Rudersberg Rudersberg bekommt Klimamanager

Die Elektrotankstelle vor dem Rudersberger Rathaus. Der Amtsbote der Gemeinde ist heute schon mit einem E-Auto unterwegs. Wo die Gemeinde in Sachen Klimaschutz steht und was sie noch verbessern kann, darum soll sich ab Januar Klimamanager Rudolf Scharer kümmern. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Rudersberg.
Einstimmig hat der Rudersberger Gemeinderat sich für die Einstellung eines Klimamanagers ausgesprochen. „Klimaschutz kann man nicht mal so eben machen“, sagte Bürgermeister Raimon Ahrens in seiner kurzen Begründung im Gemeinderat. Doch konkrete Pläne oder gar Ziele, was in Sachen Klima passieren soll, gibt es noch keine, ergibt die Nachfrage bei Bürgermeister Ahrens und dem zukünftigen Klimamanager Rudolf Scharer.

Weil das Thema innerhalb der Verwaltung sehr weitläufig sei, habe man sich für diese Lösung entschieden. „Beim Klimamanager sollen in Zukunft die Fäden zusammenlaufen“, sagt Raimon Ahrens. In erster Linie gehöre zu seiner Aufgabe, festzustellen, wo die Gemeinde derzeit steht. Wo die Gemeinde dann beispielsweise Energieeinsparungen vornehmen kann, das soll im zweiten Schritt deutlich werden.

Nicht erst seit Fridays for Future und Greta Thunberg sei es der Gemeinde ein Anliegen, etwas fürs Klima zu tun, meint der Bürgermeister. Bereits bei der Klausurtagung des Gemeinderates im Januar habe man sich auf die Schaffung der Stelle verständigt. Und auch in den vergangenen Jahren sei es in Rudersberg ein Thema gewesen. Unter anderem habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren diverse Fotovoltaikanlagen auf ihren Gebäuden installiert. Außerdem sei der Amtsbote mit einem Elektroauto unterwegs. Als weiteres Beispiel führt er die Blühstreifen und Insektenhotels, die von der Gemeinde angelegt worden seien, an. Auch wenn es sich dabei eher um Umweltschutzmaßnahmen handelt, erwähnt der Bürgermeister diese. Denn in Zukunft sollen beide Bereiche beim Klimamanager liegen.

Ruft Rudersberg bald den Klimanotstand aus?

Konkrete politische Veränderungen hin zu mehr Klimaschutz sind in Rudersberg aber bisher nicht geplant. Während andere Städte und Gemeinden in den vergangenen Monaten beispielsweise einen Klimanotstand ausriefen, sei das in Rudersberg nicht geplant, erklärt Bürgermeister Raimon Ahrens. Die Gemeinde Rudersberg plane derzeit lediglich, in den European Energy Award einzusteigen. Dabei handelt es sich um ein internationales Qualitätsmanagement und Zertifizierungsinstrument für kommunalen Klimaschutz.

„Gesellschaftlich hat das Thema an Bedeutung gewonnen“, erklärt Raimon Ahrens. Neben den verschiedenen politischen Ebenen sei auch jeder einzelne Bürger gefragt, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und etwa häufiger mal die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Was der Bürgermeister selbst fürs Klima macht? „Ich versuche, regional einzukaufen“, sagt Ahrens, der allerdings bislang täglich mit dem Auto zur Arbeit fährt.

Wer die Stelle ab Januar übernehmen soll, steht bereits fest: Rudolf Scharer, der Schlechtbacher Ortsvorsteher. Bislang war er kaufmännischer Leiter des Bauhofes. Seine Aufgabe wird dort in Zukunft jemand anderes übernehmen müssen. In Weissach im Tal war Scharer vor seiner Tätigkeit in Rudersberg Umweltbeauftragter, fachfremd ist er also nicht.

Scharer freut sich auf die neue Herausforderung, auch wenn er bedauert, seine Kollegen vom Bauhof verlassen zu müssen. Er plane, in den nächsten Monaten eine Bestandsaufnahme zu machen. Er möchte herausfinden, wo Rudersberg bislang gut dasteht und wo es Nachholbedarf gibt.

Die ersten daraus resultierenden Maßnahmen will er dem Gemeinderat dann im Herbst kommenden Jahres präsentieren. Konkrete Pläne kann auch er noch nicht nennen. Man wolle in der Sache nicht „hyperaktiv agieren“, sagt Rudolf Scharer. Er sieht sich selbst als Pragmatiker und warnt: „Wir sollten nicht einen Kopfsprung in ein Schwimmbecken machen, von dem wir nicht wissen, wie tief es eigentlich ist. Neben Ahrens erklärt auch Scharer, wo die Gemeinde bereits etwas getan habe, um CO2 einzusparen: „Wir sanieren in Schlechtbach beispielsweise den Kindergarten, so sparen wir in Zukunft Energie“, erklärt er.

Urbach entschied sich kürzlich gegen einen Klimamanager

Auch in anderen Gemeinden wurde in den vergangenen Monaten über einen Klimamanager diskutiert. Unter anderem die Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen hatte sich dafür eingesetzt. Doch die Gemeinderäte gaben ihr dafür mehrheitlich kein grünes Licht. Sie waren der Meinung, die grundsätzlichen Personalprobleme im Bauamt müssten vorher gelöst werden, bevor eine solche Stelle ins Leben gerufen werden könne. Lediglich die grünen Gemeinderäte stimmten im September mit Bürgermeisterin Martina Fehrlen für die Einrichtung einer solchen Stelle.

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