.

„Wo ist der wissenschaftliche Beweis?“ Zwischenruf Jürgen Braun, AfD, am 28. Juni 2018 in einer Diskussion im Bundestag zum Klimawandel.

„Klimawandel hat es immer gegeben“, Zwischenruf Jürgen Braun, AfD, bei derselben Diskussion.

Rezo: Aber wie sieht’s denn mit der CDU aus? Die sind doch bestimmt kompetenter und würden nicht so einen klaren wissenschaftlichen Konsens über notwendiges Verhalten einfach ignorieren? Die Wissenschaft ist sich einig, dass wir 1,5 Grad nicht überschreiten dürfen. Wenn wir die nämlich überschreiten, dann ist es extrem wahrscheinlich, dass wir in so eine unaufhaltsame Spirale fallen, wo’s immer wärmer wird, egal, was wir tun. . . . Dann haben wir die Welt kaputtgemacht. . . . Können wir noch was ändern? Ja, die Wissenschaft sagt, es ist noch alles machbar. Wir müssen nur krass andere politische Entscheidungen treffen als bisher.

"Windkraft nur dort, wo Menschen- und Landschaftsschutz gewährleistet sowie energetisch u. wirtschaftlich sinnvoll; mindestens 1000 Meter Abstand zu Wohnbebauung; keine Schwachwindstandorte." Joachim Pfeiffer, CDU, im September 2017.

"Im windschwachen Süden sind Windräder teurer Unfug. Die CDU ermöglicht die Verschandelung des Schurwaldes, unterwirft sich den Grünen." Jürgen Braun, AfD, im September 2017.

Rezo: Wissenschaftler haben gezeigt, dass wir viel schneller als bisher auf erneuerbare Energien umsteigen könnten. Sogar weltweit. Die einen sagen nur: Es wird genauso teuer wie bisher, also Win-Situation. Die anderen sagen, es wird sogar weniger teuer als bisher, also Win-Win-Situation. Die Wissenschaftler sind sich auch einig, dass wir so schnell wie möglich auf Wind, Wasser und vor allem Solarenergie umstellen müssen. Und natürlich so schnell wie möglich mit Kohle, Öl und so ‘nem Shit aufhören müssen. Und wenn ich sage aufhören, dann meine ich aufhören.

„Ich bin für einen Kohleausstieg und die Entwicklung der betroffenen Regionen. Umweltfragen müssen mit Blick auf die sozialen Fragen beantwortet werden.“ Christian Lange, SPD im Dezember 2018 zum Thema Kohleausstieg 2030.

Rezo: Wir haben unsere eigenen Ziele nicht eingehalten. Sich selbst Ziele setzen und sie nicht einhalten - Was ist das denn für ein inkompetenter Shit.

"Die Autoindustrie leistet einen Beitrag zum Klimaschutz." Joachim Pfeiffer, Deutschlandfunk-Interview, Dezember 2018.

Rezo: Man könnte ja auch sagen, dass viel CO2 ausstoßen auch viel Geld kostet. Dann würde das, was umweltschädlich ist, auch weniger gekauft, weil es teuer ist. Macht das die CDU? Nein!

„Besonders zu begrüßen ist, dass der klimapolitisch kontraproduktive, volkswirtschaftlich schädliche und unsoziale Vorschlag einer Klimaabgabe nun endgültig vom Tisch ist. Denn die deutsche Energiewende kann nur dann zum Vorbild für andere Länder werden, wenn sie den Wirtschaftsstandort stärkt und keine Arbeitsplätze vernichtet.“ Joachim Pfeiffer, Juli 2016, zum Aus für die Klimaabgabe in der damaligen GroKo.

Rezo: Wie kann man jetzt die Klimasituation zusammenfassen? Also CDU und SPD versagen bei ihren eigenen Zielen. Andere Länder wollen mehr Gas geben aber die CDU sagt: Ne, da hab ich nicht so viel Bock drauf.

„Kein anderes Land der Welt kann mit einem so ambitionierten und zugleich konkreten Programm zur Weltklimakonferenz nach Bali fahren. Wir bauen die erneuerbaren Energien massiv aus – sowohl beim Strom als auch bei den Kraftstoffen und der Wärmeenergie. Wir fördern Energieeffizienz und verschärfen die energetischen Standards für Wohngebäude um 30 Prozent. Das kann sich mehr als sehen lassen.“ Christian Lange, SPD in einer Pressemitteilung vom 7. Dezember 2007.

Rezo: Wenn wir nicht krass was verändern, dann ist die Zukunft der jungen Generation einfach am Arsch.

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