Rossmann, Bistro, Platzgestaltung Am Bahnhof Plüderhausen tut sich einiges

Bürgermeister Andreas Schaffer vor dem Plüderhäuser Bahnhofsgebäude: Der Vorplatz ist neu gemacht, links ist das „Bistro im Bahnhof“ eingezogen, rechts hinter den gelben Fensterrahmen stehen weitere Räume noch leer. Foto: Schneider/ZVW

Plüderhausen. Wie vielerorts waren der Plüderhäuser Bahnhof und sein Umfeld lange Zeit eine richtige Schmuddelecke, von der man lieber schnell wegfuhr als gerne dort ankam. Jetzt wandelt sich das Quartier stark und auch in den Bahnhof selbst ist neues Leben eingezogen: Statt düsterer Trinkerkneipe bewirten dort jetzt der Ex-Banker Thomas Birkner und seine Frau Gabriela.

„BAB – Bistro am Bahnhof 1861“ steht draußen an Tür und Betonfassade. Drinnen stehen vier dunkle Holztische, ein Getränkekühlschrank, ein Kaffeeautomat, der auch Suppe kocht, und eine Selbstbedienungstheke. An den Wänden: historische Fotos vom Plüderhäuser Bahnhof, Zeugnisse aus goldenen Bahn-Zeiten, und ein Fahrplan der „Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen“ für die Strecke zwischen Cannstatt und Wasseralfingen, die 1861 eröffnet wurde. In zu Regalen umfunktionierten Obstkisten stehen Nussknacker. „Aus dem Erzgebirge“, sagt Thomas Birkner. Stücke aus der Heimat des 43-Jährigen, er stammt aus Freiberg in Sachsen.

Mit seiner Frau Gabriela Birkner-Klein hat er Anfang Dezember in Plüderhausen das Bistro am Bahnhof aufgemacht. Das Konzept: Morgens gibt es für die Bahnreisenden ab 5.30 Uhr Frühstück „to go“, also zum Mitnehmen, ab mittags stehen Burger auf der Karte, Kreationen wie der „Halloumi-Burger“ mit Grillkäse oder der „Rheinländer“ mit Speck und Laugenbrötchen, dazu Pommes und Salate.

Von Bank und Radiologie zu Bistro und Burgern

Die Idee mit dem Frühstück mussten die Birkners allerdings vorerst wieder auf Eis legen, derzeit öffnet das Bistro erst um 11 Uhr. Nur wenige hätten sich für die Brezeln, Croissants, Pizza-Schnitten und Apfeltaschen interessiert, berichtet Thomas Birkner. „Das hat sich noch nicht rumgesprochen“, vermutet er und befürchtet auch: „Es ist noch eine Hemmschwelle da.“ Es muss vielleicht erst noch in den Köpfen der Plüderhäuser ankommen, dass hier keine schäbige Kneipe mehr ist, sondern ein sauberes Bistro mit ordentlicher Backwarentheke. Als „Katastrophe“ bezeichnet Thomas Birkner, was er und seine Frau hier vorgefunden haben.

Die beiden sind Quereinsteiger in der Gastronomie. „Ich war Banker“, sagt Thomas Birkner. Seine Frau hat als medizinisch-technische Angestellte in einer radiologischen Praxis in Stuttgart gearbeitet. Als das Bankhaus, bei dem er beschäftigt war, geschlossen wurde, schlugen sie gemeinsam neue Wege ein „Wir haben uns einen Traum erfüllt“, sagt Birkner.

Für die Räume im Plüderhäuser Bahnhof hätten sie sich schon länger interessiert, seien aber abgeblitzt. Die Bahn sei ein „aufgeblasener Verwaltungsapparat“. Stattdessen waren die Birkners dann unter dem Firmennamen „Rumsa“ – zusammengesetzt aus ihren Herkunftsländern Rumänien und Sachsen – mit einem mobilen Imbisswagen unterwegs. Mit dem Foodtruck fuhren sie Gewerbegebiete in Loch, Schwäbisch Gmünd und Adelberg an. Auch beim Plüderhäuser Flohmarkt im Oktober waren sie vor Ort. Dann sahen sie, dass die Gemeinde inzwischen Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes war und die Räume zur Verpachtung ausschrieb, und griffen zu.

Das Bahnhofsumfeld wandelt sich

Zugegriffen hatte zuvor auch die Gemeinde Plüderhausen, als die Bahn das Bahnhofsgebäude zum Verkauf anbot. Rund 200 000 Euro, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer, hat die Gemeinde dafür hingelegt. Ein wichtiger Schritt, so Schaffer, da man sonst nicht in der Hand gehabt hätte, was aus dem Gebäude wird. So kann die Gemeinde das komplette Areal nach ihren Vorstellungen gestalten.

Den Anstoß dazu gaben die Aktivitäten von Lidl und Rossmann. Der Discounter hat seine Filiale am Bahnhof modernisiert und umgebaut. Und der Drogeriemarkt ist derzeit dabei, eine neue Filiale direkt gegenüber zu bauen. Die Eröffnung wurde mehrfach verschoben, am 23. Februar soll es nun so weit sein. Bei diesen Entwicklungen, sagt Bürgermeister Schaffer, habe die Gemeinde mitgehen müssen. Das Bahnhofsumfeld sei „ein völlig ungeordneter Bereich“ gewesen, an dem es immer wieder viel Kritik gegeben habe. Auf jeden Fall gab die Gegend einen unguten ersten Eindruck für jeden ab, der mit der Bahn nach Plüderhausen kam.

Jetzt sind die Umbauarbeiten dort noch nicht abgeschlossen, aber schon jetzt bietet das Bahnhofsumfeld ein völlig anderes, ansprechenderes Bild. Gehwege und Straße sind neu gemacht, die Fläche vor dem Bahnhof hat ein helles Steinpflaster bekommen. Acht neue Bäume sollen gepflanzt werden, an der Rossmannfassade außerdem Pflanzen in die Höhe wachsen, Bänke bieten Gelegenheit zum Ausruhen.

Außenbewirtung vor dem Bahnhof ist geplant

Der Bereich zwischen Straße und Gleisen wirkt jetzt ebenfalls geordneter. Auch dort hat die Gemeinde der Bahn Flächen abgekauft. Die Parkplätze bleiben allerdings vorerst provisorisch geschottert. „Der Gemeinderat hat gesagt, mit 350 000 Euro machen wir den Kernbereich vor dem Bahnhof und vor Rossmann“, sagt Bürgermeister Schaffer. Die andere Hälfte des Areals werde man später schönmachen. Zur Gartenschau sollen pinkfarbene Pflanzkübel mit Bäumen Farbtupfer in den Bereich bringen.

Gesucht wird noch ein zweiter Mieter, der die weiteren Räumlichkeiten neben dem Bistro im Bahnhofsgebäude belebt. Thomas und Gabriele Birkner hoffen darauf, dass sich in Plüderhausen noch mehr herumspricht, dass der Bahnhof wieder ein Ort ist, an dem man sich aufhalten kann. Im Sommer wollen sie draußen auf dem neuen Pflaster auch ein paar Tische für die Außenbewirtung hinstellen. Und im neuen Jahr starten die Birkners auch einen neuen Versuch mit dem Frühstück „to go“.


Barrierefreiheit

Neu sind zur Querung der Straße vor dem Bahnhof und für den Weg zu den Gleisen auch Leitplatten im Boden, an denen sich Sehbehinderte orientieren können.

„Der Bahnhof ist jetzt blindengerecht“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. Aber: „Die völlige Barrierefreiheit fehlt.“ Nach wie vor ist die Querung von einer zur anderen Seite des Bahnhofs und damit auch der Zugang zu den Bahnsteigen nur über Treppen möglich, es gibt keinerlei Rampen oder Aufzüge.

Eigentlich, sagt Schaffer, sei das „100 Prozent Zuständigkeit der Bahn“. Aber diese habe sich „aus der Verantwortung gestohlen“ und investiere nur, wenn sich die Kommunen beteiligen. „Der Druck aus der Bevölkerung ist groß“, sagt er, durch die Ansiedlung von Rossmann erhöhe er sich noch, weil noch mehr Menschen von der Westseite des Bahnhofs, etwa aus dem neuen Wohngebiet Weid II, zum Einkaufen herüber wollten. „Das Thema muss der Gemeinderat demnächst intensiv angehen.“

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