Rudersberg/Welzheimer Wald Coronavirus sorgt für Unsicherheit bei Tageseltern

Ein Jahr ist es her, dass der Tagesmütterverein Welzheimer Wald seine zweite Tiger-Gruppe in Welzheim eröffnet hat. Momentan werden die Räumlichkeiten zur Notbetreuung für Kinder von Eltern genutzt, die in systemrelevanten Berufen tätig sind. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Rudersberg/Welzheimer Wald.
Bei allem, was in den kommenden Wochen und Monaten wegen des Coronavirus wohl an Entbehrlichkeiten auf die Tagesmütter und -väter zukommt, ist Ingrid Gulden „sehr stolz“ darüber, wie sie mit der Situation umgehen. Die Geschäftsführerin des Tagsmuttervereins Welzheimer Wald berichtet von einem „großen Verantwortungsbewusstsein“, einer „hohen Solidarität“, aber natürlich auch von „Verunsicherung und Ängsten, da nicht geklärt ist, wie es mit den Geldleistungen weitergeht“.

Denn anders als fest angestellte Erzieherinnen und Erzieher sind Tagesmütter quasi selbstständig, erhalten also keine Lohnfortzahlung. „Da ist die Politik gefordert“, sagt Gulden. Der Verein hofft auf eine landesweite Regelung, damit sie jetzt wegen Corona nicht ins Bodenlose fallen. „Tagesmütter sind alle Unsicherheit gewohnt und dennoch sehr besorgt.“

Unbürokratische Lösungen für die Tagespflege erhofft

Die vom Land am Montag beschlossenen Hilfen für Soloselbstständige seien „prinzipiell gut“, findet Gulden. Allerdings hofft sie noch auf eine weniger bürokratische Lösung, nämlich dass die Geldleistung für Verträge bis zum 13. März über die Jugendämter weitergewährt wird. „Derzeit raten wir dazu, noch keine Anträge zu stellen, da Zuschüsse bei einer Weitergewährung zurückbezahlt werden müssten“, was ein ziemliches Chaos zur Folge hätte.

Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene gebe es im Moment politische Bemühungen, um für die Tagesmütter und Tagesväter einen unbürokratischen Weg zu finden. „Damit wäre schon mal eine große Gruppe der Soloselbstständigen versorgt.“

Betroffen ist von den Schließungen nämlich die überwiegende Mehrheit der Tagespflegestellen: 59 gibt es aktuell im Verbreitungsgebiet des Vereins, zu dem Rudersberg, Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach gehören. Nur noch acht sind seit vergangener Woche im Einsatz. Und das unter durchaus schwierigen Bedingungen. Immerhin: Der Landkreis hat zugestimmt, dass Kinder über die Tagespflegestellen in die Notbetreuung gehen können – und auch mehr Stunden als normal bezahlt werden.

Kontakte möglichst auf ein Minimum reduzieren

„Das war ein harter Kampf“, sagt Gulden über die Gespräche mit den Kommunen im Kreis darüber, dass Kinder möglichst an nur einer Stelle betreut werden. Ein Wunsch, den der Verein schon länger hegt. Dass Kinder, wie vor Corona, nach der Ganztagsschule noch eine Tagesmutter aufsuchen, müsse nicht sein und ließe sich einfach vermeiden, indem die Tagespflege bereits früher eingesetzt werden kann.

In der Corona-Krise hat das Thema natürlich eine noch größere Dringlichkeit. Jetzt gilt es, Kontakte möglichst auf ein Minimum zu reduzieren. Was in einer Betreuungssituation natürlich nicht so einfach ist. Deshalb werden in den Stellen nur jene Kinder betreut, die bisher bereits dort waren. „Und wir versuchen zu verhindern, dass Kinder aus zwei Familien gemeinsam betreut werden“, sagt Gulden.

Es soll keine Durchmischung geben und alles möglichst kleinteilig ablaufen. Oberstes Ziel sei es, Infektionsketten zu vermeiden. Schließlich seien die Eltern der Kinder in der Krise besonders wichtige Stützen dieser Gesellschaft. „Da darf jetzt keiner umfallen!“

Nach der Corona-Krise könnte es zu Betreuungs-Engpässen kommen

Vergangene Woche, als noch kein Kontaktverbot galt und bis Mittwoch noch viele Geschäfte geöffnet hatten, gestaltete sich das zum Teil äußerst schwierig, berichtet Gulden. Da seien dank des sonnigen Wetters die Eisdielen noch voll und die Schlangen davor lang gewesen. Den Kindern dann zu erklären, dass sie leider kein Eis bekommen, sei zwar keine schöne, aber doch eine notwendige Aufgabe.

Wichtig sei es jetzt aber nicht nur, die Kinder vor einer Infektion zu schützen. Sondern auch zu schauen, dass alle Tagesmütter und -väter gut durch diese Krise kommen. Und dass es danach nicht größere Engpässe gebe. Denn der Bedarf an Tagespflegestellen ist groß. Der erst vor gut einer Woche angelaufene Kurs, den angehende Tagesmütter absolvieren müssen, musste wegen Corona indes abgesagt werden.

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