Rudersberg Wenn Kinder die Ersten am Unfallort sind

Spielerisch lernen die Kinder mit einem großen Hüpf-Telefon, den Notruf zu wählen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Rudersberg.
Normalerweise hilft der Weihnachtsmann dem Rentier Ole, wenn es sich wieder einmal verletzt hat. Aber so kurz vor Weihnachten ist er damit beschäftigt, Geschenke zu verpacken. Stattdessen müssen die Kinder aus dem Kindergarten Asperglen einspringen und den tollpatschigen Ole verarzten, wenn er sich mal wieder die Nase eingeklemmt oder den Po zerkratzt hat. Was klingt wie lustiger Spielspaß, hat einen ernsten Hintergrund.

Denn Ole ist eine Erfindung des DRK, die schon den Kleinsten wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen beibringen soll. Zwar wünscht sich niemand, dass junge Kinder in eine Notsituation kommen, aber doch kann es passieren, dass sie die ersten und einzigen Menschen sind, die in einer Notfallsituation die Möglichkeit haben, zu helfen. Wenn den Eltern oder Großeltern plötzlich etwas passiert zum Beispiel. Deshalb ist es wichtig, dass sie von klein auf lernen, den Notruf abzusetzen.

Nina Siegle hat zu Hause ein Erste-Hilfe-Buch für Kinder entwickelt

Dafür besuchen Nina Siegle und Heidrun Hellmuth vom Deutschen Roten Kreuz Kindergärten. „Um die 1400 Kinder sind das im Jahr“, sagt Nina Siegle. Die Schorndorferin hat gerade 15 gespannt lauschenden Kindern an Kuscheltier Ole demonstriert, wie man einen Dreiecksverband wickelt. „Das Rentier passt zu Weihnachten“, findet sie. „Wir haben aber auch noch zwei andere Programme für Kindergärten.“ Rentier Ole ist der neueste Charakter im DRK-Kinderprogramm. Neu ist auch das Erste-Hilfe-Buch, das die zwei Frauen den Kindern in Asperglen hinterlassen.

Nina Siegle hat es in ihrer Freizeit entwickelt und ihm dann im Team mit dem Jugend-Rot-Kreuz den letzten Schliff verpasst. „Das Buch ist erst seit zwei Wochen im Einsatz“, erzählt sie. Darin zu sehen sind Fotos von Oles „verflixtem Tag“, den die Kinder gerade hautnah miterleben durften.

Schon als Ole morgens das Näschen zum Stallfenster rausstrecken will, klemmt er sich ein und muss von dem jungen Emil, der bereitwillig von seinem Stuhl aufspringt, um das Kuscheltier in den Arm zu nehmen und zu drücken, getröstet werden.

„Kinder wollen immer etwas machen“, schmunzelt Nina Siegle, als sie von ihrem Buch erzählt. Indem die Kinder lernen, anderen zu helfen, sollen sie ihr Selbstbewusstsein, ihr Selbstwirksamkeitsgefühl und ihre Empathiefähigkeit stärken. „Die Geschichte kommt immer gut an“, sagt Nina Siegle. „Auch Kinder, die sich sonst nicht so gut konzentrieren können, sind aufmerksam.“

Die Kinder üben an Rentier Ole Hilfe-Maßnahmen für den Notfall

Mit dem Erste-Hilfe-Buch, das die zwei Frauen vom DRK in Asperglen lassen, können die Kinder Oles verflixten Tag erleben, so oft sie wollen. Jedes Mal, wenn die Erzieher an einem Punkt in der Geschichte angekommen sind, an dem Ole wieder einmal Hilfe braucht, können die Kinder Karten zeigen, auf denen steht, welche Erste-Hilfe-Maßnahme notwendig ist, um ihn zu verarzten. Damit sollen sich die Notfall-Hilfestellungen besser einprägen.

Während Nina Siegle noch da ist, erzählt sie den Kindern aber selber von Oles verflixtem Tag. Sie hat Kisten mitgebracht, die wie Geschenke verpackt sind. Die machen die Kinder gleich zu Anfang neugierig. Als Nina Siegle fragt, wer die erste, in der sich Oles Stall befindet, öffnen möchte, schnellen viele kleine Hände in die Luft.

„Was macht man, wenn man sich etwas eingeklemmt hat?“, fragt sie die Kinder, nachdem der eisige Polarwind das Fenster zugeschlagen und Oles Schnauze eingeklemmt hat. „Ein Kühli holen!“, ruft der kleine Vincent. Nina nickt. „Statt eines Kühlis können wir aber auch ein Tuch nehmen und es mit Wasser nass machen.“

„Da ist ja ein Weihnachtsbaum mit Geschenken“, staunt der junge Paul, als die zweite Kiste sich öffnet und Oles Wohnzimmer offenbart. Ole selbst hat leider erst einmal andere Sorgen, als er sich nach dem Spielen im Schnee am Kamin wärmen will und sich dabei den Hintern verbrennt.

Gut gerüstet für den Notfall

Nina Siegle und die Kinder helfen ihm mit ein wenig kühlem Wasser. „Aber bei einer schlimmen Verbrennung hätten wir den Notruf wählen müssen“, erinnert die Frau ihre jungen Zuhörer. „Was hätten wir dann machen müssen?“ Die Kinder sind schon Profis. „1“ sagen sie und heben einen Daumen nach vorne. Noch mal „1“ - der andere Daumen geht nach vorne - und „2“. Beide Daumen gehen vorne zusammen.

Am Ende der Geschichte geht es Ole wieder gut. „Jetzt kann er an Weihnachten den Schlitten mit den Geschenken ziehen“, verkündet Nina Siegle. Die Kinder freuen sich. Später am Tag üben sie, Pflaster aufzukleben, einfache Verbände zu wickeln und den Notruf abzusetzen. Damit sind sie gut gerüstet für einen Notfall, der hoffentlich nie eintritt.

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