Rudersberg Erlöserkirche wird zu Kindergarten umgebaut

Die ehemalige Kirche war Gotteshaus und Pastorenwohnung in einem. Foto: ZVW/Mathias Ellwanger

Rudersberg. Einst haben Methodisten im Steinhaldenweg 5 gebetet, dann waren eine Zeit lang Flüchtlinge in dem Haus untergebracht. Jetzt wird dort ein Kinderhaus entstehen. Noch bis Ende des Jahres soll der Kindergarten mit dann 60 Plätzen eröffnet werden.

Löcher in den Böden und Kreuze auf Wänden künden bereits davon, dass im Steinhaldenweg 5 bald kaum ein Stein mehr auf dem anderen stehen wird. Die Gemeinde hat Böden und Decken inspiziert, festgelegt welche Wände wegkommen. Alle Vorbereitungen sind getroffen für den Ausbau der Kindertagesbetreuung in Rudersberg. Ein Projekt, das in der Gemeinde aufgrund seiner Größe mit drei Gruppen nicht nur Zustimmung gefunden hat, das aber dringend benötigt wird, wie Bauamtsleiter René Schaal berichtet. Aktuell gebe es eine Notgruppe im Mörikeweg. Der Bedarf an Plätzen ist also zweifellos da.

Der Kindergarten wird drei Gruppen beherbergen

In der ehemaligen Kirche (siehe: Ein Gebäude mit langer Geschichte) hat die Gemeinde nun die Möglichkeit, sich dafür auch die passenden Bedingungen zu schaffen. Einiges soll sich in dem Gebäude ändern. Es wird durch den Aufbau eines dritten Stockwerks im hinteren Bereich, wo bislang ein Flachdach ist, vergrößert. Die Deckenhöhen werden angepasst. Wände eingerissen oder aufgebaut. „Es wird viel entkernt“, sagt Schaal. Und somit die räumliche Aufteilung an die Bedürfnisse eines Kindergartens angepasst.

Im Erdgeschoss entsteht eine Gruppe für unter Dreijährige. Zehn Kinder sollen hier nach dem Umbau Platz haben. Dazu wird ein großer Gruppenraum geschaffen, außerdem werden die Toiletten kindgerecht saniert und mit einem Wickelraum versehen. Die bisherige Haupttreppe kommt weg, so dass ein großzügiger Eingangsbereich entstehen kann. Dafür wird die Nebentreppe erneuert und ein Essensaufzug eingebaut.

Der erste Stock bekommt nämlich eine neue Küche. Und wo sich jetzt noch der einstige Gebetssaal mit seinen Nebenräumen befindet, wird komplett neu strukturiert. Die Deckenhöhe des modernen Sakralbaus wird reduziert, der ganze Stock aufgeteilt in zwei jeweils 48 Quadratmeter große Gruppenräume mit einem WC-Trakt in der Mitte sowie zwei je 22 Quadratmeter große Kleingruppenräume.

Der Anbau bekommt ein weiteres Stockwerk für einen Gruppenraum

Das Flachdach im hinteren Bereich wird ersetzt durch eine Betondecke. Darüber kommt ein weiteres Stockwerk mit abgeflachtem Runddach. Auf gut 60 Quadratmetern wird somit mehr Raum geschaffen für die Kinder. Der ist nötig, weil das Gebäude zwar einen 340 Quadratmeter großen Garten hat, der auch vom Erdgeschoss aus direkt begehbar ist. Dieser aber für die geplante Anzahl an Plätzen den Vorschriften entsprechend nicht ausreichend groß ist. In dem zusätzlichen Stockwerk wird ein Gruppen- und Bewegungsraum entstehen.

Während der hintere Teil des Gebäudes also höher wird, kann das Satteldach auf der Ostseite zum Steinhaldenweg um etwa einen Meter abgeflacht werden. Dort gibt es bereits einen zweiten Stock, in dem gut zwei Jahre lang Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung gewohnt haben. Künftig sollen hier die Verwaltungsräume sein. Mit einem Verbindungsgang wird es dann möglich sein, vom Gruppenraum in das Bestandsgebäude zu gelangen.

Als Erstes werden jetzt die Holzbauteile entfernt, Ende April sind die Dächer und Innenausbauten dran. Bis Ende November plant die Gemeinde Rudersberg mit der Fertigstellung.

Das Projekt kostet rund 1,6 Millionen Euro. Nach dem Bund-Länder-Investitionspakt Soziale Integration im Quartier (SIQ) wird es mit rund 780 000 Euro gefördert. Noch keine Zusage hat die Gemeinde indes über weitere 70 000 Euro aus dem Investitionsprogramm des Bundes zur Kinderbetreuungsfinanzierung.


Ein Gebäude mit langer Geschichte

  • Die evangelisch-methodistische Gemeinde in Rudersberg wurde Anfang der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts gegründet. Die Methodisten trafen sich in allen Teilorten des heutigen Rudersberg in Stubenversammlungen, suchten darüber hinaus aber auch eine zentrale Versammlungsstätte.
  • 1905 wurde das Gebäude im Steinhaldenweg gebaut, damals das erste Haus in dem neuen Baugebiet. Die Methodisten trafen sich weiter in den Stubenversammlungen, kamen darüber hinaus in der neu gebauten Erlöserkirche zusammen, die auch eine Pastorenwohnung enthielt.
  • 1914 wurde eine erste Erweiterung im Osten des Gebäudes gebaut (das Gebäude wurde verbreitert). Danach gab es einen weiteren Erweiterungsbau im Westen.
  • 1976 entstand der große, moderne Anbau im Süden mit Unterkellerung und Gruppenräumen.
  • 2010 wurde der Kirchenbezirk mit Welzheim und Alfdorf vereinigt. 2014 fiel die Rudersberger Pastorenstelle weg. Die Gottesdienste wurden auf den Abend verschoben, weil nur noch ein Pastor da war, der drei Gottesdienste pro Sonntag halten musste, für Alfdorf, Welzheim und Rudersberg.
  • 2015 folgte der Anschluss an die Morgengottesdienste in Welzheim.
  • Die Erlöserkirche wurde 2015 an die Gemeinde Rudersberg verkauft.
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