Rund um Schorndorf 82-Jähriger warnt vor weiteren Bomben

Urbach. Gerhard Daiß geht es um die Gesundheit der Baustellenarbeiter. Darum hat sich der 82-Jährige an die Polizei gewandt: Er vermutet auf dem Areal zwischen Bahnlinie und B 29 weitere Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Als Jugendlicher hat er laut eigenem Bekunden beobachtet, wie Flieger die Bomben über den Äckern abwarfen.

An sich ist Gerhard Daiß keiner, den es in die Öffentlichkeit drängt. Er und seine Frau haben im Zweiten Weltkrieg manches erlebt – aber vieles davon wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Bei der Sache mit dem Bombenabwurf macht das Paar eine Ausnahme. „Wegen der Sicherheit“, sagt Gerhard Daiß. Der 82-Jährige vermutet weitere Bomben auf dem Gebiet zwischen Schorndorf und Urbach, wo am Mittwoch eine 500 Pfund schwere amerikanische Bombe entschärft wurde (wir berichteten). Genau gesagt geht es um das Areal nördlich der Bahnlinie, bis zur heutigen Bundesstraße, der B 29. Gerhard Daiß ist sich sicher, als Jugendlicher gesehen zu haben, wie hier 12, 13 viermotorige Maschinen Bombe um Bombe abgeworfen haben.

Der Urbacher, Jahrgang 1929, hat im April 1944 eine Lehre als Elektroinstallateur begonnen und bei der Textilfirma Konrad Hornschuch geschafft, nach dessen gleichnamigen Gründer heute noch eine Straße in Urbach benannt ist. Weil die älteren Jahrgänge alle zum Kriegsdienst eingezogen wurden, hat es bei der Betriebsfeuerwehr akut Bedarf an Leuten gegeben – und schwupps war Gerhard Daiß Mitglied. Und hier beginnt nun das Erlebnis, das der Urbacher unserer Zeitung erzählt hat.

„Auf jeden Fall war das ganze Feld mehr oder weniger umgegraben“

Bei Fliegeralarm sind die Angehörigen der Betriebsfeuerwehr immer in einen der beiden Unterstände der Firma gegangen. Das ist auch an jenem Tag so, als die Flieger kommen, irgendwann im Herbst 44 oder im Frühjahr 45, so genau weiß das Gerhard Daiß nicht mehr. Von dort aus hat der Urbacher auf die Felder Richtung Bahnlinie blicken können. Plötzlich sieht er am Himmel eine viermotorige Maschine der Amerikaner, die eine Rauchfahne absondert. Sie kommt aus der Gmünder Gegend. Es folgen 12, 13 Maschinen, immer so drei, vier in einer Reihe – alle lassen Bomben ab. „Das hat angefangen zu zischen – und dann hat es geknallt.“ Auf Gerhard Daiß wirkt es wie ein Beben. „Auf jeden Fall war das ganze Feld mehr oder weniger umgegraben. Dazwischen ist eine Frau gelegen – und die ist davon gekommen.“ Die Bäuerin – mittlerweile ist sie gestorben – hat der 82-Jährige gut gekannt. Gerhard Daiß hofft nun, dass die Baufirmen bei der Baustelle am Bahnübergang zwischen Urbach und Schorndorf seine Warnung ernst nehmen. Und lieber einmal zu viel mit dem Metalldetektor suchen.

Infos


Zeitzeugen gesucht

Wer ebenfalls Angaben zu dem von Gerhard Daiß beschriebenen Bombenabwurf machen kann, soll sich bei der Zeitung melden – am besten schriftlich.

Post: Lokalredaktion Schorndorf, Oberer Marktplatz 4, 73614 Schorndorf

Fax: 07181/9275-60. Oder per E-Mail: schorndorf@redaktion.zvw.de

  • Bewertung
    0
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!