Rudersberg 61 Küken ganz frisch aus dem Ei geschlüpft

Rudersberg. Bei Alexandra Stiltz im Keller wuselt es. Übers Wochenende sind bei ihr 61 drollige und fitte Hühnchen geschlüpft. Sie liebt Hühner und hat ihre muntere Schar im Garten um die Rasse „Cream Legbar“ erweitert.

An der Nippeltränke geht es heiß her: Kleine Schnäbelchen recken sich gierig nach der Wasserzapfstelle, die ihnen Alexandra Stiltz kurz nach dem Schlüpfen gezeigt hat. Die Küken sehen im dicken Flaumkleid aus wie wuselnde Wollknäuel, tapsen etwas tollpatschig umher, immer wieder landet eins buchstäblich auf dem Schnäbelchen. Einige ihrer „Bibberle“ in den vier Aufzuchtboxen haben erst vor einigen Stunden die Eierschale geknackt, die ältesten Tiere aus der Brut sind weniger als zwei Tage alt.

Neugierige Knopfaugen

Nicht nur gelbe „Flauschis“ gucken mit neugierigen Knopfaugen in die Welt. Die Vorstellung vom Küken mit dem gelben Flaum stimme so nicht ganz: „Je nach Rasse kommen Hühner auch mit cremefarbenem, hellbraunem oder dunklem Gefieder zur Welt“, sagt Alexandra Stiltz. Die Küken der Rasse „Cream Legbar“ seien durch einen dunklen Streifen auf dem Rücken von den anderen unterscheidbar. Die Hennen geben Eier mit einer helltürkisfarbenen Schale. Bei „Cream Legbar“-Hühnern sei schon im Kükenstadium das Geschlecht ablesbar, sie seien „kennfarbig“, erklärt die „Küken-Mama“.

Auf das Huhn gekommen ist sie vor fünf Jahren, seit zwei Jahren hält sie sie im Garten. Nach der Arbeit könne sie beim Gekrähe und Gegacker wunderbar abschalten. „Sie sind so unkompliziert, dass ich jeden Tag aufs Neue begeistert bin.“ In einer Box sitzen ihre sechs „Sorgenkinder“: „Es gibt in jeder Brut ein paar Päppelkinder, die es nicht selbst aus dem Ei schaffen“, erklärt sie. Manchen kann sie aus der Pelle helfen, eins sei gestorben.

Die jungen Hühnchen brauchen Wärme

Sobald die Kleinen beginnen, ihre Schale aufzupicken, überwacht Alexandra Stiltz penibel das Thermometer. Sie sorgt dafür, dass die Luftfeuchtigkeit während des Brütens ausreichend hoch ist. „Stimmt der Wert nicht, kann die Schale am Küken hängen bleiben, bei zu geringer Luftfeuchtigkeit würden sie im Ei austrocknen.“ Sie kennt Züchter, die den Brüter öffnen und die trockenen Küken entnehmen, andere helfen nicht nach, bis das allerletzte geschlüpft ist - „das macht jeder ein bisschen anders.“ Sie lässt ihre Brüter bis zu zwölf Stunden geschlossen, nachdem die ersten Küken geschlüpft sind.

Ist der Großteil aus der Schale draußen, entfernt sie die Schalen und füllt etwas warmes Wasser nach - „damit halte ich das Schlüpfklima konstant für die, die nachkommen.“ Was alle Hühnchen nach Verlassen der Schale brauchen, ist Wärme. Die frisch geschlüpften Wesen sitzen in den ersten Tagen auf Wickelunterlagen. „Ich sehe, ob es ihnen zu kalt ist, wenn sie sich zusammenrotten auf einem Fleck“, sagt sie. Umgekehrt zeigen sie an, wenn es ihnen zu heiß ist: „Dann sitzen sie am Rand.“

Ohne Gedränge und Knäuelbildung nebeneinanderliegen

Ziel sei, dass sie nebeneinanderliegen, ohne Gedränge und „Knäuelbildung“. Etwa zwei Tage können sich die Kleinen mit dem eigenen Dottersack ernähren, dann zeigt Alexandra Stiltz ihnen, wo sie Futter finden. „Ich nehme ihr Köpfle und führe es zur Tränke und zum Futterspender.“ Ihre Erfahrung: „Sie lernen schneller als die Küken, die bei der Glucke aufwachsen.“ Sechs Wochen wachsen die Vögel in der Aufzuchtbox, dann werden sie ans Freie, die Temperatur und die Hühnerfamilie gewöhnt.

20 Hennen und drei Hähne picken und scharren zwischen Obstbäumen auf der Wiese - Freilandhaltung pur. Eine Seidenhuhn-Henne hat bereits drei Küken bei Fuß. „Ihr ist an Weihnachten überraschend eingefallen, dass sie brüten will“, sagt Alexandra Stiltz lachend. Dann kräht es. Gockel Amadeus meldet sich zu Wort. Sofort werden alle Gockel munter. „Ein Krähruf kommt selten allein“, weiß sie. Jeder gibt seinen Standort durch - auch Amadeus. Er ist der Zuchtgockel. Seine Sichelfedern hat er stolz aufgestellt. Sie glänzen, als hätte er sie bei der „Morgentoilette“ mit Pomade eingerieben. Majestätisch sieht er aus, wenn er im Gehege umherschreitet. Ab und zu gackert daneben eine der Damen.

„Ich habe sie von klein auf dran gewöhnt, in den Arm genommen zu werden“

„So ein Gockel hat manchmal seine Lieblingshenne“, weiß Alexandra Stiltz. Sie lässt zwei Gockel draußen, die auf die Hennen und später auch auf die frisch geschlüpften Hühner aufpassen sollen. „Der Schutz gegen Feinde, etwa gegen Fuchs oder Greifvögel, ist im Zweierteam besser.“ Und wie reagieren die Nachbarn? „Sehr positiv. Die direkte Nachbarin ist inzwischen auch Hühner-Fan, wir müssen sie nicht mal mehr mit einem Frühstücksei bestechen.“

Es ist ein wunderschönes Hobby, und überhaupt kein Hexenwerk“, sagt Alexandra Stiltz. Sie hält seit zwei Jahren in ihrem Hausgarten und im „Stückle“ 20 Hennen und drei Gockel, darunter sind auch Seidenhühner. Sie haben Federn an den Füßen und geben kleine Eier mit rosafarbener Schale. „Für ein Frühstücksei sind sie etwas zu klein, aber zum Kuchenbacken einmalig“, sagt Alexandra Stiltz. Seidenhühner sind sehr standorttreu - ihre lieben zudem Streicheleinheiten.

„Ich habe sie von klein auf dran gewöhnt, in den Arm genommen zu werden“, erklärt sie. „Für Kinder sind sie ganz toll, weil sie ein weiches, fellartiges Gefieder haben.“ Die Rasse sei pflegeleicht, weil sie jeden Abend in ihren Stall zurückfinden. Sie sind robust und für die Freilandhaltung geeignet, auch ohne Einzäunung. Ein Elektrozaun sei aber sinnvoll - zum Schutz gegen Autos, Hunde und Greifvögel.


Sogar Balkone eignen sich

Hühnerhaltung sei auch im kleinen Garten und sogar auf dem Balkon möglich, meint Alexandra Stiltz. „Im Hochhaus auf einem Minibalkon vielleicht eher nicht, aber ab Reihenhausgartengröße ist es machbar.“ Platzbedarf und Arbeitsaufwand seien vergleichbar mit Kaninchen oder Meerschweinchen. Im Gegensatz zu Hasen können Hühner gut in Gemeinschaft gehalten werden. „Außerdem stinkt trockener Hühnerkot nicht“, erklärt sie. Auf dem Balkon empfiehlt sie einen Stall, der mit Sägespänen ausgelegt wird. Eine Sitzstange und ein Legenest dazu, auch ein Sandbad seien sinnvoll fürs liebe Federvieh.

Während auf Leistung gezüchtete Hybrid-Legehennen im Schnitt ein Ei pro Tag legen, bringen es Rassehühner auf bis zu 180 Eier pro Jahr. Ihr Gefieder ist gepflegter und weniger verschlissen als das der Legehennen. Über die Farbe der Eierschale entscheidet die „Ohrscheibe“.

Alexandra Stiltz will Haustiere nicht nur zum Streicheln. „Sie sollten einen Nutzen haben, für den eigenen Bedarf.“ Mit der Hühnerhaltung wende sie sich bewusst von der Massentierhaltung ab. Schon ihre Oma hatte Hühner, die sie auch geschlachtet hat. Auch Familie Stiltz isst hin und wieder eines der eigenen Hühner. „Bei uns kommen sie ohne Tiertransporte an“, sagt sie. Um ihre Hühnerfamilie um die Rasse „Cream Legbar“ zu erweitern, hat sie befruchtete Eier in den Brutautomaten gesetzt. Einige Küken möchte sie beim Kükenmarkt am Ostermontag verkaufen. „Rassehühner sind außer über den Kleintierzuchtverein schwer zu bekommen“, sagt sie, die Mitglied im Kleintierzuchtverein Urbach ist.

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