Rotes Kreuz Schwäbisch Gmünd Was macht eigentlich die Bergwacht?

Symbolbild. Foto: pixabay (CC0 Public Domain)

Schwäbisch Gmünd. Die Bergwacht im Gmünder Deutschen Roten Kreuz ist 80 Jahre alt. Sprecher Markus Becker erzählt, wie sich deren Aufgaben verändert haben und warum er selbst aktiv dabei ist.

Als Naturschützer haben sie sich vor 80 Jahren zusammengetan: die Gründungsmitglieder der Gmünder Bergwacht. Heute sind die aktiven Mitglieder in erster Linie als Bergretter im Einsatz, um Menschen in unwegsamem Gelände aus Notsituationen zu befreien, sagt Markus Becker, Sprecher der Gmünder Bergwacht. Im Interview erzählt der 31-jährige Straßdorfer von den Aufgaben der Bergwacht und von deren Wünschen zum 80-jährigen Bestehen der Gruppe.

Wie kam es dazu, dass Gmünder vor 80 Jahren die Bergwacht gegründet haben?

Markus Becker: Das lief über den Naturschutz. Die Gründungsmitglieder waren sich einig, dass die Natur ums Kalte Feld schützenswert ist, und riefen mit diesem Ziel die Gmünder Bergwacht ins Leben. Die Gruppe schloss sich dann mit anderen Gruppierungen der Bergwacht in Württemberg zusammen.

Heute kennen wir die Bergwacht vor allem als Rettungsorganisation.

Ja, doch die Rettungstätigkeit der Gruppe kam erst nach und nach hinzu. Denn es zeigte sich, dass es jemanden braucht, der etwa Wanderern nach einem Unfall aus unwegsamem Gelände hilft. Nach dem Krieg nahm der Skitourismus in Degenfeld zu. Die Leute kamen aus Stuttgart mit der Filstalbahn nach Weißenstein und wanderten mit ihren Skiern auf dem Rücken nach Degenfeld auf die Piste. Nach Skiunfällen kam die Bergwacht zum Einsatz. Damit die Leute die Helfer in Notsituationen erreichen konnten, wurden auf dem Kalten Feld an verschiedenen Standorten Feldtelefone eingerichtet, über die man direkt bei der Bergrettungswache rauskam, die jedes Wochenende besetzt war. Die Telefone gab es bis in die 80er und 90er Jahre.

Was hat sich sonst noch verändert – außer dass die Feldtelefone im Handy-Zeitalter überflüssig geworden sind?

Unsere heutige Hauptaufgabe ist die Bergrettung, der Naturschutz ist unsere zweite Säule. Wir sind seit den 90er Jahren in die Alarm- und Ausrückordnung integriert. Die Leitstelle fordert uns bei Notfällen im Altkreis Gmünd an, wenn der Rettungsdienst, die Feuerwehr oder die Polizei im steilen, rutschigen, engen, hohen oder tiefen Gelände nicht weiterkommen.

Wie viele Einsätze hat die Gmünder Bergwacht pro Jahr?

Wir werden etwa 20- bis 40-mal im Jahr alarmiert. Tatsächlich im Einsatz sind wir dann 15- bis 25-mal, denn manchmal gibt uns die Leitstelle noch auf der Anfahrt durch, dass es der Rettungsdienst doch allein geschafft hat, zum Patienten zu gelangen. Doch wir sind froh, wenn wir so früh wie möglich alarmiert werden, obwohl wir dann vielleicht einmal mehr ausrücken müssen. Wir sitzen nicht wie der Rettungsdienst auf der Wache, sondern haben wie Feuerwehrleute Melder. Uns erreicht der Alarm an der Arbeitstelle oder in der Freizeit. Bis wir bei den Einsatzfahrzeugen in unserer Garage am Farrenstall in Bettringen sind, vergehen in der Regel zehn Minuten, und bis wir zum Einsatzort gelangen, weitere wertvolle Minuten. Wenn wir mit den Fahrzeugen nicht weit kommen und am Ende zu Fuß zum Patienten müssen, kann es sich schon ziehen, bis wir vor Ort sind.

Welche Art von Einsätzen schlagen bei der Bergwacht auf?

Das reicht vom Wanderer, der am Hang ausrutscht und sich verletzt, über Gleitschirmflieger, oder wie 2016 ein Ultraleichtflugzeug, die in Bäumen landen, bis hin zum umgekippten Motorschlitten, Skiunfällen oder Abstürzen am Rosenstein.

Nimmt die Anzahl der Einsätze zu?

Die Anzahl der Einsätze ist stark schwankend, aber tendenziell ja.

Woran liegt das?

Mountainbiken, Klettern – die Outdooraktivitäten nehmen zu.

Wenn die Aktiven zum 80-jährigen Bestehen der Bergwacht einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Wir müssen jedes Jahr eine Finanzierungslücke schließen. Von den Krankenkassen bekommen wir pro Einsatz eine Pauschale, die allerdings unsere Kosten nicht deckt. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der Bergwacht, dem Land und den Krankenkassen, um dies zu ändern. Was dabei herauskommt, ist noch offen. Bisher versuchen wir, die Finanzierungslücke mit dem Erlös aus unserem Skibasar aufzufangen, und freuen uns auch über Spenden. Und wir könnten auch zusätzliche ehrenamtliche Helfer brauchen.

Welche Eigenschaften muss ein angehender Bergretter mitbringen?

Jeder ist geeignet, der sich gern draußen in unwegsamem Gelände bewegt und gut im Team arbeiten kann. Vorkenntnisse im Rettungsdienst sind von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Das lernt man in Fortbildungen.

Warum sind Sie seit 2005 als Bergretter aktiv?

Ich mag die Kombination, Bergsport zu machen und anderen helfen zu können.


Die Gmünder Bergwacht

  • Die Bergwacht im Gmünder Deutschen Roten Kreuz ist 1938 gegründet worden. Die Mitglieder stoßen darauf an, verzichten aber auf eine große Feier zum 80-jährigen Bestehen.
  • 37 aktive Mitglieder im Alter von 18 bis 67 Jahren zählen derzeit zur Gmünder Bergwacht, zudem fünf Anwärter, 20 Jugendliche und 183 Fördermitglieder.
  • Bergwacht-Domizile sind die Bergrettungswache auf dem Kalten Feld und die Rettungsstation auf dem Rosenstein. Das zentrale Lager mit den zwei Einsatzfahrzeugen ist im Farrenstall in Bettringen.
  • Zur Ausbildung der Bergwacht gehört eine Basisprüfung, die Grundausbildung Luftrettung, die Bergwacht-Grundlagenprüfung sowie mindestens eine der Fachprüfungen „Rettungsdienst Sommer“, „Rettungsdienst Winter“ oder die Naturschutzprüfung. Zwei bis drei Jahre dauert es in der Regel, bis die Prüfungen durchlaufen sind.
  • Dienste leisten die aktiven Mitglieder außerhalb der Ferien jedes Wochenende am Rosenstein und am Kalten Feld. Dort zeigen sie Präsenz, klettern, wandern und pflegen die Kameradschaft.
  • Interessierte, die sich vorstellen können, aktives Bergwachtmitglied zu werden, kommen einfach bei einem Dienstabend vorbei. Diese sind außerhalb der Ferien jeden Freitagabend im Gasthaus Hirsch in Bettringen.
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