Ringe statt Zonen Tarifreform: VVS soll günstiger werden

Symbolbild. Foto: Mogck / ZVW

Waiblingen. Einen Beschluss hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages am Montag nicht gefasst. Die Tendenz geht jedoch zu einer „großen Lösung“, die den Landkreis zwischen drei und 4,5 Millionen Euro im Jahr kosten wird. Zwei Kreisräten ist die große Lösung aber nicht groß genug. Gudrun Wilhelm und Klaus Riedel (SPD) liebäugeln mit nur zwei Zonen.

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler hat in Ausschuss die geplante Tarifreform nochmals umrissen, die die Kreisräte bereits bei einer nicht-öffentlichen Klausur kennengelernt hatten. Der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Stuttgart hat in der vergangenen Woche mit seiner Entscheidung für die „große Lösung“ den weiteren Weg vorgezeichnet (wir haben berichtet). Der Kreistag entscheidet am 9. Juli. Die Tarifreform könnte dann im ersten Halbjahr 2019 in Kraft treten und die vor über 40 Jahren geschaffenen 52 Zonen auflösen.

„Gezielte Maßnahme in Richtung Luftreinhaltung“

Als Pluspunkte der Lösungen mit fünf Ringen rund um die Landeshauptstadt Stuttgart herum und einer einzigen Stuttgarter Zone für alle sind aus Sicht von Horst Stammler: ein übersichtlicher Tarifzonenplan, die Einheitszone Stuttgart auch für Ein- und Auspendler aus der Region, eine bis zu 25-prozentige Ersparnis für diese Pendler sowie, dass es „keine Verlierer“ gibt. Einziger Nachteil seien die vergleichsweisen hohen Kosten. Der VVS erwartet von der Tarifreform mehr Fahrgäste aus dem Speckgürtel nach Stuttgart und wertet dies als „gezielte Maßnahme in Richtung Luftreinhaltung“. Eine Voraussetzung für die große Lösung ist aus Sicht von Landrat Richard Sigel, dass sich das Land an der Finanzierung beteiligt und dies nicht nur vorübergehend. Für Verkehrsdezernent Peter Zaar stellt die aktuelle Feinstaubdebatte eine „historisch einmaliges Fenster“ dar, um die VVS-Tarifreform umzusetzen.

Einige Beispiele, wie sich eine große Tarifreform für Rems-Murr-Bürger auswirken könnte:

Leutenbach - Schorndorf: Wer heute von Leutenbach nach Schorndorf fährt, zahlt fürs 4-Zonen-Einzelticket 6,50 Euro. Künftig wären theoretisch nur noch zwei Zonen fällig, also 2,90 Euro. Die schnellste Verbindung ist jedoch die S-Bahn und kostet drei Zonen. Wie alle Pendler aus dem Speckgürtel spart auch der Leutenbacher künftig eine Zone gegenüber dem heutigen Zonenmodell, wenn er in die Stuttgarter City fährt.

Welzheim-Stuttgart: Die Pendler vom Welzheimer Wald in die Landeshauptstadt sind bei einer Tarifreform fein raus. Statt sieben sind es nur noch fünf Zonen bis Stuttgart, also beim Einzelticket 6,50 statt 8,60 Euro und beim Jedermann-Monatsabo 167 statt 221 Euro. Deutlich geringer fällt die Ersparnis für den Welzheimer Pendler aus, wenn er nur nach Waiblingen muss: Die Zahl der Zonen reduziert sich um eine auf vier Zonen.

Schorndorf-Stuttgart: Fünf Zonen sind es bisher, künftig wären es beim Ringmodell nur noch deren vier. Die Ersparnis beim Einzelticket beträgt 1,20 Euro und für den Pendler mit einem Jedermann-Monatsticket sind es sogar 24 Euro. Aufs Jahr gerechnet spart diese eine Zone mit einem Firmenticket („Jahresticket Plus“) dem Pendler 274 Euro.

Waiblingen-Stuttgart: Zwei statt bisher drei Zonen machen sich für den Waiblinger Pendler nach Stuttgart durchaus bezahlt. Für sein Monatsticket zahlt er nur noch 86,50 statt 115,20 Euro, fürs Firmentickelt 946 statt bisher 1219 Euro.


Bis zu 4,5 Millionen Euro Mehrkosten

Der VVS-Aufsichtsrat hat sich festgelegt: Künftig sollen die Zonen 10 und 20 in der Landeshauptstadt Stuttgart zu einer Zone vereinigt, die Sektorengrenzen in den Außenringen abgeschafft und die 60er- und 70er-Ringe zusammengefasst werden. Damit würde es in Stuttgart und den Verbundlandkreisen statt 52 Tarifzonen nur noch fünf bis sechs Ringzonen geben.

Die Kosten der Tarifzonenreform betragen bis zu 42 Millionen Euro pro Jahr. Die Kosten entstehen, weil viele Fahrgäste künftig weniger Zonen befahren und damit einen geringeren Fahrpreis entrichten müssen. Auf den Landkreis Rems-Murr kommen nach neuesten Abschätzungen bei der großen Lösung zwischen drei und 4,5 Millionen Euro zu.

Der VVS-Aufsichtsrat hatte beschlossen, die Landeshauptstadt zu einer Tarifzone zusammenzufassen, so dass auch die Ein- und Auspendler in den Talkessel (heutige Zone 10) eine Tarifzone sparen - das entspricht einer großen und damit der teuren Lösung. Im Kreisetat 2018 sind für den öffentlichen Personennahverkehr Zuschüsse in Höhe von rund 25 Millionen Euro bewilligt.

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