Rudersberg Sparkassen-Schließung: Was sich für Kunden ändert

Hat sich, wenn auch ohne Erfolg, für den Erhalt der Steinenberger Filiale eingesetzt: Ortsvorsteher Wilfried Hägele. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Rudersberg.
Bargeld, das per Post zugeschickt wird oder im Automat nur noch nach einer langen Anfahrt verfügbar ist: In Rudersbergs Teilorten ist das für Kunden der Kreissparkasse demnächst Realität. Denn die beiden letzten Teilortfilialen in Steinenberg und Schlechtbach werden im März schließen. Dann wird es dort auch keinen Geldautomaten mehr geben. Die Filiale im Kernort wird dafür gerade zu einem Beratungszentrum ausgebaut.

Für Wilfried Hägele, Ortsvorsteher von Steinenberg, ist das bedauerlich. Seit seinem Amtsantritt im Oktober hat ihn das Thema konstant begleitet. „Das bewegt die Steinenberger“ – und keineswegs, wie von der Sparkasse behauptet, nur die Kommunalpolitiker. In nahezu jeder Ortschaftsratssitzung sei es seither diskutiert und von Bürgern eingebracht worden. Die Sorge ist groß, dass Steinenberg abgehängt wird. Hägele sieht die Bank hier in der Pflicht. Schließlich sei sie keine wie jede andere. Der Landkreis ist Gewährleistungsträger, im Verwaltungsrat sitzen Kommunalpolitiker. Kurzum: „Die Kreissparkasse hat hier einen Versorgungsauftrag.“

Erfolglose Gespräche zwischen Gemeinde und Bank

Das sieht Bürgermeister Raimon Ahrens auch so, er hat deshalb im Vorfeld das Gespräch mit der Kreissparkasse gesucht. Auch haben die Ortsvorsteher Wilfried Hägele (Steinenberg) und Rudolf Scharer (Schlechtbach) zusammen mit Ahrens ein Schreiben aufgesetzt. Die Sparkasse, heißt es darin, habe „einen Auftrag, der mehr umfasst als das reine Finanzgeschäft“. Gerade die Versorgung und Betreuung der Bürger in der Fläche sei eine wichtige Aufgabe der Kreissparkasse. Doch die Initiativen der Gemeindevertreter blieben letztlich ohne Erfolg. „Eine zutiefst bedauerliche Entscheidung“, wie Ahrens findet.

Zum 27. März werden die Standorte in Schlechtbach und Steinenberg definitiv geschlossen, teilt die Kreissparkasse auf Anfrage mit. Drei Tage später, am 30. März, wird dann im Kernort das neue Beratungszentrum eröffnet. „Wir haben viel in den Standort investiert und werden unseren Kunden dort moderne und großzügige Räumlichkeiten sowie eine zeitgemäße, ganzheitliche und diskrete Beratung bieten“, so Pressesprecherin Kathrin Obergfell. Die beiden Teilort-Filialen werden an dem Standort zusammengeführt. Die Kunden behalten weiterhin ihre bisherigen Berater. Am Standort Rudersberg gebe es für die Kunden dann künftig drei Ein- und Auszahler, zwei Münzeinzahler sowie drei Kontoserviceterminals. Beratungen würden weiterhin vor Ort im persönlichen Umfeld stattfinden.

In Steinenberg und Schlechtbach wird es dann ab April aber keine Geldautomaten mehr geben. Das sieht Hägele besonders kritisch. Steinenberg hat keinen Anschluss an die Wieslauftalbahn und die Landesstraße. Gerade für ältere Bürger sei das ein Problem. Schließlich müssten die Einwohner des Teilorts dann für den nächsten Sparkassen-Geldautomaten nach Rudersberg oder Schorndorf fahren, was schon alleine aus ökologischen Gründen problematisch sei. Oder sie müssen kostenpflichtig den der Volksbank-Filiale nutzen. Wie lange es diese noch gibt, ist indes ebenso fraglich. Das Gebäude soll laut Hägele verkauft werden.

Dass die Steinenberger Filiale nicht sehr wirtschaftlich gewesen sein kann, ist auch dem Ortsvorsteher klar. „Wir sind ja nicht weltfremd.“ Dass die persönliche Beratung in der Filiale wegfalle, dafür habe er deshalb durchaus Verständnis. Hägele hätte sich aber gut vorstellen können, dass die beiden Banken, zumindest für einen Geldautomaten, kooperieren. Oder ein externer Dienstleister einen Automaten am bisherigen Standort aufstellen lässt.

Kunden können sich mit der Post Geld nach Hause schicken lassen

Doch auch das wäre aus Sicht der Kreissparkasse unwirtschaftlich. Seit mehreren Jahren beobachtet man dort, dass die Zahl der Kundenbesuche in kleinen Filialen immer weiter zurückgeht. Immer mehr Kunden bevorzugen die digitale Abwicklung ihrer Bankgeschäfte oder zentral gelegene Filialen als Anlaufstelle. Deshalb ist es die Strategie der Bank, gezielt in Standorte zu investieren, die eine ohnehin hohe Kundenfrequenz aufweisen.

Wer Bargeld benötigt, kann sich dieses künftig nach Hause schicken lassen. Bis zu 500 Euro können Kunden per Post von der Sparkasse bekommen. Außerdem bieten viele Supermärkte das Abheben beim Einkauf an. Beides sind aus Sicht von Hägele aber keine idealen Lösungen.

Für die Kreissparkasse geht es bei anstehenden Veränderungen vor allem um ihre „Zukunftsfähigkeit“, so Sprecherin Obergfell. Ortsvorsteher Hägele hingegen liegt vor allem die Versorgung mit Infrastruktur auf dem Land am Herzen. „Es ist wichtig, dass auch eine Bank vor Ort ist.“ In Rudersbergs Teilorten wird das bald nicht mehr der Fall sein.

  • Bewertung
    13
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!