Rudersberg Rudersberg wird Logistik-Knotenpunkt

„Es ist ein gutes Miteinander zwischen uns und Weru. Wenn Weru mal weniger Flächen braucht, können wir diese Schritt für Schritt belegen. Umgekehrt gilt aber dasselbe“, sagt Dietmar Wiedmann, Geschäftsführer der Wiedmann-Logistik-Gruppe. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Rudersberg. Das Weru-Gelände in Rudersberg ist größtenteils an die Wiedmann-Gruppe verkauft worden. Die ist dabei, dort ein Logistikzentrum aufzubauen. Weru hat rund 80 Prozent der Hallenfläche zurückgeleast, um sich weiter auf die Modernisierung der Türen-Produktion zu konzentrieren. Das Verwaltungsgebäude bleibt Eigentum von Weru. „Rudersberg wird unser Zentralstandort bleiben“, sagt der technische Geschäftsführer Dr. Frank Fleissner.

„Stopp – Zutritt nur für Mitarbeiter, Weru Group“ – ein unscheinbares Schild an einer Mauerecke in der Industriehalle der Adresse Zumhofer Straße 25 in Rudersberg weist eine unsichtbare Grenze aus.

Jenseits davon konzentriert sich die Firma Weru auf momentan noch 80 Prozent der Hallenfläche auf die Türen-Produktion. Diesseits davon hat die Wiedmann-Logistik-Gruppe bereits etwa 20 Prozent der Halle für Lagerplätze und Lagerregale in Beschlag genommen – zur Kommissionierung von Stahlteilen und Metall-Langgut für Kunden im Maschinenbau und der Automobilzulieferer-Industrie.

Dietmar Wiedmann zeigt sich bei einem Rundgang mit der Situation sichtlich zufrieden. „Endlich können wir unsere Kundenanfragen nach speziellen Lagerlogistik-Dienstleistungen zufriedenstellen und unsere Geschäfte zukunftssicher auf- und ausbauen.“

Lange Jahre der Suche nach einem Standort zur Expansion

Lange Jahre hatten sie auf so eine Chance wie in Rudersberg gehofft. Während der allgemeinen Wirtschaftskrise 2008 musste sich die Spedition umorientieren. Um zukunftsfähig zu bleiben, galt ein Geschäftsausbau als unumgänglich. „Wir wollten an unserem Stammsitz Böbingen eigentlich gerne ein großes Logistikzentrum aufbauen“, sagt Wiedmann.

Es kam zu wiederkehrenden Diskussionen mit der Gemeinde wegen der Ausmaße eines solchen Logistikzentrums, der Verkehrsbelastung, der Lkw-Frequenzen und auch wegen neuer Zufahrten. „Auch stellte sich die Gemeinde Böbingen vor, dass wir größtenteils die Kosten für den notwendigen Straßenbau übernehmen. Wir wollten einen Kreisverkehr, die Behörden bestanden auf einer Ampelkreuzung. So ergab sich, dass wir letztlich keine Baugenehmigung für eine Vergrößerung bekamen.“

Im Sommer 2009 gründete Wiedmann eine Niederlassung im badischen Bühl. Im Herbst 2009 folgte die Übernahme des Sachsenheimer Unternehmens Mundinger Transport. 2013 ging auch die Rudersberger Spedition Knecht in der Wiedmann-Gruppe auf. Derweil wuchs der Bedarf an einem Standort für ein gemeinsames Logistikzentrum. Kaum ein Rathaus im Großraum Stuttgart, in dem Wiedmann nicht anfragte und sich nach möglichen Flächen mit Industriegebäude-Bestand oder zwecks Neubau erkundigte. Überall Kopfschütteln.

So auch in Remshalden, in Urbach oder in Schorndorf: „Wir interessierten uns dort 2015 für das ehemalige Bauknecht-/Whirlpool-Areal. Aber der Investor entschied sich für Löffelhardt“ – ein elektrotechnischer Großhandel, der vormals in Fellbach angesiedelt war. Die Suche ging weiter.

„Erste Anzeichen, dass sich der Eigentümer H.I.G. und die Weru-Manager einen Verkauf der Flächen in Rudersberg vorstellen könnten, nahmen wir 2018 wahr“, sagt Dietmar Wiedmann. Die Weru-Gruppe wolle sich auf ihre Kernkompetenzen, die Herstellung von Türen und Fenstern, konzentrieren, und nicht auf das Liegenschaftsmanagement, hieß es. Das bestätigt der technische Weru-Geschäftsführer Dr. Frank Fleissner. „Und da die Fensterproduktion 2016 nach Triptis in Thüringen verlagert worden ist, und wir die Türenherstellung in Rudersberg bündeln und modernisieren, entstanden und entstehen nicht genutzte Leerflächen in der Halle.“ Da kam Wiedmann gerade recht. Ein Immobiliendeal wurde unter Dach und Fach gebracht.

Fleissner betont: „Wir stehen zum Zentralstandort Rudersberg und haben aktuell mehrere Millionen Euro investiert in die Modernisierung der Fertigungsverfahren.“ Produktionsprozesse seien optimiert, die Flächenproduktivität gesteigert worden. Das Verwaltungsgebäude rechts der Wieslauf bleibe Eigentum der Weru-Gruppe.

Im thüringischen Triptis ist ein ähnliches Grundstücksgeschäft vonstattengegangen. Hier hieß der Käufer: Fliegl Energie-Verwaltungs-GmbH. Und auch in Triptis least Weru Flächen zurück.

Bündelung von drei Logistikern einer Unternehmensgruppe

Die Wiedmann-Logistik-Gruppe plant, Rudersberg zu ihrem Zentralstandort zu machen – was im Branchenjargon „central hub“, zentraler Knotenpunkt, zentrales Drehkreuz, genannt wird. Außer der „letzten Meile“ über Michelau und Miedelsbach von und zur B 29 und über Allmersbach und Backnang von und zur B 14 sei die Lage von Rudersberg verkehrstechnisch gesehen sehr günstig, sagt Dietmar Wiedmann.

Die Spedition Knecht ist ja schon am Ort, Mundinger Transporte ist 2015 von Sachsenheim ins Wieslauftal gezogen, und die Spedition Wiedmann möchte Böbingen innerhalb von zwei Jahren aufgeben und ebenfalls nach Rudersberg umsiedeln.

Und die Lkw-Belastung?

Die Verkehrsbelastung, insbesondere aufgrund von Lkw-Fahrten, ist in den Ortschaften im Wieslauftal seit Jahrzehnten ein heiß diskutiertes Thema.

  • Haubersbronn bekam seine Ortsumfahrung im Jahr 2010.
  • Schorndorf und Rudersberg ringen seit Jahren um den möglichen Verlauf einer Umgehung der Ortschaft Miedelsbach. Lösungen deuten sich aktuell an, Schorndorf könnte bald die Vorplanung anstoßen, hieß es in der Sitzung des Technischen Ausschusses vergangenen Dienstagabend. Der Bau der Umgehung könnte aber nach Expertenmeinung frühestens 2026/27 beginnen, bestätigt Manfred Beier, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung. Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) ist beteiligt.
  • Laut aktueller Verkehrszählung, die die Stadt Schorndorf in Absprache mit dem RP in Auftrag gegeben hatte, fahren momentan 16 500 bis 18 100 Fahrzeuge täglich durch Miedelsbach. Der Lkw-Anteil, also Fahrzeuge mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen, liegt bei 3,8 Prozent (täglich 627 bis 688 Lkw). Laut Prognose wird die Verkehrsbelastung in Miedelsbach bis 2035 um weitere fünf Prozent steigen und der Schwerkraftverkehr um ein Drittel zunehmen. „Das liegt dann aber wohl auch an den zunehmenden Bestellungen im Internet, der Auslieferung per Paketdiensten und der allgemein leider zunehmenden Verlagerung von Waren-Transporten auf die Straße“, sagt Manfred Beier.
  • „Die Belastung mit Lkw-Verkehr wird durch unsere Ansiedlung eines Logistikzentrums auf dem Weru-Gelände in Rudersberg im Vergleich zu früher nicht ansteigen“, betont indes Dietmar Wiedmann. Die zur Wiedmann-Gruppe gehörende Spedition Knecht organisiere seit jeher Teile der Logistik für Weru von Rudersberg aus. Die einhergehende Lkw-Frequenz habe hier in den vergangenen Jahren sogar deutlich abgenommen, da Weru 2016 die Fensterproduktion nach Triptis verlagert habe und in Rudersberg nur noch Türen gefertigt werden.
  • Bei den Logistikdienstleistungen, die die Wiedmann-Gruppe ihren anderen Kunden anbiete, handele es sich vor allem um die Lagerhaltung und das Kommissionieren. „Da haben Sie keine täglichen Lkw-Fahrten oder Just-in-Time-Lieferungen“, betont Wiedmann. Man schaffe zudem in Rudersberg neue Arbeitsplätze. „Zuletzt haben wir fünf neue Leute für die Lagerhaltung hier eingestellt. Und es werden noch mehr folgen.“
  • Die drei Unternehmen der Wiedmann-Gruppe (Wiedmann, Mundinger, Knecht) verfügen über einen Lkw-Fuhrpark von 65 Fahrzeugen und haben zusammen rund 80 Mitarbeiter inklusive zwei Azubis.
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